Bülach

Gotthelf hätte seine helle Freude gehabt

Die Gaststube im Sternen von Nussbaumen war mit 45 Gästen bis auf den letzten Platz besetzt. Gelauscht wurde dem Hörspiel «Geltstag» von Jeremias Gotthelf.

Die Berner Schlachtplatte wartete nach dem ersten Hörspielteil auf Jolanda Hermann (von links), Christoph und  Yolanda Hagedorn, Organisatorin Ursula Fehr, Wirt Michel Pasche, Hans Fehr, Martin Hermann, Moderator Marc Jäggi und Sängerin Suzanne Klee. Urs Brunner

Die Berner Schlachtplatte wartete nach dem ersten Hörspielteil auf Jolanda Hermann (von links), Christoph und Yolanda Hagedorn, Organisatorin Ursula Fehr, Wirt Michel Pasche, Hans Fehr, Martin Hermann, Moderator Marc Jäggi und Sängerin Suzanne Klee. Urs Brunner

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Schon zu Beginn des Abends war die gemütliche Gaststube im Landgasthof Sternen in Nu bis auf den letzten Platz besetzt, denn die tiefen Temperaturen vom Donnerstag liessen einen Apero im lauschigen Wirtshausgarten nicht zu. Umso wohler fühlten sich die Gäste im warmen Innern bei Trockenfleisch, Käse, Brot und Wein.

Rotweiss karierte Tischtücher, ein grosser grüner Kachelofen, Holztische und -stühle, Kuhglocken an den Balken – das Ambiente für Jeremias Gotthelfs Hörspiel «Geltstag» passte bis ins Detail. «Wenn es uns jetzt hier einschneien würde, hätte es genügend Proviant, und die Geschichten würden nur so lodern», begrüsste Gastgeberin und Initiantin Ursula Fehr ihre Gäste mit einem Schmunzeln.

Radiomoderator Marc Jäggi führte die Gäste in breitem Berndeutsch in die Welt von Gotthelf ein, vermittelte gleichzeitig Zahlen und Fakten. «Gotthelf war ein intelligenter Knabe, aber nicht der ruhigste.» Erst 40-jährig habe er mit Schreiben begonnen und habe die nächsten 17 Jahre bis zu seinem Tod sehr produktiv genutzt. «Gotthelf war ein scharfer Beobachter im Emmental.»

So «ring» wird man nicht reich

Dann hiess es für eine halbe Stunde einzutauchen in eine andere «heile» Welt aus früheren Zeiten. Die Handlung von «Geltstag» spielte rund um einen verstorbenen Wirt. Kann seine Frau als Wirtin den Gasthof weiterführen? In bildhafter Sprache und mit zahlreichen Mundartausdrücken bei den hochdeutsch gesprochenen Passagen erfuhren die Gäste, dass das Wirten, um «ring» reich zu werden, wohl nicht so einfach funktioniere. Dabei sei die Thematik in keiner Zeit veraltet, betonte Eglisaus Gemeindeschreiber Martin Hermann anschliessend. «Es geht um die Sucht nach Geld und Besitz und die Untergrabung des Familienbilds.»

Nach der Halbzeit der Hörspielfolge sorgte Sternenwirt Michel Pasche für den passenden kulinarischen Teil. Die Tische bogen sich scheinbar unter der Last der riesigen Berner-Platten, um mit dem Duft von Rippli, Speck, Bohnen und Sauerrüben den Gästen Gotthelfs Zeiten noch näher zu bringen. Gemütlich wurde geschlemmt und rege geplaudert, analog zur Szene im ausgewählten Hörspielstück, bevor es mit dem zweiten Teil von «Geltstag» weiterging.

Diverse Bezugspunkte zur Gegenwart

«Ich habe früher immer gerne Gotthelf-Filme gesehen», erzählte Besucher Heinz Maag aus Eglisau. Als Mitglied des Jodelklubs sei ihm ausserdem das Liedgut und damit der Dialekt aus dem Bernbiet bekannt. «Das Hörspielstück hat diverse Bezugspunkte zur Gegenwart. Zudem spricht mich diese Gaststube mit dem Kachelofen sehr an, auch wenn ich schon seit Jahren nicht mehr hier war.» Countrylegende Suzanne Klee reiste extra aus Hallau an. «Ich fühle mich hier willkommen. Das Essen ist fantastisch, und das Hörspielstück weckt Erinnerungen. Es sollten viel mehr solche Anlässe stattfinden.»

Eine glückliche Ursula Fehr freute sich nach Kaffee und Süssmostcreme über den Erfolg dieses ersten Hörspielabends. «Es wird eine Fortsetzung geben», versprach sie den Gästen. «Ich habe genügend Ideen für weitere Themen und dazu passende andere Lokalitäten.» Gatte Hans Fehr würde lieber bei Stücken von Gotthelf bleiben. «Diese Sprache ist ein unglaublicher Genuss.» (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 21.04.2017, 17:26 Uhr

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