Kloten

Der Kollege mit dem Scheibenwischer

Noch vor dem Playoff-Start in der laufenden NLA-Saison hat Kloten einen Transfercoup für die nächste Spielzeit gelandet. Der mehrfache Schweizer Meister Elia Schmid wechselt an den Schluefweg.

Ungewöhnlich und erfolgreich: Klotens Neuzuzug Elia Schmid nimmt den Tischtennisschläger anders in die Hand als die allermeisten anderen.

Ungewöhnlich und erfolgreich: Klotens Neuzuzug Elia Schmid nimmt den Tischtennisschläger anders in die Hand als die allermeisten anderen. Bild: René Zwald

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Der 20-jährige Elia Schmid gilt als einer der interessantesten Tischtennisspieler hierzulande: 2014 gewann er an den Schweizer Meisterschaften der Elite die Einzel-Konkurrenz, zwei Jahre später holte er im Doppel den Landesmeistertitel, den er vor wenigen Wochen verteidigen konnte. Schon im Juniorenalter (U13 und U15) stand er insgesamt je zweimal im Einzel und Doppel zuoberst auf dem Podest.

Aufsehen erregt der Meiringer, der aktuell seine vierte Saison für den Qualifikationssieger und Serienmeister Rio-Star Muttenz absolviert, aber nicht nur durch seine Erfolge, sondern auch mit seiner unorthodoxen Spielweise. Als weit und breit einziger Spieler seiner Klasse hält er den Schläger so, wie es Nachwuchstrainer landauf, landab den TischtennisAnfängerinnen und -Anfängern für gewöhnlich zuallererst abzugewöhnen trachten: mit dem Daumen und Zeigefinger auf der Rückhandseite und den übrigen drei Fingern am Griff.

Ein unberechenbarer Gegner

Mit seiner Schlägerhaltung, dem inoffizell als «Scheibenwischer» bezeichneten und offiziell nach seinem Erfinder Danny Seemiller (USA) benannten Seemiller-Griff, kam Elia Schmid auch zu seinem grössten Erfolg an internationalen Tischen. An der EM im Oktober 2016 in Budapest überstand er als erster Schweizer seit langem die Gruppenspiele. Und in der ersten K.-o.-Runde nahm er dem mehrfachen Europameister Wladimir Samsonow, zu diesem Zeitpunkt die Nummer 9 der Weltrangliste, den ersten Satz ab und hielt auch in der Folge lange sehr gut mit. Im Mitschnitt dieser Partie ist deutlich zu sehen, dass sogar ein Spieler mit der Routine des 40-jährigen Weissrussen seine Zeit be­nötigt, um eine Antwort auf Schmids unkonventionelle Spielweise zu finden.

Klotens Captain Denis Bernhard ist schon einige Male gegen ihn angetreten und weiss zu berichten: «Er steht am Tisch, setzt den Schläger wirklich wie einen Scheibenwischer ein und blockt jeden Ball aggressiv mit seiner Vorhandseite. Sobald man aber zu passiv spielt, greift er selbst an, mit der Rückhand in konventioneller Schlägerhaltung. Das macht ihn unberechenbar.»

Bernhard war es auch, der Elia Schmid nach Kloten gelockt hat. Dies beileibe nicht nur, um durch die Integration ins eigene Team einen unangenehmen Gegner loszuwerden. Sondern auch aufgrund seiner Interessen als Finanzchef des Vereins. «Längerfristig können wir es uns nicht leisten, so wie in dieser Saison mit zwei Ausländern in der NLA anzutreten», verrät Bernhard, «darum haben wir uns unter Schweizer Topspielern umgehört, und ich habe Elia angefragt.»

Zwickl und Zombori gehen

Klotens 22-jähriger Captain und der zwei Jahre jüngere Elia Schmid kennen einander aus gemeinsamen Trainingslagern und Wettkämpfen mit dem Schweizer Nachwuchs-, später mit dem Elite-Nationalkader bestens. «Wir gehen manchmal zusammen in den Ausgang», verrät Denis Bernhard. In der kommenden Saison mit Schmid und Klotens Neuzuzug dieser Spielzeit, dem Nachwuchs-Nationalspieler Andrin Melliger, zusammenzuspannen, löst bei ihm schon jetzt enorme Vorfreude aus. «Es war immer mein Traum, in der NLA und in einem jungen Team zu spielen», sagt Bernhard.

Elia Schmid selbst gibt an, «ul­tramotiviert» für seinen neuen Verein zu sein: «Nach vier Saisons in Muttenz möchte ich eine neue Herausforderung annehmen.» Mit seinen zwei auch noch sehr jungen Kollegen zusammenzuspielen, motiviere ihn sehr. Und: «Inbesondere reizt es mich, die Rolle als Teamleader zu übernehmen.» Das dürfte auch mehr als nötig sein. Denn als allerVoraussicht nach einziges NLA-Team, das ohne Ausländer antritt, dürfte es für Kloten in der nächsten Spielzeit zuerst um den Ligaerhalt gehen.

Schmid kam in der laufenden Saison zwar auf eine ähnliche Erfolgsbilanz wie Klotens bisherige Nummer 1, Daniel Zwickl. Doch neben Zwickl wird auch dessen ungarischer Landsmann David Zombori aus den genannten finanziellen Gründen in der nächsten Saison nicht mehr für Kloten spielen. Auf die Punkte Schmids, der vor kurzem aus dem Nationalteam zurückgetreten ist, um sich auf seine Ausbildung und später auf ein Studium zu konzentrieren, wird es daher umso mehr ankommen. Der Berner Oberländer nimmt es gelassen: «Ich mache mir keine Sorgen um den Ligaerhalt. In uns steckt enormes Potenzial.» (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 12.04.2017, 23:06 Uhr

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