| EHE- UND LEBENSBERATUNG |
| MITTWOCH,
17. FEBRUAR 2010 |
| Auch in der Liebe braucht es Distanz |
| Freiheit statt Gemeinsamkeiten |
| Veronika Stirnimann-Degen, Beratungsstelle Bülach, Beat Stirnimann-Degen, Ehe- und Lebensberatung Kloten und Wallisellen |
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So glücklich und unbeschwert die Liebe beginnt, so erdrückend kann sie werden. Schmerzhaft und bös ist das Erwachen, wenn eines Tages nicht mehr zu leugnen ist, dass der Partner es vorzieht, die Freizeit vor allem mit Freunden oder allein zu geniessen. Wenn er beginnt, eigene Wege zu gehen, ist die Enttäuschung gross. Die Sehnsucht nach dem früheren Paradies erwacht.
Wo früher Einheit und Gemeinsamkeit selbstverständlich waren, prallen jetzt verschiedene Meinungen und Ansichten aufeinander. Es entstehen Fronten, die immer härter werden. Der eine fühlt sich dauernd kontrolliert und gefangen wie in einem Käfig, der andere leidet unter Einsamkeit und fühlt sich verlassen. Der eine fliegt aus, und für den andern beginnt das grosse Warten. Es gibt verschiedene Arten, mit dieser neuen Situation umzugehen: Um den andern wieder an sich zu binden, versucht der Einsame, sich noch mehr anzupassen oder ihn mit Vorwürfen gefügig zu machen. Der andere hingegen lässt sich seine neu gewonnene Freiheit nicht nehmen. Er kommt sogar noch später nach Hause. Es beginnt ein zerstörerisches Spiel, in dem beide gefangen sind. Und sie fangen sich auf und geben sich Mühe, es wieder gut miteinander zu haben. Sie geben einander Ratschläge, die allerdings fehlschlagen. Was ist geschehen und wie finden sie wieder hinaus?
Es haben sich zwei Menschen gefunden, die beide im Grunde ein grosses Bedürfnis nach Nä-he und Geborgenheit haben. Sie sind wie zwei Kinder im dunklen Wald. Eigentlich fürchten sie sich. Darum rücken sie eng aneinander, und es gibt nur ein Wünschen und eine Meinung, wie sie aus dem dunklen Wald herausfinden können. Und diese Einheit lässt sie stark werden. Um den Weg leichter hinauszufinden, braucht es jedoch zwei Meinungen, die einander ergänzen. Einmal weiss der eine das richtige Wegstück, einmal der andere.
Eigene Stärke beweisen Doch wenn sie aus dem Wald herausgefunden haben, wer- den sie einander fremd. Es ist nicht einfach, sich in dieser neuen Welt zurechtzufinden. Hier herrschen andere Gesetze. Der eine kann dem andern nicht mehr auf die gleiche Weise behilflich sein. Und jeder will nun seine eigene Stärke beweisen und seine Meinung als die richtige verstanden wissen. Plötzlich sieht jeder Fehler und Mängel beim andern und ist davon überzeugt, dass dieser sich ändern muss, damit alles wieder gut wird. Die allernächste Nähe zueinander, die zum Überleben nötig war, ist jetzt zur gefährlichen Last geworden. Es gilt, den nötigen Abstand zu finden und einander doch nicht verloren zu gehen.
Sich dem andern öffnen Nun wird die Liebe zum Prüfstein. Warum haben wir damals diesen Partner gewählt? Hält das Fundament von damals, jetzt, wo die alten Gefahren überstanden sind? Die neue Herausforderung ist die, sich und dem andern den Zugang zu sich selbst zu gewähren. Nur wenn jeder seine innere Stimme hören und verstehen darf, kann er auch den andern verstehen. Ist dies nicht der Fall, wird die Liebe zur Qual.
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Die Serie «Ehe- und
Lebensberatung» behandelt
Situationen, die der
Realität entsprechen, aber dennoch frei erfunden sind.
Der «Mixer» veröffentlicht einmal im Monat Beiträge der Unterländer
Ehe- und
Lebensberatungsstellen.
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