Wallisellen

Die Reformatoren kommen im Originalton zu Wort

Die drei Pfarrer der reformierten Kirchgemeinde organisieren zum 500-Jahr-Jubiläum der Reformation eine dreiteilige Abendveranstaltung. Sie lesen von den Reformatoren selber verfasste Texte vor.

An drei Themenabenden kommen im Walliseller Kirchgemeindehaus die Reformatoren selber zu Wort. Pfarrerin Hajnalka Ravasz und Pfarrer Adrian M. Berger stecken mitten in den Vorbereitungen für die Anlässe.

An drei Themenabenden kommen im Walliseller Kirchgemeindehaus die Reformatoren selber zu Wort. Pfarrerin Hajnalka Ravasz und Pfarrer Adrian M. Berger stecken mitten in den Vorbereitungen für die Anlässe. Bild: Francisco Carrascosa

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Noch hat sich Pfarrer Adrian M. Berger nicht entschieden, welche Texte er für Dienstag, 17. Januar, aussuchen wird. «Die Auswahl ist riesig», sagt er. Jahrelang hat er sich mit Martin Luther und seinem reformatorischen Gedankengut befasst. «Mir ist wichtig, dass die Leute die Aussage verstehen und leichten Zugang zum Gelesenen finden.» Luther sei ein genial begabter Sprachschöpfer gewesen, meint Berger, er habe sich auf die Theologie als die Lehre von Gott fokussiert und sich gefragt, was die Kirche zur Kirche macht. «Das sind die Grundlagen für die Reformation. Und erstmals vor gut 500 Jahren war die Bibel auf Deutsch übersetzt worden», erklärt Berger. Dadurch hätten mehr Leute Zugang zu den Schriften erhalten, denn frühere auf lateinisch verfasste Bibeln seien nur von einer Elite verstanden worden.

Gut verständliche Texte

Pfarrerin Hajnalka Ravasz nimmt sich den Veröffentlichungen von Johannes Calvin an. Sie stammt aus Ungarn, wo die reformierte Kirche calvinistisch ist. «Ich möchte auf eine Seite Calvins aufmerksam machen, die weniger bekannt ist», sagt sie. Dieser Reformator werde oft mit Strenge und Zucht in Verbindung gebracht. «Er hat sich aber als Seelsorger sehr um andere gekümmert. Ich werde aus seinen Briefen und Predigten etwas auswählen, das diese menschliche Seite zeigt.» Mit Ulrich Zwingli befasst sich Pfarrerin Yasmin Zimmermann. Sie hat ihr Theologiestudium in Zürich beendet, wo Zwingli gewirkt hatte. Deshalb ist es naheliegend, dass sie sich auf das Wirken dieses Rerformators konzentriert.

Für alle drei Abende gilt das Thema der Bibelauslegungen. «Wir wollen zeigen, wo die Quelle, der Ursprung liegt und nicht die Tradition in den Mittelpunkt stellen», sagt Berger. Der Ursprung sei das Evangelium, das Alte und das Neue Testament. Von Luther und Zwingli erhalte man Antworten auf die Frage «Was macht die Kirche zur Kirche?». Zwingli sei eher der Politiker gewesen, während sich Luther und Calvin eher auf der Gelehrtenebene bewegten.

Kritisches Denken anregen

Mit der dreiteiligen Reihe zum Reformationsjubiläum will das Pfarrteam die Zuhörerschaft zu kritischem Denken anregen. «Luther hat gesagt, der Mensch soll nicht selber die Rolle Gottes übernehmen», zitiert Berger den Reformator. «Diese Botschaft wollen wir vermitteln.»

Gemäss seiner Kollegin Ravasz sollen die Teilnehmenden auch Fragen stellen können. «Dadurch erfahren wir, wo sie stehen, was sie bewegt. Das ermöglicht uns, sie dort abzuholen und weiter zu begleiten.» Die drei Abende, an denen die Reformatoren selber zu Wort kommen, richten sich an alle Interessierte unabhängig von Wohnort und Glaubensrichtung.. «Es braucht keine Vorkenntnisse über die Reformation», hält Berger fest. «Wir beantworten die Fragen und freuen uns auf angeregte Gesprächsrunden.»

Die Anlässe über die Reformatoren im Originalton finden jeweils im reformierten Kirchgemeindehaus Wallisellen statt, am Dienstag, 17. Januar, «Martin Luther», am Dienstag, 7. Februar, «Ulrich Zwingli» und am Dienstag, 21. Februar, «Johannes Calvin». (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 11.01.2017, 15:51 Uhr

500 Jahre Reformation

Der Beginn der Reformation in Zürich wird auf 1519 datiert als Ulrich Zwingli sein Amt als Gemeindepfarrer am Grossmünster angetreten hatte. Dort predigte er seine religiöse Freiheitsidee. Ihm wird die Grundidee des modernen Sozialwesens zugeschrieben. 2017 wird nun das 500-Jahr-Jubiläum gefeiert, da die Reformation Stadt, Kanton und Land geprägt hat.

1517 hat Martin Luther in Deutschland seine 95 Thesen an die Tore der Kirche Wittenberg genagelt. Damit hat er das Ende des Ablasshandels eingeleitet. Er reformierte die Kirche radikal, indem er die Bibel in den Mittelpunkt stellte und nicht die kirchliche Tradition. Er legte den Grundstein für ein Bildungssystem wie es heute etabliert ist, das Chancengleichheit unabhängig vom Sozialstatus bedeutet. Johannes Calvin kam erst 1536 von Paris nach Genf, wo er dann auch blieb. Er setzte sich für eine reformierte Kirchenordnung ein und wollte strenge Sittenregeln durchsetzen. Dies gelang ihm jedoch erst später und gegen grossen Widerstand.

Die Zürcher Landeskirche plant zusammen mit Partnerorganisationen bis 2019 verschiedene Aktivitäten zum Jubiläum. (bag)

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