Glattfelden

Kartoffeln bieten Alternative zu Reis

Da der Anbau des Hauptnahrungsmittels auf Madagaskar, Reis, immer öfter durch Dürreperioden zerstört wird, will der Verein «Agro Sans Fronière Suisse» eine Alternative bieten. Die Glattfelder Agronomin Ruth Rossier hat deshalb ein Kartoffelprojekt umgesetzt. Dfür ist sie jetzt für einen Umweltpreis nominiert worden.

Nach einem gemeinsamen Konkurs wird in einem Dorf  auf Madagaskar ein Kartoffelgericht ausprobiert.

Nach einem gemeinsamen Konkurs wird in einem Dorf auf Madagaskar ein Kartoffelgericht ausprobiert. Bild: zvg

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Madagaskar ist laut der UNO eines der ärmsten Länder der Welt. Von den 23 Millionen Menschen des Inselstaats leben 92 Prozent unter der nationalen Armutsgrenze. Mögliche Gründe: Eine korrupte Regierung, wenig Bildung, Rodung der Urwälder, immer häufigere Dürreperioden. Dem entgegenwirken will der gemeinnützige Schweizer Verein «Agro Sans Frontière Suisse» (ASF), ein Zusammenschluss von Agronomen, die in Entwicklungsländern Projekte zur Verbesserung der Lebensumstände der Menschen durchführen.

Fehlendes Wissen vermitteln

Dem 2011 gegründeten Hilfswerk gehört auch die pensionierte Agronomin Ruth Rossier aus Glattfelden an, die für den nationalen Umweltpreis «Trophée de femmes 2017» nominiert ist, der diesen Freitag in Zürich verliehen wird (siehe Kasten rechts). 2014 wurde unter Rossiers Leitung für zwei Dörfer in der südzentralen Hochebene Haute Matsiatra ein Projekt für 24 Bauernfamilien ins Leben gerufen, das letzten Herbst erstmals Früchte, besser gesagt ein Gemüse trug: Kartoffeln. Das Projekt soll der dortigen Bevölkerung im Kampf gegen den Hunger die nährstoffreiche Knolle näherbringen. Denn die Hauptnahrungsquelle auf Madagaskar ist Reis, dessen Ernte in der Regenzeit immer öfter wegen Dürre zerstört wird.

«Das Wissen über die Nutzpflanze, ihren Anbau und Verwendungsmöglichkeiten fehlen in Madagaskar grösstenteils, da wollen wir ansetzten»

Kartoffeln könnten während der Trockenzeit als Nachkultur von Reis angepflanzt werden und wären eine gute Alternative bei Reissengpässen. Doch Kartoffeln werden in Madagaskar, wenn überhaupt, nur als Beilage zum Reis gegessen. «Wissen über die Nutzpflanze, ihren Anbau und Verwendungsmöglichkeiten fehlen grösstenteils, da wollen wir ansetzten», sagt Rossier, die durch die Anregung eines Freundes und Agronomen dem Verein ASF Schweiz beitrat.

Reise zu den Lemuren

Im Sommer 2014 traf sie bei einem Workshop in Montpellier den Vizepräsidenten der madagassischen bäuerlichen Vereinigung (VFTM), Lucien Maminilainoro, der sie für ein geplantes Kartoffelprojekt in zwei Dörfern begeisterte. «Der Zufall wollte es, dass ich für den September bereits eine Privatreise nach Madagaskar gebucht hatte, um die bedrohten Lemuren zu sehen.» so konnte Rossier gleich die zukünftige Projektregion in Augenschein nehmen und nahm sich in Zusammenarbeit mit VFTM der Leitung an, samt der Logistik, Finanzierung und Organisation. Dabei war ihr von Anfang an klar: «Wir wollen für die Dörfer keine Abhängigkeiten für die Zukunft schaffen. Sie sollen das Projekt selber weiterführen können. Es ist Hilfe zur Selbsthilfe.»

Saat für Eigenständigkeit

Darum wurden keine Saatkartoffeln aus der Schweiz oder Frankreich importiert, sondern eine lokale Sorte ausgewählt. Die Frauen, die auf Madagaskar für den Gemüseanbau verantwortlich sind, wurden geschult, Männer bauten Kartoffellagerhäuser aus Lehm. Zudem war Rossier das Umweltbewusstsein sehr wichtig: «Es wird nur Naturdünger verwendet und es werden Energiesparöfen eingeführt, um der Rodung der Wälder entgegenzuwirken.»

In ihrer Hilfe für Menschen in Armut sieht Rossier auch einen Funken Hoffnung für die Natur. «Solange Menschen hungern, kann man von ihnen nicht verlangen, dass sie Naturschutz betreiben und sich um Lemuren kümmern.»

Im September 2016 reiste Rossier für drei Wochen während der Erntezeit in die Dörfer. «Die Menschen dort sind fröhlich, arbeitstüchtig und dankbar für das Vertrauen, dass man ihnen entgegenbringt. Vieles ist noch verbesserungswürdig, aber es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen.»

Die Ernte wurde in beiden Dörfern in einem Dorf-Kartoffelfest samt Kochwettbewerb begangen, alle Frauen bekamen gespendete Schweizer Kartoffelschäler. ASF hat noch grosse Ziele mit der Ausweitung des Projekts, doch dazu sind Spenden nötig, die der dort ansässigen Bevölkerung zugutekommen. In diesem Sinne würde sich Ruth Rossier auch über den Gewinn des Umweltpreises freuen. «Vom ersten Preis würde ich die nächste Mission finanzieren, für die ich sonst selber aufkomme, weil jeder gespendete Franken ins Projekt fliesst.»

Spendeninfounter www.agro-sans-frontiere.ch

(Zürcher Unterländer)

Erstellt: 28.02.2017, 16:07 Uhr

Umweltpreis

«Trophée de femmes» ist der Umweltpreis der Stiftung « Fondation Yves Rocher», der seit 2006 Schweizer Frauen für ihr Engagement für die Umwelt und Natur auszeichnet. Die drei Preise sind auf jeweils 5000, 3000 und 1000 Franken dotiert. Die offizielle Preisverleiung findet am Freitag, 3. März im Restaurant Metropol an der Fraumünsterstrasse 12 von 10 bis 11.30 Uhr statt.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zuonline.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 854 82 14. Mehr...

Jetzt abonnieren!

Abonnieren und profitieren!

Jetzt abonnieren und profitieren!

Kommentare

Blogs

Wanderung am Obersee Im Zigerland ­– ein Gefühl fast wie in Kanada

Reisen Wo Wind und Wasser das Sagen haben

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben