«Mein Mann starb vor einigen Jahren. Ich fiel in ein abgrundtiefes, stockdunkles Loch. Erst in der Selbsthilfegruppe habe ich Licht und Ausweg gefunden», sagt Brigitte J. * Die Regensdor-ferin versucht zu lächeln. Erst vor drei Monaten hat sie sich der Selbsthilfegruppe für Trauernde angeschlossen. «Es wäre für mich leichter gewesen, wenn ich das Angebot von Anfang an gekannt hätte», meint sie. Alle vier Wochen kommt die Regensdorferin nun ins katholische Pfarreizentrum und trifft dort auf Menschen, die sich in einer ähnlichen Situation befinden.
Seelische Schwerarbeit
Zum Beispiel für den Herrn aus Adlikon, der erst kürzlich seine Frau verloren hat. «Ich befinde mich noch ganz unten vor dem Berg», sagt dieser. «Es tut noch unglaublich weh. Trauerarbeit ist die schwerste seelische Arbeit, die es gibt», meint er mit Tränen in den Augen. «Ich habe eine liebe Familie, gute Freunde, und ich wurde noch nie so oft zum Essen eingeladen wie im Moment», sagt er in der Gruppe und fügt dann kopfschüttelnd hinzu, «physisch geht es mir gut. Doch ich hätte nie gedacht, dass mich je einmal ein so grosser seelischer Schock treffen könnte. In der Gruppe realisiere ich, dass das normal ist und es viel Zeit braucht, bis die Wunden geheilt sind.» Ein Teilnehmer nickt ihm zu. «Das kann ich nachfühlen. Als meine Frau vor zwei Jahren gestorben ist, war ich in einem Kreis der Trauer gefangen, sah einfach kein Licht mehr. Durch die Selbsthilfegruppe hat sich der Kreis geöffnet.» Jetzt sei eine Gerade daraus geworden. «Mit Höhen und Tiefen. Wo sie hinführt, weiss ich nicht, aber es geht vorwärts und das tut gut», erklärt er. «Vom ersten Moment an fühlte ich mich in der Gruppe aufgehoben und spürte eine Wärme, die mir guttat.»
«Trauer, das ist etwas, was man in unserer Gesellschaft nicht zeigen will und darf. Es besteht die Gefahr, dass man seine Gefühle verdrängt. Doch wer nicht trauert, versteinert», sagt der Leiter der Gruppe Marijan Markotic. Zusammen mit Andrea Mertens, Pflegefachfrau und zertifizierte Sterbeund Trauerbegleiterin, hat der Psychologe die Gruppe 2008 ins Leben gerufen.
«Die Teilnehmenden befinden sich selbst in ganz unterschiedlichen Phasen des Trauerprozesses. Dadurch können sie sich gegenseitig bestens verstehen, ermutigen und unterstützen», sagt Markotic und fügt hinzu: «Gemeinsam ist es leichter, die Trauer umzuwandeln den Schmerz in Hoffnung und die Hoffnung in tieferes Leben.» *Name geändert
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