Der Mahlraum der Mühle Otelfingen wurde letzten Sonntag in Erwartung eines grossen Publikums eng bestuhlt. Gut 70 Besucherinnen und Besucher, hauptsächlich Mitglieder der Vereinigung, aber auch Vertreter von Museen aus der Region und sonstige Gäste, fanden sich um 11 Uhr zur Vernissage des 41. Mitteilungshefts der Heimatkundlichen Vereinigung Furttal in der Mühle Otelfingen ein. Es ist nicht das erste Mal, dass die Vernissage in der Mühle stattfindet. Doch dieses Mal hat sich dieser Ort geradezu angeboten, widmet sich das neueste Heft doch eben diesem Furttaler Kulturdenkmal.
«Die Mühle hat überlebt!», freut sich der Historiker und Autor des diesjährigen Hefts Lucas Wüthrich in seiner Ansprache. Das sei hauptsächlich dem letzten Besitzer der Mühle, Jürg Gilly, zu verdanken, der sie 1968 gekauft hatte. «Es war ein wagemutiger Entscheid», sagt Wüthrich. Schliesslich befand sich die Mühle zu diesem Zeitpunkt in einem desolaten Zustand und Gilly musste viel Geld investieren, um das Gebäude zu renovieren. Er selbst lebte anschliessend über 30 Jahre lang in der Mühle und überführte sie schliesslich 2001 in eine Stiftung.
Das Heft sei eigentlich 1998 als Festschrift zum 400-Jahr-Jubiläum der Mühle erschienen, erklärt Wüthrich. Jürg Gilly habe damals an seinem Gebäude zweimal die Jahreszahl 1598 entdeckt und daraus geschlossen, dass ein Jubiläum angebracht sei. Er war der Ansicht, dass der erfreuliche Anlass etwas Schriftliches erforderte. Wüthrich habe schliesslich eingewilligt, die Festschrift zu verfassen. Zuerst habe er sich das Gebäude aber einmal richtig anschauen müssen. «Und da hat es mich gepackt!», gesteht er. Vor allem der Dachstock habe es ihm angetan. «Es ist einer der Schönsten im Kanton Zürich», schwärmt er. «Den müssen Sie sich unbedingt einmal anschauen.» Und weiter: «Ich habe mich, vielleicht weniger schnell als in eine Frau, in das Gebäude verliebt, und eine Liebesgeschichte geschrieben.» Diese hat er dann der HVF zur Verfügung gestellt, damit sie heuer einem breiteren Publikum zugänglich gemacht werden kann.
Müller über 13 Generationen
Im ersten Teil seines Werks geht der Autor kurz auf Mühlen im Allgemeinen ein. «Ich musste mich selbst zuerst einmal über Mühlen informieren, da ich keine Ahnung davon hatte.» Dann widmet er sich der spannenden Geschichte der Unteren Mühle von Otelfingen. Erstmals schriftlich erwähnt wurde die Mühle in einem Vertrag im Jahr 1405, doch datiert ihre Geschichte vermutlich bis ins 12. Jahrhundert zurück. Besonders interessant ist, dass sich die Mühle seit dem 16. Jahrhundert in den Händen der Otelfinger Müllerfamilie Schlatter befand und zeitweise bis zu 15 Personen dieser Familie in der Mühle lebten und sie betrieben. Mit seinem Kauf 1968 beendete Jürg Gilly diese Müllerdynastie, die über 13 Generationen hinweg angedauert hatte.
Und wer denkt, dass ein Historiker nicht verständlich schreiben kann, der irrt gewaltig. Wüthrich hat sich nämlich an das Credo seines ehemaligen Professors gehalten und seinen Text so geschrieben, dass «ihn auch eine gewöhnliche Putzfrau versteht».
Seine Ausführungen widmet er Jürg Gilly, mit dem ihn bis zu dessen Tod im Jahr 2007 eine enge Freundschaft verband.
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