Otelfingen

Ortskirchen-Modell ist umstritten

Die Kirche bleibt im Dorf – im wahrsten Sinn der Worte. Das war die Grundaussage am Informationsabend zum Zusammenschluss der vier Furttaler Evangelisch-reformierten Kirchgemeinden. Die Kirchenpflege Otelfingen empfiehlt aber wegen «offener Fragen» die Ablehnung des Vorhabens.

Die vier Furttaler Evangelisch-reformierten Kirchgemeinden Regensdorf, Dällikon, Otelfingen (im Bild) und Buchs arbeiten an einem Zusammenschluss. Noch gibt es ungeklärte Fragen.

Die vier Furttaler Evangelisch-reformierten Kirchgemeinden Regensdorf, Dällikon, Otelfingen (im Bild) und Buchs arbeiten an einem Zusammenschluss. Noch gibt es ungeklärte Fragen. Bild: Archiv ZU

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Mit grosser Spannung erwarteten die Präsidenten der Kirchenpflegen (KP) von Buchs, Dällikon-Dänikon, Otelfingen-Boppelsen-Hüttikon und Regensdorf am Mittwochabend den Aufmarsch der Stimmbürger und waren überrascht, dass sich rund 130 Personen für das wegweisende Geschäft interessierten. Werner Kübler, KP-Präsident Otelfingen, erklärte: «Ich habe nie mit so vielen Leuten, vor allem aus den anderen Gemeinden, gerechnet.»

Nach intensiver Vorarbeit hat ein Projektteam aus Vertretern der vier Kirchenpflegen, der Pfarrschaft und dem Gemeindekonvent am Zusammenschluss mit einer Kirchenpflege und dem Kernstück der Bildung von Ortskirchen gearbeitet. Die Zielsetzung lautet: «Das kirchliche ­Leben vor Ort und die kirchliche Vielfalt sollen gestärkt werden und für Menschen in unserer heutigen Gesellschaft wieder an Bedeutung gewinnen. Gottesdienste sollen weiterhin in allen vier Kirchen stattfinden. Die freiwillig Mitarbeitenden sollen im Zentrum des kirchlichen Lebens vor Ort bleiben. Organisation und Verwaltung sollen möglichst vereinfacht und optimiert werden.»

Der Segen der Landeskirche

Seine Ausführungen zur Sachlage ergänzte Kübler mit den Worten: «Die Landeskirche hat zu unserem Ortskirchen-Modell schon den Segen gegeben.» Pfarrer Adrian Beyeler aus Regensdorf hob anschliessend hervor: «Die Kirche bleibt im Dorf. Und nicht nur als Gebäude, sondern im wahrsten Sinn des Wortes.»

Er wies ebenfalls darauf hin, dass mit der Ortskirche die Gottesdienste, Trauungen, Abdankungen und Taufen wie bisher durchgeführt würden und dass das neue Modell stärker auf das örtliche Kirchenleben ausgerichtet werden könne. Beyeler: «Die Ortskirche ermöglicht ein vielfältiges kirch­liche Potenzial, vermeidet Doppelspurigkeit, bietet die Mög­lich­keit, neue Wege zu gehen.»

Damit beantwortete er auch spätere Fragen zum kirchlichen Ablauf, wie zur gleichbleibenden Anzahl der Pfarrer. Zu den finanziellen Auswirkungen des Zusammenschlusses konnte Christoph Burri, Kirchenpfleger aus Regensdorf, noch keine verbindlichen Zahlen nennen, aus­ser, dass die beteiligten Gemeinden «ähnliche Finanzwerte» ausweisen und der Steueransatz einheitlich 11 Prozent betragen würde.

«In den ersten Jahren gibt es kaum Sparpotenzial, mittelfristig schon.» Diese Angaben konnten einen Kritiker aus Buchs aber nicht befriedigen, obwohl Burri versprach, dass gewisse Angaben in der Abstimmungsvorlage aufgeführt würden.

Einige Fragen bleiben

Im Anschluss an die diszipliniert verlaufene Orientierung beantwortete Werner Kübler zahlreiche Fragen aus dem Publikum und erklärte, dass die Mitglieder der Ortskirche aus den eigenen Reihen gesucht würden, die Abstimmungen am 25. und 26. Juni stattfinden und eine Urnenabstimmung aus gemeinderecht­lichen Gründen nicht möglich sei. Eine Besucherin hatte dies angeregt, weil das Abstimmungsdatum in die «Seniorenferien» falle.

Kübler stellte auch klar, wenn sich nur zwei Gemeinden zusammenfinden würden, gelte für sie der Vertrag. Die Kirchenpflege Otelfingen empfiehlt, die Vorlage abzulehnen. Auf die Frage weshalb, fasste Kübler die Begründung, die den Stimmbürgern noch zugestellt wird, kurz zusammen: Die Gemeindestruktur ­werde komplizierter, und das Gemeindeleben vor Ort würde nicht ausreichend gestärkt. Zahlreiche Fragen zu Angeboten und Inhalt seien noch offen.

Das Projekt ­spare keine Kosten, und: «Der Zusammenschluss ist momentan nicht zwingend und nicht reif.» Die Entscheidung der jeweiligen RPK steht noch aus. Als letzter Votant appellierte ein Bopplisser, trotz der Empfehlung der Kirchenpflege Ja zu stimmen. Grosser Applaus für ihn – und die Podiumsteilnehmer leiteten zum Apéro mit viel Diskussionsstoff über. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 18.05.2017, 16:04 Uhr

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