| KOLUMNE |
| DONNERSTAG,
03. JUNI 2010 |
| KOLUMNE |
| Wollen wir einer Gruppe beitreten? |
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Geben Sie’s doch zu: auch Sie haben ein Profil auf Facebook. Diese Internet-Plattform, wo man nebst bearbeiteten, äusserst schmeichelhaften Fotos von sich selber auch sekündlich sein Befinden online stellen kann. Und natürlich kann man sich dort allerlei Freunde virtuell hinzufügen; auch solche, die man noch nie im Leben gesehen hat und vermutlich auch nie sehen wird. Aber das ist völlig nebensächlich, Hauptsache, im Profil steht: «Claudia hat 378 Freunde auf Facebook.» Klingt doch super, gell?
Wobei, ich muss es zugeben: ich hab nach zweiwöchiger Irrfahrt auf Facebook mein Profil wieder deaktiviert. Ich hab das System irgendwie nicht ganz durchschaut. Ich hatte aber auch keine Lust, dieser Community stündlich mein wertes Befinden mitzuteilen. Dafür bin ich zu ausgeglichen und es wäre vermutlich langweilig, wenn ich zu jeder vollen Stunde meinen Status mit «ich bin immer noch gut drauf» aktualisieren würde. Und noch weniger hatte ich Lust darauf, zu erfahren, wer von meinen 378 Freunden morgens mit Verstopfung während 90 Minuten das Badezimmer belegt hat. Nööö, danke. Aber ich weiss, ich bin mit dieser Haltung ziemlich einsam. Ich kenne kaum jemanden, der sich nicht auf Facebook tummelt – aus welchen Gründen auch immer.
Und ich muss es vermutlich nicht explizit erwähnen, dass auch unsere bald 15-Jährige sich über Facebook mit ihren weiss nicht wie vielen Freunden austauscht. Ein ganz besonderer Spass aber scheint es zu sein, sich in irgendwelchen Facebook-Gruppen zusammenzuschliessen. Und deshalb spielt sich in unserem Haushalt mit schönster Regelmässigkeit folgende Szene ab: «Maaaam», (Mami ist out), «ich hab mich grade einer neuen Gruppe auf Facebook angeschlossen.» «So? Welcher denn?» Und so erfahre ich, dass sie jüngstes Mitglied der Gruppe «Meine Pflanzen sind nicht tot, sie wachsen nur knusprig» ist. Aber nicht nur das. Sie ist auch Aktivistin der Gruppe «Ich bin gegen Rasen auf der Autobahn – wer soll den Scheiss denn mähen?» oder «Rauchen ist krebserregend – mir doch egal, was diese Viecher erregt.» Dann gibt’s nebst Anti-Mathematischen Gruppen, wo Tochterherz in jeder einzelnen Premium-Mitglied ist, auch noch ganz Ästhetische: «Sie sind zusammen! Wer? Deine Augenbrauen!»
Ich habe mir mal scheu die Frage erlaubt, was denn eigentlich passiert, wenn man einer solchen Gruppe beitritt? Gibt’s da monatliche Gruppentreffen? Nein. Man ist einfach dabei. Punkt. Und hat einen triftigen Grund, seinen Status zu aktualisieren: «Eyyy, ich bin jetzt in der Gruppe ‹Ich liebe organisches Essen – spendest du mir ein Gehirn?›»
Claudia Dübendorfer |
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