Als Ende des 19. Jahrhunderts bekannt wurde, dass die kantonale Strafanstalt Oetenbach geschlossen werde, erhielt Regensdorf den Auftrag, eine neue zu bauen. Die «grüne Wiese», auf der das Projekt realisiert werden sollte, gehörte damals 96 Grundeigentümern. Der Quadratmeter Land kostete noch zwischen 44 und 88 Rappen. Unter schwierigen Bedingungen erstellten 400 Arbeiter, darunter auch Häftlinge, den Bau. Im Oktober 1901 zogen die Gefangenen von Oetenbach nach Regensdorf. Und dies, obwohl die neuen Gebäude noch viele Mängel aufwiesen. So waren die Fenster nicht vergittert und die Riegel an den Türen im Erdgeschoss konnten leicht aufgebrochen werden. Als ungeeignet erwiesen sich die Abortstühle in der Schreinerei, die täglich zweimal geleert werden mussten. Und in den Räumen fehlten Belüftungslöcher, was einen penetranten Gestank zur Folge hatte. In der Küche gab es zu wenig Kessel. Das Telefon schliesslich, im Weiberhaus, war nur mit einem einzigen Hörrohr versehen.
Ausbildung zum Landwirt
Max Brüsch kennt die alte Strafanstalt noch aus seiner Funktion als dortiger Sekretär und Adjunkt. Humorvoll und manchmal auch etwas nachdenklich erzählte er seinen über 200 betagten Zuhörerinnen und Zuhörern von den Ereignissen von anno dazumal: dass früher den Häftlingen die Haare kurz geschnitten wurden, dass Rauchverbot herrschte, dass es zum Essen praktisch immer Suppe gab einmal pro Woche auch mit einem Stück Fleisch -, dass die Häftlinge vor der Bettruhe ihre Hosen draussen an der Zellentür aufhängen mussten und dergleichen mehr.
Die im Landwirtschaftsbetrieb ausserhalb der Mauern beschäftigten Häftlinge wurden von Aufsehern mit geladenen Waffen bewacht. Nach dem Ersten Welt-krieg betreuten im vergrösserten Betrieb 30 Leute, darunter 10 Insassen, unter anderem 200 Stück Grossvieh. Später war es möglich, dass Gefangene die Ausbildung zum Landwirt absolvieren konnten. Der von Ruedi Ebeling, Kurator des Gemeindemuseums Regensdorf, vorgeführte Stummfilm zeigte, wie auf dem Hof noch von Hand oder mit einfachen Maschinen gearbeitet wurde. Dazwischen las Max Brüsch ein Gedicht von Heinrich Bleuer vor. Bleuler, damals bekannt als heruntergekommenes, humorvolles Original und als Dorfpoet, sass verschiedentlich in der Strafanstalt. Das Gedicht war zufällig einem Untersuchungsrichter in die Hände gefallen und ist somit der Nachwelt erhalten geblieben.
Filmschauspielerin schaut zu
Der zweite Stummfilm aus dem Jahr 1939 erzählt die Geschichte eines entlassenen Häftlings, der es schwer hatte, eine Stelle zu finden. Oft wurden ehemalige Insassen rückfällig. Vor einem solchen Rückfall rettete ein siebenjähriges Mädchen den im Film dargestellten Entlassenen. Das Mädchen von damals heisst heute Myrtha Aschmann, ist 80-jährig, wohnt in Watt und sass unter den Zuschauern: «Ich habe den Film heute zum ersten Mal in seiner ganzen Länge gesehen.» Die Szene, in der sie ihren in einen Schacht gerollten Spielball nicht stoppen konnte, sei mehrmals gedreht worden. Der Entlassene wollte gerade ein Schaufenster einschlagen. Weil sie ihn bat, denn Ball aus dem Schacht zu holen, habe er von seinem Vorhaben abgelassenen, ihr geholfen und auch bald eine Arbeit gefunden.
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