Niederhasli / Dietikon

Ein Lebenswerk auf 180 Seiten verfasst

Am Freitag erscheint über das Lebenswerk des international tätigen Künstlers Willi Gutmann aus Oberhasli erstmals eine Monografie. Gutmanns Familie organisiert zu ­diesem Anlass eine umfangreiche Ausstellung in Dietikon.

Der Kunsthistoriker Axel Wendelberger hat zu Willi Gutmanns Werk eine Monografie geschrieben.

Der Kunsthistoriker Axel Wendelberger hat zu Willi Gutmanns Werk eine Monografie geschrieben. Bild: Madeleine Schoder

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Seine Kunstwerke zieren Plät­ze von Japan über Mexiko bis in die USA. Durch seine monumentalen Skulpturen kam der Oberhasler Künstler Willi Gutmann in den 70er-Jahren in Übersee zu Ruhm. Doch hierzulande ist er nur wenigen ein Begriff. Dies soll sich nun ändern. Heute erscheint eine 180-seitige Monografie, in der Gutmanns Lebenswerk dokumentiert wird. Es ist die erste ­umfassende Publikation über das bildhauerische Schaffen des Künstlers und soll dem Werk zu einer Renaissance verhelfen.

Zwei Jahre lang befasste sich der deutsche Kunsthistoriker, Kurator, Galerist und Autor Axel Wendelberger mit dem umfangreichen Lebenswerk. Beeindruckt zeigt sich Wendelberger von der Vielgestaltigkeit von Gutmanns Kunst. Diese umfasst nicht nur geometrische, sondern auch organische Formen. Wegen dieses grossen Spektrums liess sich der Künstler nicht einfach einordnen. Dies könnte ein Grund gewesen sein, weshalb der Ruhm in der Heimat ausblieb, wo vor allem die Zürcher Konkreten das Kunstgeschehen dominierten. «Es wäre ein Einfaches gewesen, bei der Geometrie zu bleiben und sich der Gruppe rund um Max Bill anzuschliessen. Aber Gutmann nahm auf solche Sachen keine Rücksicht und entwickelte seine eigene Vision», erklärt er.

Die eigene Vision, das war das Spiel mit den Gegensätzen. Monumental und Miniatur, Zerteilen und Zusammenfügen, Positiv und Negativ, Konstruktiv und Organisch – diese Gegensätze kennzeichnen Willi Gutmanns Kunst. Es sei diese philosophische Grundhaltung, die den Kunstwerken eine gewisse Magie verleiht, führt der Autor aus.

Ein anderes Lebensthema war das Spiel mit dem Raum: Wie löse ich die Materie auf, um sie zu vergrössern? Wie dringt der Raum in die Materie ein? Fragen, die der Künstler nicht alleine beantworten will. Seine Objekte, die man bewegen, auseinandernehmen und neu zusammensetzen kann, laden den Betrachter zum Spielen ein. Indem er die Werke verändert, vollendet er sie.

Grosse Retrospektive

Gut 60 Jahre lang lebte der gebürtige Diels­dorfer in Ober­hasli seine Experimentierfreudigkeit aus. 2013 ist der gelernte Schreiner, der sich später zum Innenarchitekten und ab 1965 zum selbstständigen Bildhauer weiterentwickelt hatte, im Alter von 85 Jahren verstorben. Nach dem Abriss seines Ateliers lagerten seine Kunstwerke in einem 90 Quadratmeter grossen Lagerraum. Nun darf ein Teil davon für die vermutlich umfangreichste Einzelausstellung, die es für Willi Gutmann je gegeben hat, wieder das Licht der Welt erblicken.

Ab morgen werden auf 1800 Quadratmeter 185 Skulpturen aus allen Schaffensphasen des Künstlers ausgestellt. Es sind Werke aus Aluminium, Messing, Kupfer, Edelstahl und Holz von wenige Zentimeter hohen Miniaturen bis hin zu drei Meter hohen Monumentalskulpturen zu sehen.

Daneben werden Arbeiten auf Papier gezeigt. Viele Arbeiten wurden für die Ausstellung restauriert und sind seit ihrer Entstehungszeit zum ersten Mal öffentlich wieder zu sehen. Auch können diverse Kunstobjekte an der Ausstellung erworben werden. Anlässlich der Vernissage und Buchpräsentation wird zudem Willi Gutmanns Sohn Pit, der selbst Musiker ist, auf den Klangobjekten seines Vaters spielen. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 21.10.2016, 09:17 Uhr

Infobox

Das Buch «Willi Gutmann – Form, Bewegung, Skulptur» von Axel Wendelberger erschien im Kehrer-Verlag, Heidelberg. Die Vernissage zur Ausstellung und Buchpremiere findet morgen ab 14 Uhr im Areal der ehemaligen Füglister AG an der ­Hagackerstrasse 9 in Dietikon statt. Die Ausstellung dauert bis zum 30. Oktober. Weitere Informationen und Öffnungszeiten unter www.willigutmann.ch.

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