Dielsdorf

Über das Geheimnis, einen kühlen Kopf zu wahren

Die Suche nach Gelassenheit treibt den modernen Menschen um – doch eigentlich weiss er nicht, wonach er sich genau sehnt. Literaturwissenschaftler Thomas Strässle zeigt in seinem Buch Bilder und Wege dazu auf.

Literaturwissenschaftler Thomas Strässle setzt sich in Dielsdorf mit dem Begriff der Gelassenheit auseinander.

Literaturwissenschaftler Thomas Strässle setzt sich in Dielsdorf mit dem Begriff der Gelassenheit auseinander. Bild: zvg

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«Achtsam und gelassen im Job», «Die Acht-Minuten-Meditation», oder «Yin Yoga, der sanfte Weg zur inneren Mitte» – wer heutzutage die Ratgeberecke eines jeden Büchergeschäfts durchstreift, kommt an einer ganzen Fülle kluger Anleitungen, die inneren Frieden versprechen, nicht mehr vorbei. Gelassenheit ist das Wort der Stunde: Sie zu erreichen gehört offenbar zu den grössten Wünschen des gestressten, weil ständig verfügbaren und flexiblen Menschen der Gegenwart. Aber weiss man auch genau, was man sich da wünscht? Thomas Strässle findet: nein, tut man nicht.

Der Literaturwissenschaftler, der an der Kunsthochschule Bern ein eigenes Institut für allgemeine Ästhetik leitet und daneben an der Universität Zürich lehrt, hat selber ein Buch über die Gelassenheit verfasst. Ihm sei vor einigen Jahren aufgefallen, dass die Gelassenheit im öffentlichen Diskurs immer wieder Energie auf sich zieht. «Dabei ist Gelassenheit ein sehr diffuser Begriff: Er wird zumeist als Abwesenheit von etwas definiert, nämlich von Stress, Unruhe und Überforderung», erklärt er. Das und mehr wird er am kommenden Samstagabend im Philosophe in Dielsdorf diskutieren.

Die Literatur gibt Antworten

Einen praktischen Workshop zum Thema dürfe man indes nicht erwarten, so wie auch sein Buch kein Ratgeber sei, wenigstens nicht auf den ersten Blick. Yoga, Smoothies und ein Schnäpsli vor dem Zubettgehen interessierten ihn weniger als der reflexive Prozess hinter dem Wörtchen Gelassenheit.

Im Glauben daran, dass die Literatur in solchen Fragen Aufschluss geben könne, geht Strässle der Geschichte und Kultur des Wortes auf den Grund. Der Weg beginnt beim Mystiker Meister Eckhart, der um 1300 das Wort in seinen Predigten behandelt hat, und führt weiter zu Philosophen wie Schopenhauer und Nietzsche sowie zu Schriftstellern wie Hebel, Goethe und Walser. «Ich glaube an die Kraft der Reflexion, also daran, dass wir durch eine intellektuelle und emotionale Auseinandersetzung mit den Konzept weiterkommen», sagt Strässle.

Allerdings könne diese Reise auch in Sackgassen führen. Oftmals werde Gelassenheit falsch verstanden, wie der Autor zeigt. «Es gibt zwei Bedrohungen: Einerseits kann man die Gelassenheit für einen Zustand der Antriebslosigkeit halten, andererseits für Anteilnahmslosigkeit. Dann wird Gelassenheit mit einer Abschottung gegenüber allem um sie herum verwechselt.»

Prioritäten setzen

Dass der moderne Mensch gar nicht mehr zur Gelassenheit finden könne, glaubt Strässle aber ebenso wenig, sonst wäre auch seine geistesgeschichtliche Untersuchung fruchtlos. «Konkret ausgedrückt heisst Gelassenheit sich zu überlegen, welche Prioritäten man setzt, also wo man bereit ist, Zeit und Energie zu investieren. Zu merken, was wirklich wichtig ist, braucht eine Form der Selbsterkenntnis.» Diese Denkwege müsse jeder selber gehen – und eben dazu will Strässle Bilder, Situationen und Gelegenheiten aufzeigen.

Am Samstag, 14. Januar, ist der Literaturwissenschaftler Thomas Strässle im Philosophe in Dielsdorf zu Gast. Sein Vortrag über die «andere Haltung zur Welt» beginnt um 20 Uhr, die Bar ist bereits eine Stunde früher geöffnet. Der Eintritt kostet 25 Franken, für Begünstigte 20 Franken. Reservationen per SMS an 076 343 32 82. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 11.01.2017, 14:25 Uhr

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