Bassersdorf

Knaller-Anlass muss leiser werden

Die Bassersdorfer zelebrieren seit 2004 ihr eigenes Böögg-Verbrennen, was regelmässig bis zu über 1000 Leute anlockt. Nun gibts allerdings Einschränkungen. Der Platz ist zu klein für grosse Böller.

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Ist es nur ein Querschläger oder steckt gar mehr Sprengkraft dahinter? Ein «aufmerksamer Bürger», wie er sich selbst bezeichnet, hat den Bassersdorfer Gemeinderat auf die Sicherheit am allseits beliebten Jux-Sechseläuten angesprochen und hat einem wunden Punkt getroffen. So sieht es jedenfalls aus, wenn man die jüngste Reaktion der zuständigen Behörden im Vorfeld des diesjährigen Sechseläutens kennt.

Denn nicht nur Zürich, sondern auch Basserdsorf hat – dank einem Gemeinderatsbeschluss – seit diesem Jahr ganz offiziell eine eigene «Sächsilüüte-Wiese». Ob dort am kommenden Montag wie schon in den letzten Jahren ein mit denselben stattlichen Knallkörpern gespickter Böögg abgebrannt werden kann, ist zuletzt ernsthaft infrage gestellt worden.

Dem betreffenden Bürger war nämlich aufgefallen, dass die verwendeten Feuerwerkskörper im Bauch, den Armen und im Kopf des Bassersdorfer Bööggs weit mehr als ein paar «Frauenfürze» waren. Zuweilen explodierten die Knaller bedrohlich nah beim Publikum und sorgten bei einzelnen Schaulustigen in früheren Jahren auch schon mal für etwas Ohrensausen.

Polizei gibt Kritiker recht

Beim betreffenden Bassersdorfer Bürger handelt es sich um Dölf Kellenberger, der einst selber in der Rüstungsindustrie gearbeitet hat und sich auch nach seiner Pension für Waffen, Munition, Sprengstoff und dergleichen interessiert. «Ich kenne die Verhältnisse auf dem Platz. Die Wiese ist in geringen Abständen umbaut, die Minimalabstände dort sind für ein Sechseläuten im bisherigen Rahmen zu klein», ist er angesichts der Knallerei der Vorjahre überzeugt.

Stattdessen schlägt er vor den Anlass auf die deutlich grössere Mösliwiese beim gleichnamigen Schulhaus unweit der Kirche zu verlegen. Allein das kritische Nachfragen von Dölf Kellenberger bei der Gemeindepolizei hat nun zu einer erstaunlichen Erkenntnis geführt. Nach ersten Abklärungen der örtlichen Polizei wurde Kellenberger nämlich mitgeteilt, dass mit den zuletzt verwendeten Feuerwerkskörpern tatsächlich Sicherheitsabstände von 50 Metern rings um den Böögg einzuhalten wären. Doch oh weh – so gross ist die soeben offiziell umgetaufte Wiese gar nicht.

«Spassgesellschaft» im Fokus

Kellenberger hatte sich schon öfter über die «Spassgesellschaft» im Dorf geärgert, insbesondere darüber, dass sich die Gemeinderäte gerne selbst an solchen Anläsen beteiligen. Dies trifft beim Jux-Sechseläuten sicherlich zu, wo die Dorfregierung seit Jahren mit der eigenen Zunft – «Zur Schwarzen Null» – in Frack und Zylinder mitmarschiert. Weil Kellenberger Befangenheit der Magistraten witterte – sie erlassen schliesslich selber die Bewilligung für den Anlass – hatte sich der kritische Senior mit seinen Bedenken an den Bezirksrat als Aufsichtsorgan der Gemeinden gewandt.

All dies sorgte bereits dafür, dass der Gemeinderat bezüglich Bewilligung des spassigen Sechseläutens nochmals über die Bücher gehen musste. So wurden die Auflagen an die Veranstalter angepasst. Neuerdings spricht man davon, dass der Böögg redimensioniert werden muss. Das bedeutet vor allem, dass kleinere Böller verwendet werden müssen. Nur so kann gewährleistet werden, dass die Sicherheitsabstände auf dem verfügbaren Platz eingehalten werden können.

Ebenso sind die Erbauer der rund drei Meter hohen Schneemann-Figur angewiesen worden eine Liste der verwendeten Feuerwerkskörper zu führen und somit den Nachweis zu erbringen, dass es sich um zulässige Feuerwerksartikel der entsprechenden Kategorie handelt.

Aber hat der Gemeinderat in den letzten Jahren denn nicht hingeschaut und die Sicherheit vernachlässigt? Der heutige Sozialvorstaher, zuvor aber während acht Jahren als Sicherheitsvorsteher tätige Bruno Muff (parteilos) sagt: «Unter meinem Vorgänger wurde das Basi-Sechseläuten noch guerillaartig und ohne Bewilligung rund um den Verkehrskreisel ausgetragen. Während meiner Zeit als Sicherheitsvorstand gelang es, die Veranstaltung zu offizialisieren und die Durchführung zu verlegen – zunächst auf den alten Schulhausplatz und danach auf die jetzige Sechseläutenwiese».

Mösliwiese geht auch nicht

Die polizeilichen Bewilligungen und Auflagen sind gemäss Muff immer «umfassend» gewesen (Bewirtung, Verkehr, Abfall, Feuerwehr, Böögg-Grösse usw.) und die Feuersicherheit sei jeweils durch die Feuerpolizei kontrolliert worden. Er betont, dass der Anlass immer grösser geworden sei und heute über 1000 Zuschauer anlocke – «alles ohne Unfall». Auch die notwendige Bewilligung für das Abbrennen von Feuerwerk, sei nach der Verschärfung des Gesetzes vom Bööggbauer eingeholt worden.

Auf die Mösliwiese könne man übrigens nicht wechseln, da dort ein Servitut (zwingende Bestimmung) im Grundbuch eingetragen sei, was solche Anlässe dort verunmögliche. Ein Beschluss des Bezirksrates ist noch ausstehend. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 20.04.2017, 09:04 Uhr

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