Kloten

Meister trifft auf Wahlheimat

Wenn Kloten morgen Samstag um 15 Uhr Wil SG zur ersten Partie des NLA-Playoff-Finals empfängt, könnte ein Spieler der Gäste zu Fuss kommen: Christian Hotz wohnt in der Flughafenstadt.

Christian Hotz zieht einen Vorhand-Topspin. Der Captain des Vorjahres-Meisters Wil SG fühlt sich bereit für den Playoff-Final in der Tischtennis-NLA gegen den Herausforderer Kloten.

Christian Hotz zieht einen Vorhand-Topspin. Der Captain des Vorjahres-Meisters Wil SG fühlt sich bereit für den Playoff-Final in der Tischtennis-NLA gegen den Herausforderer Kloten. Bild: René Zwald

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«Ich freue mich riesig auf den Final: Letztes Jahr haben wir jedie Erfolgsserie von Rio-Star Muttenz nach elf Schweizer-Meister-Titeln beendet und für Wil den vierten Titel in der Vereinsgeschichte geholt. Ihn möchten wir natürlich unbedingt vertei­digen», sagt Christian Hotz, und strahlt dabei in die tief stehende Abendsonne auf der Aussenterrasse einer Bar im nahen Effretikon. «Dass es diesmal gegen Kloten geht, macht das Ganze noch interessanter. Schön, dass mal ein neues Team im Final steht.»

Klotens Finaleinzug kommt für den 31-Jährigen, der seit zwölf Jahren ununterbrochen in der NLA spielt, keineswegs unerwartet: «Ich habe schon vor Saisonbeginn gesagt, dass wir, Rio-Star Muttenz und Kloten die Top-Favoriten sind.» Der langjährige Leistungsträger ihres Finalgegners zählt die Trümpfe der Klotener auf: «Die Ungarn Daniel Zwickl und David Zombori sind beide starke Spieler und können viele Punkte für ihr Team holen. Ihr gemeinsames Doppel ist eines der besten in der Liga. Auch Denis Bernhard hat in dieser Saison weitere Fortschritte gemacht und ist für einen Exploit gut.» Hotz erwartet denn auch eine «völlig offene Serie mit hart umkämpften Spielen.»

«In der Breite stärker»

Die Vorteile im Playoff-Final sieht der Präsident der Nationalliga-Organisation innerhalb des TTC Wil dennoch aufseiten seines Teams: «Ich würde sagen, dass wir 55 zu 45 Prozent der Favorit sind, weil wir in der Breite doch die stärkere Mannschaft haben.» Zwar endeten beide Duelle der beiden Playoff-Finalisten während der Qualifikationsrunde mit 5:5. «Aber Fredrik Möller hat beide Male nicht mitgespielt, was sicherlich zu berücksichtigen ist», erklärt Christian Hotz. Der schwedische Routinier habe schon im Vorjahr massgeblich zum Titelgewinn beigetragen und könne jeden Gegner in der NLA besiegen.

Wils Nummer 1, der 27-jährige Lette Matiss Burgis, der zu seinen besten Zeiten auf Platz 100 der Weltrangliste stand, besiegte die Klotener Top-Cracks Zwickl und Zombori jeweils im Hin- und Rückspiel der Qualifikation. In Spiel 1 und 2 des Playoff-Halbfinals gegen Chê­nois gewann er zuletzt fünf seiner sechs Einzel – der Brite Andrew Rushton entschied sogar all seine sechs Einzel für sich. «Andrew spielt schon seit neun Jahren in der Schweiz und konnte noch nie die Meisterschaft gewinnen. Nach seinem Wechsel zu uns möchte er unbedingt den Titel holen und dreht darum im Moment so richtig auf.» Ob alle drei Ausländer in der Best-of-3-Finalserie zum Einsatz kommen werden, oder doch er selbst, lässt Hotz bewusst offen: «Ich werde selbstverständlich nicht verraten, wer von uns spielen wird. Nur so viel: Wir werden alle vier in der Halle sein.»

Mit seiner persönlichen Saisonbilanz zeigt sich der Wiler Captain eher unzufrieden. Zuletzt aber stieg die Formkurve wieder an, weil er wieder mehr Zeit fürs Training fand. Zu Saisonbeginn habe er einiges seiner Freizeit, die ihm neben der Arbeit in einer Anwaltskanzlei blieb, in die Suche nach Sponsoren investiert. Auch ein Tischtennis-Event im Dienste des Wiler Hauptsponsors in Uganda mitten in der ­Saisonvorbereitungsphase habe ihn sportlich gesehen zurückgeworfen. «Aber jetzt bin ich bereit und würde nur zu gerne selbst spielen», kündigt Hotz an.

Vom Seefeld nach Kloten

Seit über einem Jahr wohnt der gebürtige Aargauer nun schon in Kloten. In die Flughafenstadt zog Christian im April 2016 vom Zürcher Seefeld, damals als Mitbewohner eines Klotener Tischtennisspielers: Christian Switajski. Beide kannten einander aus gemeinsamen Zeiten in Muttenz, wo Hotz fünf Jahre lang erfolgreich spielte.

Nach dem heurigen Playoff-Final wird sich Hotz auf die im November anstehende Anwaltsprüfung vorbereiten. Den Umzug aus dem Zürcher Seefeld nach Kloten hat er keinesfalls bereut, im Gegenteil. «Ich fühle mich hier sehr wohl. Kloten ist eine coole Stadt und es hat sehr viel schöne und ruhige Orte. Dazu kommt, die Nähe zu Zürich. Und am Berg oben, wo ich wohne, hört man auch kaum Fluglärm.» Doch bei aller Liebe zur neuen Wahlheimat: Ein Wechsel zum hiesigen Tischtennisclub ist für ihn kein Thema. Zwar wird Elia Schmid, an dessen Seite Hotz vor zwei Monaten den Schweizer-Meister-Titel im Doppel gewann, in der kommenden Saison für Kloten spielen. Doch auch dieser Umstand ändere nichts daran, dass er sich mit Kloten in keinen Vertragsgesprächen befinde, antwortet er auf die entsprechende Frage. Wahrscheinlich liegt dies auch daran, dass er sich im TTC Wil nicht nur sehr wohlfühlt, sondern auch sehr viele Aufgaben übernommen hat.

Ob Verträge mit den ausländischen Spielern oder den Sponsoren, Marketing und Sponsoring – beim Juristen, der sein Studium an der Universität Basel abgeschlossen hat, laufen im langjährigen NLA-Spitzenklub aus dem St. Galler Fürstenland viele Fäden zusammen. «Mir liegt sehr viel an unserem Sport und am TTC Wil, dem ich durch mein ­Engagement auch etwas zurückgeben möchte», erklärt Hotz, «schliesslich haben mich die Wiler schon als 16-Jährigen in ihr NLA-Team geholt und mich später während des Studiums unterstützt.» Was in diesen Worten mitschwingt: Neben dem Tischtennissport legte Hotz auch stets grossen Wert auf seine Ausbildung. Darum nahm er abgesehen von einer Saison (2007/08) für den deutschen Regionalligisten DJK Offenburg kein weiteres Ausland-Engagement mehr an.

Priorität auf Studium

«Ich habe immer versucht, neben Schule, Studium und Beruf das Maximum herauszuholen», sagt der amtierende Schweizer Meister im Doppel und mit der Mannschaft, «um mehr zu erreichen, hätte ich ins Ausland wechseln und ganz auf Tischtennis setzen müssen.» Gereizt habe ihn dies durchaus, «aber die Vernunft war immer ein bisschen grösser.» Zumal er im Gegensatz zu anderen auf sich alleine gestellt war und nicht auf die Unterstützung des Verbandes zählen konnte, die während der steinigen Anfangsjahre in niedrigen Profiligen im Ausland unabdingbar gewesen wäre. Hotz, der von seinem 10. bis zum 27. Lebensjahr stets dem Nachwuchs- oder Elite-Nationalkader angehört hatte, kennt viele internationale Kontrahenten aus Junioren-Zeiten, die den Weg eines Profis gewählt haben und in der Weltrangliste viel weiter nach oben geklettert sind als er.

Dennoch sagt er: «Ich bin mit meinem Lebensweg zufrieden.» Zumindest zum Nebenberuf hat der über 20-fache Schweizer Meister seine Leidenschaft aber mit Erfolg gemacht. Gemeinsam mit einem Kollegen gründete er vor Ende 2015 eine Firma, die Tischtennis-Events anbietet, je nach Wunsch mitsamt DJ, Catering oder Showmatch. «Es ist immer wieder schön, Leute zum Staunen zu bringen und für unseren Sport zu begeistern», berichtet er. Am Wochenende dürften er, seine Wiler Mitspieler und ­ihre Klotener Kontrahenten dies auch mit packendem, hochklassigem Sport in den beiden Playoff-Final-Partien tun. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 19.05.2017, 00:50 Uhr

TTC Kloten

«Eher Aussenseiter»

Falls sich Kloten im Playoff- Final gegen Wil SG durchsetzt, wäre dies ein Triumph von historischer ­Dimension: Denn genau vor 30 Jahren, 1987, ging der Schweizer-Meister-Titel in der Mannschaftsmeisterschaft der Männer letztmals in die Flug­hafenstadt. Nicht nur deswegen freut sich Denis Bernhard «riesig auf den Final», wie er sagt. «Es wird sehr viele Matches geben, die auf hohem Niveau stehen, spannend und hart umkämpft sein werden» , schätzt der Klo­tener Captain. Den grösseren Druck ortet er auf der gegnerischen Tischseite: «Wir sind gegen den Titelverteidiger Wil eher der Aussenseiter.» Dennoch traut er auch seinem Team alles zu. Ob er selbst oder sein junger Mitspieler Andrin Melliger neben Daniel Zwick und David Zombori antreten wird, hänge von der Tagesform ab. pew

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