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KOLUMNE
DONNERSTAG, 11. MÄRZ 2010
KOLUMNE
Stoff-Wechsel
 
Sprechen Sie mich nicht an. Und schon gar nicht mit vollem Mund. Ich bin auf Diät. So eine ganz besondere, eine, die meinen Stoffwechsel anregen soll. Ich frage mich nur, wie man was anregen soll, was gar nicht mehr da ist? Mein Stoffwechsel hat mich nämlich vor zwei Jahren mit einem hämischen Grinsen verlassen, der blöde Affe hat sich für eine Jüngere entschieden. Noch frech zurückgewinkt hat er. Seither jubeln die Kalorien, wenn sie meinen Hals hinunterpurzeln. Sie feiern Party in meinem Magen, verwandeln sich in fieses Fett und dann schlafen sie ein. Für immer und ewig.

Dass Kalorien aus fettlos gedünstetem Fenchel sich gar nicht in Fett verwandeln können, interessiert sie nicht. Sie tuns trotzdem und haben nicht mal ein schlechtes Gewissen dabei. Wo ich vor zwei Jahren noch eine Crèmeschnitte angucken und sie gleich danach auf meinen Rippen bewundern konnte, passiert mir das heute mit Salatgurke und einem Schluck Wasser. Dass mein Frauenarzt wissend nickt und was von einem Östrogentyp brabbelt, interessiert mich jetzt auch nicht mehr.

Also, Sie merken schon, ich bin sauer. Und weil ich schon so richtig übersäuert bin, schlucke ich jetzt Basentabletten. Auf dieser basischen Basis soll dann auch mein Stoffwechsel zurückkommen. Ich bin zwar ob seiner Untreue beleidigt, aber ich würde ihn schon nicht von der Bettkante schubsen, falls er tatsächlich zu mir zurückkehrt. Aber erstmal muss ich mich jetzt stoffwechseltechnisch günstig ernähren. Und wissen Sie, was das heisst? Schafsmilchjoghurt zum Frühstück – bäh! Fisch und Gemüse zum Zmittag, Fleisch und Gemüse zum Znacht. Und nachts darf ich dann von Spaghetti träumen.

Und diese asketische Ernährung soll meinen Stoffwechsel wieder anlocken? Naja, ich werds ja sehen – sofern ich das überlebe. Sofern ich nicht im eigenen Speichel ertrinke, wenn mir beim Träumen von Spaghetti das Wasser im Mund zusammenläuft. Aber ich motivier’ mich jetzt. Ich will im Sommer wieder im Garten suhlen, ein Glas Weisswein in der Hand und auf dem Grill was Leckeres – ohne permanent den Bauch einzuziehen. Es ist nämlich ziemlich schwierig, mit eingezogenem Bauch zu essen.

Bis vor zwei Jahren dachte ich, dass «Stoffwechsel» etwas mit Klamotten zu tun hat. Dass man davon zunehmen kann, hab ich verdrängt. Aber vielleicht funktionierts ja tatsächlich und dann steht auch eine Form von Stoffwechsel ins Haus: Stoffe in der Grösse 40 wechseln dann zu Stoffen der Grösse 36. Also. Bleiben Sie mir fern mit Ihren Spaghetti, Gipfeli, Sonntagszopf und anderen Köstlichkeiten. Ich meld mich wieder.
Claudia Dübendorfer
 
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