| STAFETTE / DONNERSTAG,
11. MÄRZ 2010 |
| Der Geigenbauer Leonhard Pavoni arbeitet rund 150 Stunden an einem Instrument |
| Ein Wunderwerk aus 70 Teilen |
| Keines der 100 Instrumente, die Leonhard Pavonis Stempel tragen, tönt wie das andere.
Das muss auch so sein, denn jeder Musiker hat andere Vorstellungen.
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| Karin Steiner |
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| Leonhard Pavoni in seiner Werkstatt im Herzen der Bülacher Altstadt. (kst) |
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«Jedes meiner Instrumente liegt mir am Herzen», sagt Leonhard Pavoni. «Es ist ein bisschen wie mein Kind, es trägt meinen Stempel.» Ein geübtes Ohr könne am Klang einer Geige erkennen, aus welcher Werkstatt sie stamme.
Gutes Gehör nötig Rund 150 Stunden arbeitet der Bülacher an einer Geige, Bratsche oder einem Cello. Kein Wunder, kostet ein solches Instrument rund 15000 Franken. «Wichtig ist schon die Wahl des Holzes. Es spielt eine Rolle, wie es gewachsen ist und gelagert wurde.»
Meist wird ein Streichinstrument aus Fichte oder Ahorn gebaut. Wie das Instrument einmal klingen wird, hängt sehr davon ab, wie die Wölbung von Boden und Decke ist und wie dünn man das Holz an bestimmten Stellen belässt. «Ich arbeite ohne Stimmgabel, nur mit dem Gehör. Ich klopfe auf das Holz und horche auf den Klang. Auch das Verleimen und Lackieren der rund 70 Teile, aus denen ein Streichinstrument besteht, ist wichtig und bedarf äusserster Sorgfalt. «Ich baue die Geige auf ewig. Sie soll in ein paar hundert Jahren mindestens so gut klingen wie heute.»
Aus Spass wird Leidenschaft Auf die Leidenschaft des Geigenbaus stiess Leonhard Pavoni per Zufall. Der Primarlehrer spielte Oboe in einem Orchester. Dort lernte er seine spätere Frau, eine Violinistin, kennen. «Sie war mit ihrem Instrument nicht zufrieden, und da sie wusste, dass ich gerne mit Holz arbeite, forderte sie mich auf, ihr doch eine Geige zu bauen.»
Was er später auch tat. Aber erst meldete er sich zur Aufnahmeprüfung an der Geigenbauschule Brienz an, der einzigen Schweizer Fachschule für Geigenbau, und bestand diese auch. Da es aber nur zwei Ausbildungsplätze gab, ging er leer aus. So machte er die Ausbildung im Selbststudium mit Begleitung eines Lehrers aus Brienz. «Meine erste Geige habe ich quasi mit Telefonanleitung gebaut. Eine Hobelbank hatte ich nicht. Es musste ein Taburett als Arbeitsplatz herhalten.»
Nach sechs Jahren Selbststudium machte er den offiziellen Lehrabschluss in Brienz. «Mit dem Diplom war es kein Problem, eine Stelle zu finden. Für mich war es aber nicht einfach, mich zu entscheiden, ob ich nun weiter als Primarlehrer oder als Geigenbauer arbeiten wollte.»
Instrumenten-Vermietung Bis heute hat er seine Entscheidung nicht bereut. Da er inzwischen Vater zweier Kinder geworden war, kaufte er zusätzlich Streichinstrumente aus Deutschland und China ein, um sie an Musikschulen und Private zu vermieten. «Das gibt mir eine gewisse finanzielle Sicherheit.»
Inzwischen hat er mehr als genug Arbeit. Er pendelt zwischen dem Toggenburg, wo er ein zweites Altelier besitzt, und Bülach hin und her, berät Kunden und repariert und pflegt Instrumente. Manchmal kommen auch Leute zu ihm, die unter seiner Anleitung ein eigenes Instrument bauen wollen. «Kürzlich hat eine Maturandin als Maturarbeit bei mir eine Bratsche hergestellt. Das hat mir als ehemaligem Lehrer viel Freude gemacht.»
Doch leider bleibe ihm bei all den Aktivitäten nur wenig Zeit für sich selbst. So baue er nur noch eine oder zwei Instrumente pro Jahr, sagt er mit Bedauern.
Den Stafettenstab reicht Leonhard Pavoni der Dielsdorfer Geigenlehrerin Rosmarie Wilhelm weiter.
Infos: pavoni-violins.com |
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