| SCHEIDUNG |
| MITTWOCH,
03. MÄRZ 2010 |
| Die Auflösung des Haushalts bedeutet ein Verlust des vertrauten Alltags |
| Droht auch der Verlust der Kinder? |
| Karin Wider-Scherrer, Paar- und Familienberaterin, Mediatorin SVM |
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Kürzlich erklärte ein Vater, dessen Ehe unmittelbar vor dem Aus stand, dass er nicht glaube, dass ihn seine beiden Buben überhaupt noch besuchen wollen. Er begründet es damit, dass die beiden Jugendlichen ihre Freizeit sowieso lieber in ihrem Sportclub oder die Wochenenden zusammen mit ihren Kollegen verbringen wollen. Dies sei ihnen viel wichtiger als ihren Vater zu besuchen. Resignation und auch Angst waren unüberhörbar. Seine Frau doppelte nach, indem sie meinte, dass sich der Vater auch vorher nur wenig mit den Kindern beschäftigt habe. Das sei immer ihr Job gewesen, weshalb sie vermute, dass sie den Vater nicht gross vermissen werden.
Gemeinsamer Alltag Bei einer Trennung oder Scheidung geht es in einem ersten Schritt nicht nur um eine räumliche Trennung sondern um viel mehr, was oft von den Beteiligten unterschätzt wird. Am stärksten betroffen ist derjenige Elternteil, welcher aus dem gemeinsamen Haushalt auszieht, was mehrheitlich die Väter sind. Auch wenn vorher viel gestritten oder auch viel geschwiegen wurde und das Zusammenleben zeitweise unerträglich war, gab es doch eine Menge kleiner Selbstverständlichkeiten, welche den Alltag prägten und allen in einer gewissen Weise auch Sicherheit gaben. Die Mutter, welche den Einkauf besorgte und damit garantierte, dass immer etwas im Kühlschrank war, wenn man nach Hause kam. Eventuell gab es immer noch einen gemeinsamen Mittags- oder Abendtisch, wo man sich begegnete. Der Vater, der jeden Abend nach Hause kam und man Gelegenheit hatte, ihn noch geschwind etwas zu fragen usw. Alles Selbstverständlichkeiten, die den bisherigen Alltag prägten und die sich nun plötzlich in Nichts aufzulösen drohen. Auch bei einem fehlenden Engagement des Vaters für die Kinder, wie im anfangs erwähnten Beispiel, sind diese Selbstverständlichkeiten umso wichtiger, vermittelten sie doch eine gewisse Verbundenheit.
Herausforderung für Väter Gerade Väter, welche während der Ehe, sei es aus beruflichen oder anderen Gründen, wenig Gemeinsamkeiten mit den Kindern hatten, sind nach einer Trennung oder Scheidung stark gefordert, wenn sie den Kontakt zu den Kindern nicht verlieren wollen. Dann stellt sich für sie plötzlich die Frage: Was sind die Bedürfnisse und Erwartungen der Kinder an mich? Was sind meine Möglichkeiten zeitlich, räumlich, finanziell und interessemässig? Bin ich bereit, mich auf einen Neuanfang der Beziehung mit den Kindern einzulassen? Hier ist es besonders wichtig, dass sich die Mutter ihrer Verantwortung bewusst ist, den Vater dabei zu unterstützen. Hier ist Elternschaft gefragt, und Paarkonflikte sollten in den Hintergrund rücken.
Im Gespräch mit Jugendlichen erfahren wir immer wieder, wie wichtig es für sie ist zu spüren, dass der Vater sich für sie interessiert und ihm daran liegt, mit ihnen in Kontakt zu bleiben. Es ist daher auch kein Widerspruch, wenn Jugendliche es dann in der konkreten Situation vorziehen, ihre Freizeit lieber mit Kollegen zu verbringen anstatt regelmässig den Vater zu besuchen. Dies hat nichts mit einer Ablehnung des Vaters zu tun, sondern ist ein altersspezifisches Bedürfnis von Jugendlichen.
Der Vater kann im Gespräch mit seinen Kindern herausfinden, was für gemeinsame Aktivitäten für beide Seiten stimmig sind und muss auch akzeptieren, dass die Treffen vielleicht nur einmal im Monat stattfinden. Wichtig ist, die Kinder dabei spüren zu lassen, dass sie sich jederzeit an ihn wenden können. Väter, welche sich nach der Scheidung von den Kindern zurückziehen, hinterlassen bei diesen das Gefühl von Desinteresse und im Stich gelassen werden, was nachhaltige Folgen bis ins Erwachsenenalter hat.
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Die Rubrik «Scheidungsberatung» erscheint
jeden ersten Mittwoch im Monat im «Mixer» und
nimmt Themen aus dem Alltag der Scheidungsberatungsstelle
auf. Diese berät ausschliesslich Paare in Fragen um
Trennung oder Scheidung unter zeitweiligem Einbezug ihrer
Kinder.
Begleitet werden die Ratsuchenden von einem Beraterpaar
mit juristischem und familientherapeutischem Berufshintergrund.
Mediation / Scheidungsberatung
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