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Fliegende Finger und fliegende Haare
Die drei Ladies in Black (von links): Geigerin Katja Hess, Cellistin Bettina Macher und Pianistin Myriam Ruesch beherrschen ihre Instrumente elegant und mit einem Augenzwinkern. Bild: sgo
Im katholischen Pfarreizentrum haben die drei Musikerinnen des Trios Artemis ihre rund 70 Gäste mit musikalischer Unbeschwertheit um ihre virtuosen Finger gewickelt.
Steffanie Gohr

Die Kommission Rümlang Kultur hat sie eingeladen, und da sind sie: Geigerin Katja Hess, Cellistin Bettina Macher und Pianistin Myriam Ruesch, die an Konzerten im Wechsel mit Felicitas Strack spielt. Die Musikerinnen des Trios Artemis haben sich am Konservatorium Winterthur kennengelernt, spielen seit 1995 zusammen und brillieren seither an internationalen Konzerten sowie in TV und Radio. «Im Dezember hatten wir 20 Auftritte im Casino Winterthur und haben nun ein wenig gezittert, ob wir schon wieder in Form sind», berichtet Katja Hess vor dem ersten Auftritt im neuen Jahr. Sie sind. Nach bewährter Manier widmen sie den ersten Teil des Abends einem klassischen Werk, den zweiten Teil der leichteren Muse mit bekannten Filmund Musicalmelodien. Nach dem Motto «...?von Ost nach West» folgen auf den böhmischen Komponisten Antonín Dvor?ák einige europäische Stücke und amerikanische Unterhaltungsmusik.

«Fast vom Stuhl gesprungen»

«Das «Dumky» von Antonín Dvorák passt einfach zu uns, wegen der Tempound Stimmungswechsel», betont Geigerin Katja Hess. Stimmt. Das Werk des böhmischen Komponisten Antonín Dvorák (1841 bis 1904), opus 90, Trio Nummer 4 in e-Moll, wird als «Dumky» bezeichnet im Slawischen ein «flüchtiger Gedankenstrom» eines erzählenden Volksliedes. In sechs Sätzen erlebt das Publikum mal slawische Melancholie, mal unbeschwerte Lebensfreude, mal ruhige, mal tänzerisch bewegte Klänge. Nach dem rasanten und spannungsgeladenen fünften Satz atmen die Gäste hörbar aus erste Bravorufe werden laut. Der Rümlanger Tassos Kitsakis ist hingerissen: «Die Geigerin ist fast vom Stuhl gesprungen, diese Begeisterung steckt an!» Der Architekt und Künstler Heinz Rüedi aus Rümlang hat indes still und leise mehrere Skizzen der drei Musikerinnen auf seinen Zeichenblock gebannt.

Die drei mögens dramatisch

«Zum Dessert servieren wir Ihnen nun etwas leichtere Kost», meint Cellistin Bettina Macher nach der Pause und scherzt: «Der leidenschaftliche Csárdás, ein ungarischer Nationaltanz, ist etwas für unsere Zigeunergeigerin.» Doch alle drei beweisen ihr Temperament noch mehrfach. Etwa in der Arie «L'amour est un oiseau rebelle» aus Georges Bizets Oper «Carmen», im ebenso schnellen wie berühmten französischen Tanz «Cancan» von Jacques Offenbach und im dramatischen «Phantom der Oper»-Motiv des britischen Musical-Komponisten Andrew Lloyd Webber. «Der Winter» aus den «Vier Jahreszeiten» des argentinischen Komponisten Astor Piazzolla bietet dramatische Klavierpassagen für Pianistin Ruesch, wechselnde Stimmungen und teils verrückte Spieltechniken. «Einer unserer Lieblingskomponisten», so Hess. Die drei mögens eben dramatisch. «Es war wunderschön», urteilt Irene Maag aus Oberglatt, «und sehr abwechslungsreich.»

   
 
Inga Struve (ist)  
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