Fisibach

Fisibacher kundschaften steinigen Weg in den Kanton Zürich aus

Der Gemeinderat von Fisibach muss nach einem Antrag an der letzten Gemeindeversammlung einen Wechsel in den Kanton Zürich prüfen. Die Nachbarn Bachs und Weiach sind nicht grundsätzlich gegen eine Fusion mit den aargauischen Nachbarn. Doch ein Kantonswechsel ist eine höchst komplizierte Sache.

Bachs wäre als Zürcher Nachbar ein potenzieller Fusionspartner für die Fisibacher.

Bachs wäre als Zürcher Nachbar ein potenzieller Fusionspartner für die Fisibacher. Bild: David Baer

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Haben die Fisibacher genug vom Kanton Aargau? Es scheint zur Zeit ein wenig so. Denn an ihrer letzten «Gmeind» haben die Fisibacher dem Aargau gleich in doppelter Weise einen Denkzettel verpasst. Nicht nur lehnten sie es ab, dass der Gemeinderat einen Kredit erhält, um vertieft eine Fusion mit neun weiteren Aargauer Rheintalgemeinden zu prüfen, die Fisibacher stellten zudem den Antrag, der Gemeinderat solle vielmehr einen Kantonswechsel nach Zürich prüfen.

Den Fisibacher Gemeindeammann Marcel Baldinger liess diese Entscheidung etwas verdutzt zurück. «Wieso dieser Antrag so viel Zustimmung erhielt, kann ich nicht beantworten», sagt Baldinger. «Aber es ist schon so, die Fisibacher orientieren sich in Richtung Kanton Zürich. Und etwa 80 bis 90 Prozent unserer Zuzüger sind Zürcher, schätze ich.»

Schule findet bereits jetzt im Kanton Zürich statt

In einem Bereich hat Fisibach ­bereits in den Kanton Zürich gewechselt: Die Primarschüler drücken in Weiach die Schulbank. Und ab diesem Sommer gehen die Jugendlichen in die Oberstufe Stadel.

Die Schule war denn auch der Hauptauslöser für den Vorschlag, eine eingehendere Prüfung einer Zusammenarbeit mit dem Kanton Zürich zu fordern. «Auf die Idee bin ich spontan während der Versammlung aufgrund der Voten gekommen», erklärt Felix Vögele, der den Antrag gestellt hat. «Vor allem junge Mütter haben die Weiacher Schule gelobt und wollen ihre Kinder unter keinen Umständen mehr in den Aargau zur Schule schicken.» Mit dem Wechsel der Schüler vom Zurzibiet in den Kanton Zürich sei ­seiner Meinung ein klares politisches Signal gesetzt worden.

Langer Weg bis zur Fusion oder zum Kantonswechsel

Auf Gemeindeammann Marcel Baldinger kommt nun viel Arbeit zu. «Wir müssen jetzt zuerst ­abklären, in welchen Bereichen eine Zusammenarbeit überhaupt infrage kommt», sagt Ammann. Deshalb könne man auch noch nicht sagen, ob sich eine Zürcher Gemeinde als Fusionspartnerin anbieten würde, ob man einfach in gewissen Bereichen wie bei der Schule enger kooperieren möchte oder ob das 458-Seelen-Dorf als eigenständige Gemeinde den Kanton wechseln soll.

Trotzdem hat Ammann die Zürcher Nachbargemeinden Wei­ach und Bachs bereits über den Antrag informiert. Dort wäre man grundsätzlich bereit, das Thema Fusion genauer anzuschauen. «In Weiach war eine ­Fusion bisher kein Thema, auch, weil wir zurzeit sehr schnell wachsen», sagt Stefan Arnold. «Aber einer Diskussion über diese Idee verschliessen wir uns nicht, auch wenn sie für mich sehr überraschend kommt.»

Ähnlich klingt es in Bachs. «Wenn Fisibach wirklich will und auch kann, dann sind wir bereit, uns das anzuschauen», sagt Gemeindepräsident Emanuel Hunziker. Eine Fusion könne für Bachs – welches in den letzten Jahren selbst händeringend nach Fusionspartnern gesucht hat – interessant sein, wenn sich dadurch Kosten senken liessen.

Hunziker weiss jedoch auch, dass ein Kantonswechsel – auch per Fusion – eine sehr schwierige Angelegenheit ist. Er selbst hatte diese Idee bereits 2010 in umgekehrter Richtung vorgeschlagen. Um auf die Nachteile hinzu­weisen, welche die Änderung am Finanzausgleich für Bachs mit sich bringen würde, erklärte er in einem Brief an den Kantonsrat, Bachs brauche Unterstützung oder überlege sich, in den Kanton Aargau übertreten zu können.

Ein solcher Wechsel muss ­jedoch viele Hürden nehmen. Damit Fisibach in den Kanton Zürich wechseln könnte, müssten die Fisibacher dies zuerst in einer Abstimmung entscheiden. Danach müsste die Aargauer Regierung die Gemeinde ziehen lassen und der Kanton Zürich müsste zur Aufnahme bereit sein. Danach ist noch die Zustimmung des Nationalrats und des Ständerats nötig.

Selbst falls dies alles gelingen würde, könnte danach noch das Referendum ergriffen werden. Theoretisch könnte also der Fall eintreten, dass die gesamte Schweiz in einer Volksabstimmung darüber entscheidet, ob Bachs und Fisibach mit gemeinsam knapp mehr als tausend Einwohnern fusionieren dürfen.

(Zürcher Unterländer)

Erstellt: 18.04.2017, 17:27 Uhr

An der Grenze zum Kanton Zürich (Bild: Quelle red, Grafik ak)

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