Embrach

Armee kocht und lernt gleichzeitig

Sechs Küchenchefanwärter der Schweizer Armee kochten am Donnerstag für hungrige Embracher. Rentner, Hausfrauen und Arbeiter liessen sich die Gelegenheit zu einem preiswerten Mittagessen nicht entgehen.

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Am Morgen früh fuhren die sechs Küchenchefanwärter unter der Leitung von Adjutant Unteroffizier Fabian Manferdini vom Kommando Küchencheflehrgang auf den Parkplatz der Badi Talegg und bauten das mobile Verpflegungssystem auf. Sie installierten den Stromanschluss, zogen Wasserleitungen für die Frischwasserzufuhr sowie das Abwasser, stellten Festbänke und Tische auf.

In der Feldküche, dem mobilen Verpflegungssystem, das mit moderner Infrastruktur ausgestattet ist, begannen die Köche mit der Zubereitung des Menüs. Poulet süss-sauer, Gemüsereis und Schoggicreme standen auf dem Speiseplan. Der Ablauf, wer was macht, war auf dem Tagesbefehl festgehalten. Jeder Mann wusste genau, was seine Aufgabe war. Küchenchefanwärter Tim Christen aus Kloten, auch er gelernter Koch, war als «Küchengehilfe» eingeteilt und sorgte dafür, dass in der engen Küche Ordnung herrschte. Zwei Köche kümmerten sich um das Fleisch und den Reis. Alle Beteiligten arbeiteten ruhig und konzentriert.

Um halb zwölf kamen die ersten Gäste mit Vorratsdosen und Tupperware und holten ihre Portion ab. Manche setzten sich hin und genossen die schmackhafte Mahlzeit vor Ort an der wärmenden Sonne. Rentnerinnen nützten die Gelegenheit für eine preisgünstige Mahlzeit in Gesellschaft, Mütter holten gleich für die ganze Familie das Mittagessen, die Mitarbeiter des Embracher Werkhofes freuten sich auf das Essen.

Mutter Cornelia Schranz aus Embrach war froh, dass sie nicht selber kochen musste: «Ich habe momentan zwei kranke Kinder zu Hause und nehme die Gelegenheit wahr, ihnen nun eine warme Mahlzeit aufzutischen und etwas mehr Zeit für sie zu haben.» Zwei Damen genossen ihr Mittagessen vor Ort und hatten nur lobende Worte an die Küchenmannschaft. Die Stimmung war entspannt.

Zum ersten Mal Ausbilder

Für den Winterthurer Fabian Manferdini ist es die erste Klasse von Küchenchefanwärtern, die er ausbildet. Der gelernte Koch absolvierte die Rekrutenschule als Truppenkoch und durchlief die militärische Ausbildung bis zum Berufsunteroffizier mit der Funktion Klassenlehrer. «Hier bilden wir in acht Wochen junge Berufsleute zum Küchenchef für die Militärküche aus», sagte der 26-Jährige. Zentral sei die Erweiterung der Sozial- und Fachkompetenz. «In der Kaderausbildung zum Küchenchef werden dieBereiche Führungs- und Ausbildungskompetenz entwickelt und praktisch geschult», führte er aus. Und die Jungköche würden lernen, für grosse Mengen zu berechnen, zu planen und zu organisieren. Dazu gehörte auch, am Tag zuvor die Gegebenheiten vor Ort zu erkunden und zum Beispiel Strom- und Wasseranschluss abzuklären.

Die Aufgabe des Klassenlehrers ist, zu überwachen, Schwachstellen auszumachen und den Jungköchen mit Rat zur Seite zu stehen. «Zu Beginn der Ausbildung kommen Fehler aus mangelnder Erfahrung vor», sagte Manferdini. Diese Fehler werden am Ende jedes Tages reflektiert und entsprechende Lösungsansätze besprochen, sodass diese am Folgetag vermieden werden.

Der Anwärter Tim Christen ist sich bewusst, was es heisst, in der Armee gefordert und gefördert zu werden. «Im zivilen Berufsleben ist es kaum möglich, in so jungen Jahren bereits Führungserfahrung zu sammeln. Das ist einer der Vorzüge der militärischen Ausbildung», sagte er. Er bekomme Verantwortung übertragen, damit habe man danach im zivilen Berufsleben gute Chancen, vorwärtszukommen, zeigte sich der Jungkoch überzeugt.

Üben für den Ernstfall

Die mobilen Verpflegungssysteme der Armee kommen in der Schweiz bei Katastrophen oder anderen Grosseinsätzen zum Zuge, wie zum Beispiel der Skiweltmeisterschaft in St. Moritz, wo Manferdinis Truppe im Einsatz war. «Dort kochten wir bei grosser Kälte und dies war für manche eine grosse Herausforderung.» Eine fundierte Ausbildung sowie eine gute Küche sollen die Motivation der Soldaten anheben. Oder, wie es im Militärjargon heisst: Ohne Mampf kein Kampf.

Am Montag, 20. Februar, kochen die Küchenchefs noch einmal. Von 18 Uhr bis 19.30 Uhr gibt es Ghackets mit Hörnli, Salat und Dessert auf dem Parkplatz der Badi Talegg. Die Bons für 5 Franken können auf der Gemeinde erworben oder vor Ort bezahlt werden. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 17.02.2017, 09:10 Uhr

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