| DONNERSTAG,
29. APRIL 2010 |
| KOLUMNE |
| Vorführeffekt |
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Mein Auto pfeift. Nein, genauer gesagt: es zwitschert. Vor etwa einer Woche hat es angefangen. Meine Reaktion darauf sei typisch weiblich, hab ich mir sagen lassen: Ich hab das Vehikel geparkt mit dem Gedanken: «Das gibt sich schon wieder.» Ich vertrete die Meinung, dass es sich mit solchen Dingen verhält wie mit Warzen: ignoriere sie und sie verschwinden von selbst wieder. Ich war deshalb unangenehm überrascht, als ich am darauffolgenden Tag den Motor startete und mein Auto zwitschern hörte. Also nächste, typisch weibliche Reaktion: «Das gibt sich von selbst beim Fahren.» Eins wurde jedoch schnell klar: das Zwitschern ergab sich nicht, im Gegenteil, es wurde so laut, dass ich mein Autoradio wesentlich lauter stellen musste. Was ich nicht höre, ist auch kein Problem.
Bei der nächsten Gelegenheit fuhr ich zur Seite, stieg aus, versetzte meinem Auto einen kräftigen Tritt – wie man das halt so macht. Offenbar hat das meiner Karre auch nicht wirklich weitergeholfen, auf jeden Fall zwitscherte es weiterhin munter und lauthals weiter. Na gut, sie will es nicht anders, dachte ich mir, dann muss ich halt mal an ihre Eingeweide. Unter lautem Gezwitscher fuhr ich nach Hause. Nach einer halben Stunde hatte ich den Hebel gefunden, mit welchem die Motorhaube geöffnet wird.
Ich bin sicher, irgendwo in der Motorhaube nistet ein Vogel. Aber nein! Es ist viel spannender! Schläuche, Schrauben, Hebel und so Plastikbehälter finde ich da drin und ich bin mir ganz sicher, dass das eine oder andere völlig unnötig ist. Doch erst einmal will ich mit Cilit Bang und dem Hochdruckreiniger für eine einigermassen anständige Ordnung da drin sorgen. Ich hole Staubsauger, Kraftreiniger, Dampfgerät – dazu noch ein paar Schraubenschlüssel und einen grossen Abfallsack, um Schmutz und Überflüssiges gleich zu entsorgen.
Mein Handy klingelt. «Was treibst du so?», fragt mein Angetrauter. «Ich flicke mein Auto!», gebe ich stolz zur Antwort und hantiere munter weiter. Betretenes Schweigen. «Was genau ist denn kaputt?», fragt er nach einer Weile. «Es zwitschert.» «Claudia, ein Auto zwitschert nicht. Brings in die Garage», meint er. Auf meinen Einwand, dass ich es zuerst mal sauber putzen und durchblasen will, geht er nicht ein. «Ich mach dir gleich einen Termin, rühr bis dahin das Auto NICHT an!», befiehlt er mir. Fünf Minuten später steht der Termin und ich starte den Motor. Es ist verdächtig still. Ich gebe ein bisschen Gas, bremse, kupple – es bleibt still. Kein Gezwitscher. «Es hat GANZ LAUT gezwitschert», beteure ich zehn Minuten später dem belustigten Automechaniker. Vorführeffekt, halt.
Corine Turrini Flury |
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