In den Glattaler Gemeinden sind trotz Lehrermangel bis auf wenige Ausnahmen alle Lehrerstellen besetzt. Die Begründungen fallen unterschiedlich aus.
Beat Matter
Das Problem wird seit dem Frühling so heiss diskutiert wie noch selten zuvor: Es herrscht akuter Lehrermangel. Und zwar nicht aufgrund von konjunkturellen Schwankungen, wie es schon ab und an der Fall war. Diesmal ist das Problem struktureller Art. «In den nächsten 15 Jahren wird über ein Drittel der amtierenden Lehrpersonen pensioniert» heisst es in einem Schreiben der Bildungsdirektion des Kantons Zürich. Gleichzeitig fehlt der Nachwuchs und zahlreiche jüngere Lehrer werfen aufgrund mannigfaltiger Schwierigkeiten den Bettel hin, um sich in anderen Branchen einen nervenschonenderen und besser bezahlten Beruf zu suchen.
Das Glattal hat Glück Im Gegensatz zu anderen Beispielen bleiben die Schulen in Dübendorf, Fällanden und Schwerzenbach vor den massiven Problemen zumindest vorderhand verschont. «Alle Stellen auf der Sekundarstufe sind besetzt», schreibt etwa die Sekundarschulpflege Dübendorf-Schwerzenbach in ihrem jüngsten Verhandlungsbericht. Ein Befund, der gemäss Umfrage des «Glattalers» auch auf die Primarschule Schwerzenbach, die Schule Fällanden und mit kleinsten Einschränkungen auch auf die Primarschule Dübendorf zutrifft.
Weniger Bewerbungen Mit den «besten Voraussetzungen», grössere Probleme zu bekommen, sah sich die Sekundarschule Dübendorf-Schwerzenbach konfrontiert, zumal die Suche nach Sekundarlehrern allgemein als noch schwieriger gilt, als jene nach Primarschullehrern. Insgesamt acht Klassenlehrer, Fachlehrer oder Langzeitvikare kündigten auf Ende Schuljahr 2009/10 ihren Weggang an. Da diese mitunter Teilzeitpensen ausfüllten, die für die Suche nach neuem Personal zusammengelegt werden konnten, ist der Lehrerbestand an der Sekundarschule mit sechs neu gefundenen Klassenlehrern oder Fachlehrern wieder komplett.
«Wir erhielten weniger Bewerbungen auf ausgeschriebene Stellen als gewohnt. Dafür handelte es sich um qualitativ sehr gute Bewerbungen», sagt Marisa Kashani, Präsidentin der Sekundarschulpflege Dübendorf-Schwerzenbach. Den Grund für das Interesse von gutem Personal an ihrer Schule sieht Kashani in einem bestimmten Umstand. Ihn zu beschreiben, zögert sie allerdings einen Moment: «Wir gehören sicher nicht zu jenen Schulen, die jede Veränderung am allerschnellsten umsetzt», so Kashani. Diese «gewisse Zurückhaltung in Reformangelegenheiten» spreche vor allem erfahrenes Lehrpersonal an, was für die Schule ein Glücksfall sei. Die Kehrseite dieses aktuellen Vorteils benennt Kashani allerdings unumwunden: «Wir werden in zirka fünf Jahren mit einer grösseren Welle von Pensionierungen konfrontiert sein.»
Fortschritt als Faktor An der Schule Fällanden konnte bereits im Frühling die letzte Vakanz besetzt werden. Exakt umgekehrt als Kashani begründet Bruno Loher, designierter Schulpräsident der Schule Fällanden und vorderhand noch Leiter des Ressorts Personal, den Erfolg seiner Schule auf der Lehrersuche. «Die Schule Fällanden ist überaus innovativ. Änderungen, welche manch andere Schule erst jetzt einführen muss, haben wir teilweise schon vor Jahren eingeführt. Wir sind jetzt quasi in einer Konsolidierungsphase», so Loher. Einen weiteren Grund ortet Loher in der geografischen Lage. «Fällanden ist ideal gelegen. Nicht mehr Stadt, noch nicht Land – und perfekt erreichbar.» In Fällanden sind auf Vakanzen sogar Bewerbungen aus dem Bündnerland eingegangen.
Mehr Suchaufwand Für Edith Jöhr, Präsidentin der Primarschule Dübendorf, ist allerdings nicht der allfällige städtische Nachteil, den Loher ins Feld führt, entscheidend, sondern vielmehr die Qualität und entsprechend der Ruf der Schule. «Vor gut einer Woche konnten wir die letzte Vakanz mit Klassenlehrerverantwortung besetzen», sagt Jöhr. Noch offen sind zwei Stellen mit kleineren Pensen, für welche der Kanton allerdings Vikare stellen müsste, sollten die Stellen bis zum Schulbeginn nicht besetzt werden können.
«Erfreuliches Indiz für die Qualität der Schule sind einerseits die Tatsache, dass die Schule über viele langjährige Lehrer verfügt und andererseits der Umstand, dass manche Vakanz aufgrund von persönlichen Empfehlungen unserer Lehrer besetzt werden konnte», so Jöhr. Trotzdem habe ein merklich höherer Aufwand betrieben werden müssen, um das Lehrerkollektiv zu komplettieren.
Überschaubare Grösse Ebenfalls erfolgreich - aber gänzlich ohne Mehraufwand - verlief die Lehrersuche in Schwerzenbach. «Verglichen mit den letzten Jahren können wir bei uns keinen häufigeren Abgang von Lehrpersonen feststellen», sagt Klemens Staub, Schulpräsident der Primarschule Schwerzenbach. Entscheidend dafür, dass die Gemeinde vor Lehrerproblemen verschont bleibt, ist für Staub die gute verkehrstechnische Anbindung sowie hauptsächlich die Überschaubarkeit der Schule. Es sind Argumente, mit welchen die Primarschule aktuell auch in der Ausschreibung für eine Lehrperson für die integrative Förderung (IF) wirbt.
Solche IF-Lehrpersonen, welche die «normalen» Lehrer bei der Integration von Kleinklassen in die Regelklassen unterstützen sollen, sind noch in allen Schulen, ausser in Fällanden, gesucht und wie von allen Seiten bestätigt, sehr schwierig zu finden. Die Freude über die gefundenen Regelklassenlehrer überwiegt bei den Schulpräsidentinnen und -präsidenten allerdings die Sorge, um noch zu findende IF-Lehrkräfte.