«Hurra, hurra, die Schule brennt», sang die Neue-Deutsche-Welle-Band Extrabreit und landete damit 1980 einen Hit. Kein Schulhaus mehr zu haben, mag der Wunschtraum vieler Schüler sein. Aber wenn er sich konkretisiert, ist der Gedanke plötzlich nicht mehr ganz so lustig. Das erfahren derzeit die Schüler der Kantonsschule Glattal in Dübendorf. Sie hätten eigentlich im Sommer aus dem Provisorium in Dübendorf in ein neues Provisorium nach Uster ziehen und dort unterrichtet werden sollen. Doch weil gegen die in Uster geplanten Pavillons Rekurse erhoben worden sind, ist die Situation derzeit angespannt.
«Ich rechne mit der Möglichkeit, dass es beim geplanten Bauprojekt in Uster zu Verzögerungen kommt», schätzt die Dübendorfer Bildungsvorsteherin Edith Jöhr die Situation ein. Sie hat allerdings auch eine beruhigendende Botschaft: «Die Primarschule verlängert den Mietvertrag mit der Kantonsschule um ein Jahr. Entsprechende Verhandlungen mit den Verantwortlichen des Kantons haben vorsorglich bereits stattgefunden.» Will heissen, dass die Kantonsschule bei Bedarf ein weiteres Jahr in Dübendorf bleiben könnte. Allerdings auf Kosten der Primarschule, welche die Räume des Kanti-Dauerprovisoriums eigentlich beansprucht. «Die Primarschule wird ein weiteres Jahr mit den beengten räumlichen Verhältnissen klarkommen müssen», zeichnet Jöhr die Folgen auf. Das sei insbesondere für die Lehrpersonen an der Primarschule unbequem. «Hauptleidtragende in dieser ganzen Angelegenheit ist aber die Kantonsschule Glattal, deren Lehrpersonen nun wohl ein weiteres Jahr an drei verschiedenen Standorten Stägenbuck, WBK, Uster unterrichten müssen», so Jöhr.
Es wird enger
Räumlich wird es in Dübendorf gegebenenfalls auch für die Kantonsschule enger, wie Rektorin Ruth Wullschleger erklärt. Die Raumsituation würde sich verschärfen, weil der Kanti ein Schulzimmer gekündigt wird. Für 40 Unterrichtsstunden pro Woche muss somit eine neue Lösung gefunden werden. «Das ist nicht ganz problemlos», sagt Wullschleger dazu. «Wir sind noch am Abklären, wie wir das lösen können.» Zur Diskussion steht beispielsweise ein Raum an der WBK oder im BZU selbst in Uster. «Wichtig ist für uns, dass nicht noch ein weiterer Standort hinzukommt.» Denn eigentlich sind zwei Standorte für die Kantonsschule bereits zu viel. So kann es vorkommen, dass der Lehrer der Klasse eine Geografie-Lektion in Uster erteilt, die nächste an einem anderen Tag dann aber in Dübendorf. Was vor allem den Lehrern einiges an Logistik abverlangt, müssen sie doch immer alle Unterrichtsmaterialien hinund hertransportieren.
Auch nicht besonders attraktiv: Die Kantonsschule Glattal verfügt über dasselbe Budget wie alle anderen Schulen; für die zu fahrenden Strecken können die Lehrer also nicht entschädigt werden.
«Die Hoffnung stirbt zuletzt», sagt Wullschleger mit Blick auf den kommenden Sommer. Sie hofft noch, dass die Rekurse in Uster zurückgezogen werden. «Ich habe kürzlich mit dem Bauführer gesprochen. Wenn der Baubeginn Anfang Februar wäre, wären die Pavillons auf Ende August bezugsbereit.» Und das Raumproblem wäre gelöst. Ihre Hoffnung schöpft Wullschleger aus dem Versprechen der Rekurrenten, den Neubau nicht verzögern zu wollen.
Ein echtes Theater
Die Schüler reagieren auf die Situation mit Galgenhumor. Die Facebook-Gruppe «Du weisst, dass du an die Kanti Glattal gehst, wenn??» zählt gegenwärtig 219 Mitglieder. Einer der aufgelisteten Punkte lautet: «? du dich manchmal fragst, ob das wirklich eine Schule ist.» Und im Singsaal Stägenbuck wird am kommenden Montag, 30. Januar, und am Dienstag, 31. Januar (jeweils um 19.30 Uhr) das Theaterstück «Plan B von Plan B» aufgeführt. Plan B wäre der Bau der Pavillons in Uster gewesen.
Wullschleger: «Ich bin überrascht und erfreut, dass das Thema auf eine sehr kreative Art von den Schülern aufgegriffen wurde.» Die Initiative sei nicht von der Schulleitung aus gegangen. Den Schülern liegt offenbar doch etwas an ihrer Schule. Das wird auch in der Facebook-Gruppe deutlich - auch wenn man das «niemals öffentlich zugeben würde», steht dort. Wullschleger: «Heutzutage wird dem Thema kreativ begegnet - im Gegensatz zu den 1980er-Jahren, als noch Steine flogen.» Und Popbands von brennenden Schulen träumen liessen??
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