Kloten

Gute Lacher für beste Steuerzahler

Seit zehn Jahren lädt Kloten die Wirtschaftsvertreter der Stadt jeweils zu «Gesprächen mit Ausblick». Mittendrin witzelte heuer ein sehr gut über Kloten informierter Kabarettist Bänz Friedli und überraschte damit auch so manchen Stadtrat.

«Dä Giel machts no lang», meinte der Kabarettist Bänz Friedli (hinten)  am Klotener Neujahrsapéro zum Stadtpräsidenten René Huber (vorne).

«Dä Giel machts no lang», meinte der Kabarettist Bänz Friedli (hinten) am Klotener Neujahrsapéro zum Stadtpräsidenten René Huber (vorne). Bild: Christian Wüthrich

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Zum Jubiläum sollte es ein besonderer Anlass werden: Statt im Stadthaus lud die Klotener Regierung ihre besten Steuerzahleram Montagabend ins Schluefwegzentrum und organisierte am ersten Wirtschaftsapéro des Jahres obendrein erstmals auch noch einen Unterhaltungsteil. Zu lachen gab es schliesslich einiges für die gegen 150 Anwesenden, darunter auch Airport-CEO Stephan Widrig, der mit der Flug­hafen AG der allerbeste Steuerzahler für die Stadt Kloten ist.

Im Einzelinterview mit dem Moderator des Abends, Ex-Radio-SRF-Sprecher Georg auf der Maur, erzählten die sechs­an­wesenden Stadträte aus ihren Ressorts, blickten zurück und wagten Ausblicke. Dennoch verrieten sie nichts Neues. Einzig die Sicherheitsvorsteherin liess sich entschuldigen, weil sie in Bernan einer wichtigen Nationalratskommissionssitzung teilnehmen müsse. «Schade», fand sodann Showgast Friedli. Die «Frau Doppelname Seiler Graf» sei sonst ­sicherlich immer nah am Volk, doch ausgerechnet jetzt fehle sie, zeigte er sich demonstrativ enttäuscht. Dass sie vom Berner ­Komiker fortan konsequent als «Frau Doppelname» bezeichnet wurde, sorgte wiederholt für ­Lacher.

Mitgefühl des «Saulugihunds»

Die zweite Linke in der Klotener Regierung, Regula Kaeser (Grüne), hatte dagegen des Wortakrobaten Mitgefühl. «Ich war bei uns auch mal für so eine grüne Vereinigung in den Gemeinderat gewählt worden – das war nicht schön.» Ständig habe er einstecken müssen, sei im Rat zuweilen als «Saulugihund» verhöhnt und am Ende mit 8 zu 1 überstimmt worden, als es darum ging, genau dies ins Protokoll nehmen zu lassen. «Jetzt weiss ich, was Politik ist – da menschelt es gewaltig.»

Sozialvorsteherin Gaby Kuratli wiederum bekam Friedlis Schalk zu spüren. Gegenüber der Parteikollegin des vormaligen CVP-Präsidenten und schweizweit ­bekannten Fremdgängers Chris­tophe Darbellay meinte er: «Da sind wir schon ‹es birebitzli› schadenfreudig, nicht?» Zumal man hören konnte, dass das ­Resultat des Seitensprungs «ein Kind Gottes» sei, staunte der Komiker über so viel Vergötterung eines Politikers.

«Spitz aufs Bildungsressort?»

Der «Liebgott» werde es wohl auch für die EVP und den Klotener Finanzvorsteher Mark Wisskirchen richten, wo dieser doch zuvor ein für Politiker eher unverständliches Sowohl-als-auch-Votum zur Unternehmenssteu­er­reform abgegeben hatte. «Aber wenn man, wie ihr in Kloten, das Grounding überlebt hat, kann wohl nichts mehr passieren.» Beim soeben ins Amt gestarteten Stadtrat Kurt Hottinger (SVP) fragte sich Friedli, ob der denn wirklich «so spitz» gewesen sei aufs Bildungsressort, wie er im ernsten Interviewteil kurz davor versichert hatte.

«Oder wie hiess schon wieder jenes Problemschulhaus?» Genau: Spitz. Aber das war längst nicht alles, was dem Nicht-Klotener in Kloten bei der Vorbereitung auf seinen Auftritt aufgefallen war. Hier sage man ja noch: «Chumm, mer gönd is Dorf!» Er habe gesucht. «Aber ich habe beim besten Willen keins gefunden.» Das Dorf sei hier wohl schon in den 60ern «mutwillig zerstört worden». Trotzdem würden die Klotener noch «vom Dorf» reden – «scho komisch», stellte Friedli fest.

In einem Punkt gelang es dem SC-Langnau-Fan noch, sich mit den Einheimischen zu verbrüdern. «Schaut, dass ihr Ende Saison mit dem EHC Siebte werdet», dann habe es auch noch Platz für Langnau in den Playoffs. «Und dann werden wir die Berner und den ‹Z› gemeinsam fertigmachen.» Das Klotener Publikum lachte herzhaft und staunte über die Lokalkenntnisse des Komikers.

«Ich habe noch nie einen gesehen, der unsere Stadt so schnell so gut kennen gelernt hat wie Bänz Friedli», sagte Stadtpräsident René Huber (SVP) am Ende. Zu ihm war Friedli ausgesprochen nett – «ich will ja noch eine Rechnung schicken». Dieser Huber gefalle ihm halt einfach, lobte er seinen Gastgeber. Grund seien Hubers «gender-atypische» Geschenke: Schoggi für die Frau und Blumen für die Herren. Dass er dieses Lob vielleicht doch etwas verfrüht aussprach, merkte Friedli erst, als er selbst – sehr klassisch – eine Flasche Wein bekam. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 10.01.2017, 20:21 Uhr

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