Raupen

Tierchen mit Heisshunger schaffen Kunst am Baum

Zurzeit tragen einige Sträucher im Unterland einen silbernen Schleier statt ein grünes Blättergewand. Urheber ist ein äusserst gefrässiges Tierchen.

Nur noch Spinnfäden statt Blätter und Blüten haben diese Pfaffenhütchensträucher am Bahngleis in Steinmaur.

Nur noch Spinnfäden statt Blätter und Blüten haben diese Pfaffenhütchensträucher am Bahngleis in Steinmaur. Bild: Balz Murer

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Gleich zwei Leser aus unterschiedlichen Ecken des Unterlandes haben sich gestern unabhängig voneinander beim «Zürcher Unterländer» gemeldet. ­Beiden ist etwas Aussergewöhn­liches in der Natur aufgefallen: Bäume, die total mit Spinn­gewebe verhüllt sind und deren Blätter radikal abgefressen wurden. Die betreffenden Exemplare befinden sich an der Klotenerstrasse in Bassersdorf, auf der Höhe Grindel, sowie entlang der Bahnlinie zwischen Schöfflisdorf und Steinmaur, auf Süniker Seite.

Gespenstisch sehen sie aus, die dichten, weissen Fäden, die sich von Ast zu Ast spannen und bis zu den Grashalmen herunter reichen. «Ich sah sie in der Sonne glitzern wie an Weihnachten», sagt Paula Walter, die das Phä­no­men in Steinmaur beobachtet hat. Und auch bei Alex Baum­gartner aus Bassersdorf riefen die Bilder winterliche Assozia­tionen hervor: «Es ist kein Schnee von gestern», schreibt er.

Keine Gefahr für Bäume

Um was für Sträucher es sich ­handelt, ist für Laien kaum mehr zu erkennen, sind doch nur noch Äste übrig geblieben. In Steinmaur seien die Pfaffenhütchen betroffen, sagt Revierförster ­Roland Steiner. Kämpft man sich durch die dichten Brennnesseln hindurch bis zum Strauch, kann man zwischen den Spinnweben ein Gewimmel an schwarzen Räupchen erkennen. Gemäss Auskunft der kantonalen Fachstelle Naturschutz handelt es sich um Gespinstmotten. Die Raupen, von denen es hierzulande etwa 70 Arten gibt, entwickeln sich später zu Schmetterlingen.

Jedes Jahr komme es an ein­zelnen Orten zu solchen Massenauftritten, sagt Umweltingenieur Jean-Marc Obrecht. Eine Gefahr für die Bäume seien sie aber nicht: «Die Pflanzen erholen sich rasch und treiben nochmals Laub aus.» Ein Problem seien die Motten jedoch für Obstbäume, die ebenfalls betroffen sein können: Sie schmälern den Ertrag empfindlich, weshalb die Landwirte sie bekämpfen. Anfällig sind auch Gewächse wie Traubenkirsche, Schlehdorn und Hartriegel.

Gefundenes Fressen für Vögel

Doch wozu machen sich die Tierchen überhaupt die Mühe, ihre Wirtspflanze so kunstvoll mit ihren silbernen Fäden zu verhüllen? Die Gespinste würden den Motten einen gewissen Schutz vor Fressfeinden geben, weiss Jean-Marc Obrecht von der Fachstelle Naturschutz. Absolut sei dieser aber nicht: «Eine so grosse Ansammlung von Motten sind auch attraktive Futter­quellen für Vögel.» So dürfte die Natur sich selber im Gleich­gewicht halten. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 19.05.2017, 10:15 Uhr

Mit dem Gespinst versuchen die Raupen, sich vor Fressfeinden zu schützen. (Bild: Balz Murer)

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zuonline.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 854 82 14. Mehr...

Kommentare

Bonus-Angebote

Bonus-Angebote

Alle Bonus-Angebote im Überblick.