Neerach

Im «Grepp» lagert Vergangenheit

Früher buddelte man eine grosse Grube, ein «Gemeindeschutti», und deponierte dort Abfälle. Jetzt müssen auch Gemeinden Geld in die Finger nehmen, um Altlasten­voruntersuchungen machen zu lassen. So auch Neerach.

Trügerische Idylle in Riedt bei Neerach: Unter dem Boden des Gebiets Grepp lagern Altlasten einer einstigen Gemeindeschuttablagerung – und gemäss Kanton liegen erhärtete Hinweise auf Reststoffe und Reaktorstoffe vor.

Trügerische Idylle in Riedt bei Neerach: Unter dem Boden des Gebiets Grepp lagern Altlasten einer einstigen Gemeindeschuttablagerung – und gemäss Kanton liegen erhärtete Hinweise auf Reststoffe und Reaktorstoffe vor. Bild: Florian Schaer

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So schön die Landschaft im Frühjahr grünt, so gut kaschiert sie Sünden der Vergangenheit. Wo sich heute das Gros der Bevölkerung an eine zumindest grundsätzliche Trennung des Abfalls gewöhnt hat, entledigten sich die Dörfer ihrer Abfälle auch schon einfacher: Man buddelte am Dorfrand ein grosses Loch und schmiss da so ziemlich alles rein, was an Abfällen anfiel.Als der Kanton Zürich in den frühen 90er-Jahren damit begann, seine belasteten und alt­lastenverdächtigen Standorte zu erfassen, kam er mit Gemeindeschuttablagerungen, privaten De­ponien, Industrierestanzen und Entsorgungspraktiken in den Seen auf 13 000 Standorte. Und weil im Kanton bis 2023 Altlasten kein Thema mehr sein sollen – so zumindest das ambitiöse Ziel – öffnet man seit einigen Jahren sukzessive jede einzelne dieser «Zeitkapseln» und entsorgt das einst Entsorgte.

Grundsätzlich sollen die Verursacher der Belastung 80 Prozent der Kosten für diese «Reinigung» übernehmen. Sind sie bankrott oder, wie im Falle vieler «Gemeindeschuttis», schlicht nicht mehr da, springt die öffentliche Hand ein. Die übrigen 20 Prozent der Kosten hat der Grundeigentümer zu tragen. So hat im März 2016 auch die Gemeinde Neerach Post vom Awel, dem kantonalen Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft, er­halten, betreffend Ablagerungsstandort Nr. 088/D.0019. Hinter diesem Code verbergen sich zwei aneinandergrenzende Grundstücke im Gebiet Grepp, gleich an der Gemeindegrenze zu Steinmaur. Fläche insgesamt: 14 500 Qua­dratmeter. Eigentümerin ist die Gemeinde.

Wie der Gemeinderat berichtet, befand sich dort einst eine Kiesgrube, die gemäss Awel «mit nichtmineralischen Fremdstoffen wie Metallen, Kunststoffen und dergleichen wieder aufgefüllt wurde». Zudem lägen «erhärtete Hinweise» vor, dass Reststoffe und Reaktorstoffe (zum Beispiel Schlacke) vorhanden seien. Das ist umso problema­tischer, als dass darunter ein grundwasserführendes Schottervorkommen liegt. «Die Vulnerabilität des Grundwassers wird als hoch bis sehr hoch eingeschätzt», heisst es im Bericht.

Unterland mit roten Flecken

Der Kanton forderte Neerach auf, eine Altlastenvoruntersuchung durchführen zu lassen. Der Gemeinderat hat 30 300 Franken gesprochen und eine Zürcher Firma mit den Arbeiten beauftragt.

Schlacke, Metall, hoch gefährdetes Grundwasser – das klingt nicht eben gut. Und dennoch ist das Gebiet Grepp im kantonalen Kataster der belasteten Standorte «nur» blau eingefärbt, Kategorie: «untersuchungsbedürftig». Da fin­den sich im Unterland auch Gebiete, die den Status «überwachungsbedürftig» (orange verzeichnet) erhalten haben, etwa 12 400 Quadratmeter unter der Rümlanger Kartbahn, wo gemäss Awel Metalle, Kunststoffe und sogar Textilien vorhanden sein sollen. Und schliesslich finden sich auch rote Gebiete auf der Karte, Status «sanierungsbedürftig». Grösstes Beispiel dafür sind über 180 000 Quadratmeter Fläche entlang der Alten Winterthurerstrasse zwischen Bassersdorf und Dietlikon. Auch hierbei handelt es sich um eine einstige Kiesgrube, die später mit Kehricht, Schutt und Industrieabfällen aufgefüllt worden ist – und auch hier wird die Vulnerabilität des Grundwassers als «sehr hoch» taxiert. Ähnliche «rote Flecken» weisen etwa Kloten (Homberg) oder Rümlang (Leberbäumli) auf. Hinzu kommen (ebenso rote) Schiessanlagen und alte Industrieareale, die Altlasten aufweisen, etwa dasjenige der einstigen Blockmetall AG in Buchs oder das der Terpena AG in Niederglatt. Es bleibt bis 2023 also auch im restlichen Unterland noch viel zu tun. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 19.03.2017, 19:03 Uhr

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