Anzahlmässig hatten die Eidgenossen den Österreicher Ball fest im Griff. Das hat seinen Grund. «Man muss kein Österreicher sein, um österreichische Lebensart und Bälle zu lieben», erklärt Gastgeberin Monika Löscher. Als Präsidentin des Österreicher Vereins Zürich organisiert die Oberhaslerin das Regensdorfer Gross-Tanzereignis zum sechsten Mal in dieser Form.
«Unsere Gäste sind Österreicher, Herzensösterreicher und ?Freundeösterreicher?», sagt sie und differenziert auch gleich. Herzensösterreicher seien Personen, die den Schweizer Pass haben, deren Vorfahren aber aus Österreich stammen. «Freundeösterreicher» seien Menschen, die Österreich kennen und lieben gelernt haben. «Man könnte sagen, Schweizer mit Walzer im Herzen», erläutert Löscher. Zu ihnen gehört der Gemeindepräsident von Niederhasli, Marco Kurer. «Ich schätze die Offenheit, die Geselligkeit, die Gemütlichkeit, die flotten Leute mit Kultur», sagt er und führt Gattin Elsbeth zu den Stimmungshits der Band Romanticas übers Parkett.
Schnitzel hundertfach geklont
Grüner Veltliner duftet würzig. «Manchmal muss man sich etwas gönnen», stellt der Wiener Jürgen Krenn fest und hebt sein Glas. Einmal im Jahr, anlässlich des Österreicher Balls, liegt für ihn die Heimat nur drei Busstationen von seinem Wohnzimmer entfernt. «Ich wohne seit einigen Jahren in Watt. Es gefällt mir. Das Einzige, was ich vermisse, ist das Schnitzel meiner Oma», sagt er. Doch dieses würde er in verblüffend authentischer Ausführung am Buffet des Österreicher Balls finden.
350 Stück Schnitzel hat das Küchenteam geklont. 40 Kilo Backhendl hat es, knusprig gebraten, und 40 Kilo Tafelspitz duften am Tresen. «Tagelang haben wir Österreichisches für knapp 300 Ballgäste vorbereitet», sagt Markus Gluth, der Mann mit der weissen Kochmütze. 300 zuckersüsse Sacherschnitten und drei Kilo Kaiserschmarrn stehen zur Verführung bereit. Zum Glück verfüge man über einen Koch, der in Österreich gelernt hat, wie man ihn richtig macht. Gluth meint: «Hier im Saal darf man nichts riskieren. Das sind alles Kenner.»
Aufgeschnappt
«Mit meinem Besuch am Österreicher Ball tu ich etwas für die Umwelt. Ich spare acht Stunden Autofahrt nach Wien», rechnet Heimwehösterreicher Jürgen Krenn aus Watt vor.
«Nach dem Ball wartet auf jede Dame eine Spende in Form einer praktischen Tasche. Darin können beispielsweise Ballschuhe, Balljäckchen oder Kameras mit nach Hause genommen werden. Zum Glück sind die Kerzenleuchter auf den Tischen hierfür zu gross?...», bemerkte Monika Löscher, die Präsidentin des Österreicher Vereins Zürich, in ihrer Eröffnungsansprache.
«Vom Outfit her könnte ich noch einen Zahn zulegen. Ich habe mich aber dazu entschlossen, meine Lederhose im Schrank zu lassen», sagt Marco Kurer, Gemeindepräsident von Niederhasli.
«Meine Frau ist ein Wunder. Obwohl sie Schweizerin ist, redet sie mit ihren österreichischen Verwandten am Telefon echt kärntnerisch», sagt Mario Ammann aus Buchs.
(beb)
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