| KOLUMNE |
| DONNERSTAG,
01. JULI 2010 |
| KOLUMNE |
| Putztag |
| |
Donnerstag ist der Tag, an dem ich meine Wohnung auf Hochglanz poliere. Doch schon am Morgen, als die Sonne durchs Schlafzimmerfenster geblinzelt hat, hab ich’s gewusst – das wird nix. Heute ist nämlich ein schöner Tag, und das soll auch so bleiben. Und so bummle ich im Pyjama mit einer Tasse Kaffee an mein Plätzchen im Hof und setze mich zum Brunnen. Herrlich. Ich beschliesse, den heutigen Tag zum Schlampen-Tag zu ernennen und das zu geniessen. Ich fühle mich nämlich wohl als Schlampe – das muss man mit Humor nehmen. Barfuss hole ich mir die Zeitung, lege die Beine auf das Tischchen und zähle die stoppeligen Häärchen, die um die Kniegegend herum schon nachgewachsen sind. Um 10 Uhr spaziert eine Bekannte am Hof vorbei und ruft etwas zickig: «So schön wie du müss-te man es haben!» «Dann mach’s dir doch so schön!», rufe ich ihr nach.
So um halb elf wird’s mir zu heiss und ich beschliesse, mal in der Küche nach etwas Kochbarem zu stöbern. Im Früchtekorb liegen noch die Pfirsiche von vorgestern, eine davon oben schon grün angeschimmelt und dicht bevölkert von ultrakleinen Fruchtfliegen. Interessiert beobachte ich, wie sie die Schimmelsporen – ja, was eigentlich? – fressen? zählen? kämmen? Keine Ahnung. Aber es interessiert mich brennend, also hole ich mir eine Lupe, setze mich ein halbes Stündchen hin und beobachte das Treiben auf der angefaulten Frucht. Ach schau, von links steuert zielstrebig eine Ameise aufs nicht aufgegessene Marmeladenbrot von gestern Abend. Bald kommt auch die restliche Ameisenbevölkerung aus der Ritze beim Fenster. Fein, es reicht bestimmt für alle!
Mutig öffne ich den Kühlschrank um mich inspirieren zu lassen. Hm. Wenn man den vertrockneten Rand des Fleischkäses abschneiden würde, könnte man den Rest vielleicht in die Reisreste von gestern mischen – sofern sich der Reis noch von der Schüssel lösen lässt? Ich vertage diese anstrengenden Ueberlegungen und mach mich mal auf ins Bad, um mir die Zehennägel zu schneiden. Die Nagelschere finde ich zwischen den Waschlappen, und in der Badewanne ist ein Shampoo ausgelaufen, welches nun beim Versuch, es hinunterzuspülen, Berge von Schaum produziert. Am besten, ich warte, bis der Schaum wieder von selbst verschwindet.
In der Dusche liegt das nasse Frottiertuch am Boden und müffelt vor sich hin. Mit dem Fuss befördere ich es in die Ecke. Das hebe ich dann auf, wenn ich sowieso auf den Knien den Boden putze. Was allerdings selten vorkommt. So ein Faulenzertag ist doch einfach herrlich. Und Putzen kann ich auch morgen wieder. (Und wer das alles glaubt, ist selber schuld).
Claudia Dübendorfer |
|
|
|
|
| WEITERE KOLUMNEN |
|
|
|
Pannel_3 |