Glattalbahn

«Vom ersten Jahr an gut frequentiert»

Seit ­Inbetriebnahme der ersten Teilstrecke der Glattalbahn sind zehn Jahre vergangen. Der Alt-Stadtpräsident von Dübendorf und einer der Köpfe hinter dem Projekt, Heinz Jauch, schaut auf die Planung und die Realisierung zurück.

Hans Jauch- alt-Städpräsident von Dübendorf, lag die Realisierung der Glattalbahn am Hzeren. Jetzt schaut er nicht ohne Stolz auf die 10 Jahre ihres Bestehens zurück.

Hans Jauch- alt-Städpräsident von Dübendorf, lag die Realisierung der Glattalbahn am Hzeren. Jetzt schaut er nicht ohne Stolz auf die 10 Jahre ihres Bestehens zurück. Bild: Christian Merz

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Heinz Jauch, konnten die Ideen der Glattalbahn so umgesetzt werden, wie Sie sich das zu Projektbeginn vor zehn Jahren vorgestellt haben?
Heinz Jauch: Die Ideen sind mehr als verwirklicht worden. Die Glattalbahn ist eine Erfolgsgeschichte von der ersten Stunde an, obwohl wir zuerst nicht geglaubt haben, dass es eine wird.

Wieso?
Weil der politische Gegenwind in den vier Gemeinden deutlich zu spüren war. Zu Beginn der 1990er-Jahre engagierten sich in der IG Zukunft Glattal lediglich die Gemeinde- und Stadtpräsidenten von Wallisellen, Opfikon, Kloten und Dübendorf. Aufgrund der Studie «Glattal wohin?», welche die IG in Auftrag gegeben hatte, wurden wir mit unserem Anliegen zum damaligen Regierungsrat Hans Künzi vorstellig, dem Vater des öffentlichen Verkehrs im Kanton Zürich. Von da an nahm das Projekt seinen Lauf. Und die Glattalbahn war schliesslich vom ersten Jahr an gut frequentiert.

Wie sind die Alternativen einer U-Bahn und einer Hochbahn ­damals diskutiert worden?
Die Vision einer Hochbahn zur Entflechtung des Verkehrs hätte uns schon gefallen. Wir mussten jedoch einsehen, dass sich eine solche Hochbahn nicht verwirk­li­chen lässt – einerseits aus städtebaulichen, andererseits aus finanziellen Gründen. Für die behindertengerechten Zustiege zur Hochbahn hätten beispielsweise überall Lifte gebaut werden müssen, was sehr teuer geworden wäre. An die U-Bahn hingegen haben wir nicht gross gedacht, denn die Stadt Zürich hatte ein solches Projekt in den 1970er-Jahren bereits abgelehnt, sodass wir uns dafür keine Chancen ausrechneten.

Welche Hürde war die grösste bei der Umsetzung der Bahn?
Die kantonale Volksabstimmung war im ganzen Prozess die grösste Hürde. Denn wie sollten wir der Bevölkerung beispielsweise im Säuliamt klarmachen, weshalb sie jetzt zu einem 700-Millionen-Franken-Projekt, von dem sie keinen direkten Nutzen haben, Ja sagen sollten? Wir haben deshalb im Kanton Zürich drei Meinungsumfragen in Auftrag gegeben. Die erste fiel noch knapp negativ aus; die zweite lag bei etwas über 50 Prozent Zustimmung, und die dritte ergab über 60 Prozent Zustimmung. Bei der Abstimmung sagten schliesslich gegen 70 Prozent der Stimm­berechtigten Ja zum Bau der Glattalbahn.

Haben sich der Verkehr und die Gebiete entlang der Glattalbahn den Erwartungen entsprechend entwickelt?
Der Bau der Glattalbahn hat entlang der gesamten Strecke einen gewaltigen Bauboom ausgelöst. Wir haben mittlerweile eine ex­zel­lente Situation in Dübendorf mit der Glattalbahn, dem Zürcher Tram und der S-Bahn beim Bahnhof Stettbach und Bahnhof Dübendorf. Zudem wären wohl ohne Glattalbahn etliche Bau­gesuche gar nicht bewilligt worden. Denn der Verkehr muss ja zu einem vorgegebenen Prozentsatz als ÖV abgewickelt werden.

Was fehlt der Glattalbahn noch, eine vierte Ausbauetappe?
Eine Erweiterung ist auch jetzt hochaktuell, nicht zuletzt wegen des Innovationsparks beim Flugplatz Dübendorf. Ursprünglich war vorgesehen, die Bahn vom Flughafen über Kloten weiter nach Bassers­dorf zu führen. In Kloten konnte aber damals keine Einigung betreffend Linienführung gefunden werden. Für einen Ausbau in Richtung Uster hat der Kanton erst kürzlich nachgewiesen, dass kein Bedarf besteht. Das kann ich nachvollziehen. Eine Erweiterung würde erneut 700 bis 800 Millionen Franken kosten. Ob das politisch durchsetzbar ­wäre, stelle ich zurzeit infrage.

Ist die Gemeindefusionzu einer grossen Glattal­gemeinde ein Thema gewesen?
Bei den damaligen Gemeinde- und Stadtpräsidenten von Wallisellen, Opfikon, Kloten und Düben­dorf ist diese Idee nicht auf Gegenliebe gestossen. Denn ein Dübendorfer will ein Dübendorfer sein und ein Klotener ein Klotener. Wir haben aber gut zusammengearbeitet. Und als überkommunale Vereinigung ist das Netzwerk Glow entstanden, ein Zusammenschluss von acht Gemeinden, die das Glattal gemeinsam entwickeln möchten.

Weshalb verzeichnet die Glattalbahn immer wieder Unfälle?
Das Trassee der Glattalbahn ­sollte möglichst wenige Strassen kreuzen, das war die Idee. In Düben­dorf gibt es zwei Strassen­überquerungen. Im Vergleich zum Tram ist die Glattalbahn ausserdem schneller unterwegs und relativ leise, ebenfalls zwei erklärte Ziele. Bei den Unfällen haben Abklärungen ergeben, dass der Fehler bis auf eine Ausnahme nie beim Fahrer der Glattalbahn, sondern bei den anderen Verkehrsteilnehmern lag. Trotzdem ist natürlich klar, dass jeder Unfall einer zu viel ist.

Wenn Sie selber die Glattalbahn besteigen, worauf achten Sie?
Selber fahre ich nicht so oft mit der Glattalbahn. Ich schaue aber jedes Mal interessiert die Umgebung an, die gerade in Dübendorf und in Wallisellen eine gewaltige Entwicklung erlebt hat.

Hätten Sie als Stadtpräsident von Dübendorf noch eine Legislatur angehängt, wäre die dritte Etappe der Glattalbahn nicht fertig gewesen?
Nein. Denn dann hätte ich nie aufhören können, da ja immer ­etwas noch am Laufen ist. Es ist jedoch schön, dass die Fertig­stellung der Glattalbahn mit meinem Rücktritt als Stadtpräsident zusammenfiel. So habe ich viele gute Erinnerungen an das Projekt mitnehmen können. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 11.01.2017, 14:06 Uhr

Bau in drei Etappen

1. Etappe: Bauphase 2004 bis 2006, Strecke vom Hallenstadion Zürich bis Auzelg Zürich, Länge 2,5 Kilometer, sechs neue Haltestellen.
2. Etappe: Bauphase 2006 bis 2008, Strecke vom Glattpark über Opfikon, Bahnhof Glattbrugg zum Flughafen, Länge 5,2 Kilometer, sieben neue Haltestellen.
3. Etappe: Bauphase 2008 bis 2010, Strecke von Auzelg Zürich über Bahnhof Wallisellen, Glattzentrum, Dübendorf zum Bahnhof Stettbach.
«Glatttalbahn Plus»: In einer ersten Etappe ist die Erweiterung bis Kloten Industrie geplant. Wann diese umgesetzt wird, ist allerdings noch offen, heisst es derzeit bei den Verkehrsbetrieben Glattal. (red)

Zur Person

Heinz Jauch

Heinz Jauch (EVP) hat die Glattalbahn massgeblich mitinitiiert. Er ist in Dübendorf geboren (1941), aufgewachsen und heute noch wohnhaft. Von 1986 bis 2006 amtete er als Stadtpräsident von Dübendorf, von 2002 bis 2011 war er Mitglied des Kantonsrats Zürich. (red)

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