USR III

Die Kirchen fischen bei der Steuerreform im Trüben

Der Abstimmungskampf um die Reform der Unternehmenssteuer ist in vollem Gange. Keine Empfehlung abgegeben haben die Landeskirchen. Dabei sind auch viele Unterländer Kirchgemeinden vom Entscheid am 12. Februar betroffen.

Die Kirchen (hier die reformierte Kirche in Embrach) sind umter Umständen erheblich von den Auswirkungen der Unternehmenssteuerreform III betroffen.

Die Kirchen (hier die reformierte Kirche in Embrach) sind umter Umständen erheblich von den Auswirkungen der Unternehmenssteuerreform III betroffen. Bild: Archiv ZU / Sibylle Meier

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Gut drei Wochen vor dem Abstimmungssonntag ist die Debatte um die Unternehmenssteuerreform (USR III) in vollem Gange. Befürworter und Gegner versuchen zu erklären, warum man nun besser ein Ja oder ein Nein einlegen sollte. Keine Parole abgegeben haben hingegen die Landeskirchen.

Dabei sind auch sie unter Umständen massiv von der Reform betroffen, wie Beat Schneider, Finanzvorsteher der Kirchgemeinde Embrach-Oberembrach und Mitglied der Synode der reformierten Kirche, erklärt. «Es gibt Kirchgemeinden, deren Budget massgeblich von den Steuereinnahmen von juristischen Personen definiert wird», sagt Schneider. Er hat dies in Embrach selbst miterlebt. Nachdem dort die Ciba Vision 2011 weggezogen ist, schrumpften die Steuern von juristischen Personen innerhalb von nur drei Jahren von knapp 350 000 Franken auf knapp 70 000 Franken.

Einbussen von 30 Millionen Franken befürchtet

Firmen können also für Kirchgemeinden einen wesentlichen Anteil der Steuereinnahmen bestreiten. Anders als Privatpersonen können sich Unternehmen dieser Kirchensteuer nicht entziehen.

Was hat das nun alles mit der USR III zu tun? Wird sie angenommen, kann der Kanton Zürich den sogenannten Gewinnsteuersatz für Unternehmen senken. Die Gegner der Reform gehen davon aus, dass dadurch 25 Prozent weniger Steuereinnahmen von Firmen generiert werden. Die reformierte Kirche des Kantons Zürich rechnet in einem solchen Fall mit jährlichen Einbussen von rund 16 Millionen Franken, die katholische Kirche mit rund 17,5 Millionen Franken.

Gemeinden mit vielen Firmen sind stärker betroffen

Nicht alle Kirchgemeinden wären davon jedoch gleich stark betroffen. In Embrach-Oberembrach etwa sah der Voranschlag für das Jahr 2017 Steuereinnahmen von natürlichen Personen von 957 000 Franken vor, für Einnahmen von Firmen sind lediglich 54 000 budgetiert. Die Firmen bestreiten somit nur fünf Prozent der Steuern.

Anders sieht es in Gemeinden aus, in welchen viele Firmen Steuern zahlen, so in Kloten, Wallisellen oder Opfikon. In Letzterer etwa betrugen 2015 die Steuereinnahmen 728 000 Franken von natürlichen Personen und fast 1,1 Millionen Franken von juristischen Personen. Die Firmen bestritten somit 2015 rund 60 Prozent der Steuereinnahmen der reformierten Kirche Opfikon. Die Milchbüchleinrechnung besagt für 2015, dass 25 Prozent weniger Steuereinnahmen von Firmen in Opfikon 15 Prozent weniger Steuereinnahmen total für die Kirchgemeinde bedeutet hätten.

Ganz so einfach ist es aber nicht. «Die Steuerausscheidungen von Firmen in Opfikon sind sehr schwankend», sagt Susanne Hottinger, Finanzvorsteherin der reformierten Kirchenpflege Opfikon. Längst nicht jedes Jahr mache der Anteil 60 Prozent aus, manchmal seien es eher 40 Prozent. Zudem dauere es oft lange, bis das kantonale Steueramt die Firmen einschätze und dann tatsächlich die Steuereinnahmen in die Kasse flössen. «Die Steuern für das Jahr 2016 erhalten wir vielleicht erst 2018 oder 2019», erklärt Hottinger. Dies alles führe dazu, dass die Steuererträge von Firmen grossen Schwankungen unterworfen seien. «Es gibt zu viele Faktoren, um einschätzen zu können, welche Auswirkungen die USR III für uns als Kirchgemeinde hat.»

Reformierte werden die Mehrheit verlieren

Dieter Zaugg, Leiter Ressourcen der Reformierten Landeskirche des Kantons Zürich, schliesst sich dem an. «Es gibt nur generelle Annahmen», sagt er. «Momentan rechnet man für das erste Jahr mit Steuermindereinnahmen von 25 Prozent, aber wie sich das danach weiterzieht, ist nicht klar.»

Für Beat Schneider ist trotzdem Vorsicht geboten. Denn auf die Reformierte Landeskirche wartet noch weiteres finanzielles Ungemach am Horizont. «Auf kantonaler Ebene spielt auch das Verhältnis Reformierte zu Katholiken eine wesentliche Rolle», sagt er. Sowohl die reformierte als auch die katholische Kirche erhalten vom Kanton Staatsbeiträge. Wie viel, das hänge unter anderem von der Anzahl ihrer Mitglieder ab. Noch sind die Reformierten in der Mehrheit, dürften aber in absehbarer Zeit von den Katholiken überholt werden. Dadurch erhalten Erstere wohl auch weniger Staatsbeiträge als bisher. Mit der USR III könnte sich nun laut Schneider noch eine weitere Verschlechterung der Finanzlage abzeichnen, sowohl bei vielen Kirchgemeinden als auch beim Kanton Zürich. Der könnte dann, so befürchtet Schneider, versucht sein, bei den Staatsbeiträgen zu sparen. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 24.01.2017, 08:39 Uhr

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