Freienstein-Teufen/Griessen: Judith Graile übernimmt in Kanada eine grosse Ranch
«Ich wusste, da will ich hin»
Die Pferdetherapeutin und Fallschirmspringerin Judith Graile verwirklicht ihren Kindheitstraum und wandert nach Kanada aus. Auf ihrer Ranch können Gäste reiten, fischen oder Cowboy spielen. Andrea Sailer
Judith Graile fliegt mit ihren Pferden und Ponys nach Kanada. In der Provinz Manitoba wird sie im Juli eine Ranch für Feriengäste eröffnen. (asa)
«Eigentlich wollte eine Freundin von mir nach Kanada auswandern», erzählt Judith Graile lachend. Weil sie einmal eine Zeit lang in den USA gelebt hatte und gut Englisch spricht, half sie ihr bei der Suche. Sie flogen nach Kanada. «Es hat mir sehr gefallen. Und ich wusste, da will ich hin.» Die verschiedenen Reisen brachten sie von British Columbia über Alberta nach Manitoba. Graile wusste noch nicht richtig, was sie machen wollte. Eine Produktion von Schweizer Käse oder eine Fallschirmspringschule geisterte als Idee umher.
Als Graile in der Provinz Manitoba eine Ranch entdeckte, nur zwei Kilometer vom Riding Mountain National Park entfernt, war es für sie plötzlich klar. Sie wollte eine Pferde-Ranch eröffnen für Feriengäste, die gerne reiten, fischen, Kanu fahren, wandern oder Tiere beobachten. Den Ausschlag für die Entscheidung gab das nahe Skigebiet. So kann Graile auch Wintergäste empfangen. «Eine bessere Lage geht nicht», schwärmt sie. Auf ihrem 200 Hektaren grossen Landstück gibt es zwei Seen und in der Region eine reiche Tierwelt. Elche, Bären, Biber, Wölfe, Bisons, Luchse, Marder, Rehe, Koyoten und sogar Pumas leben in der Gegend.
Pferde fliegen zum ersten Mal
Graile wuchs in Weiler am Rhein auf. Mit ihrem heutigen Ex-Mann kam sie nach Freienstein, wo sie zwei Jahre lang auf dem Lindenhof lebte, später nach Teufen. Bevor Graile nun nach Kanada auswandert, wohnt sie noch bis Mitte April in Griessen, gleich an der deutschen Grenze. Die mehrfache deutsche Meisterin, Europameisterin und Vize-Weltmeisterin im Skysurfen arbeitet heute als Fallschirm- und Reitlehrerin. Als ausgebildete Pferdepsychologin betreut sie Problempferde.
Ihre drei Pferde und zwei Ponys nimmt Graile mit nach Kanada. «Für meine Pferde ist es das erste Mal, dass sie fliegen.» Für sie selbst sei es das normalste auf der Welt, fliegen und aus dem Flugzeug zu springen. Ein Freund von Graile fliegt die Cargomaschine nach Calgary. Dann geht es weiter mit dem Lkw. Die Hündin Ambee kommt auch mit, einzig die weisse Katze bleibt im Land und kriegt ein neues «Plätzli» bei einer Bekannten. In Kanada wird Graile neben ihren Tieren noch einige Pferde kaufen. «Ein trächtiges Lama haben wir auch bereits», so die 44-Jährige. Später will sie mehr Lamas. Als Packtiere sollen sie die Gäste auf Wandertouren begleiten. Zudem wohnen 20 Kühe und Rinder auf dem Hof, mit denen die Gäste die Arbeit als Cowboy üben dürfen.
«Freunde auf der Welt verstreut»
Mühe, die gewohnte Umgebung zu verlassen, hat Graile keine. «Das Einzige, was mich richtig traurig macht, ist, dass ich meine Theatergruppe verlassen muss.» Ansonsten halte sie nichts mehr hier. «Meine Freunde sind eh auf der ganzen Welt verstreut.» Viele helfen ihr beim Einrichten des Hofs. Zurzeit laufen noch die Proben der Freiensteiner Theatergruppe «pur pur rot», Graile wird zum Abschied die Hauptrolle spielen. Zukunftspläne hat Graile viele. Einer davon ist, dass ihr 25-jähriger Sohn Dennis Frey, der seit einem Jahr in Vancouver lebt und den Pilotenschein macht, dereinst auf der Ranch Flüge mit einem Wasserflugzeug anbieten kann. Am meisten freut sich Graile jedoch darauf, «dass meine Pferde und mein Hund in Freiheit sind». Mit dem grossen Auslauf seien die Pferde viel ausgeglichener.