Freienstein-Teufen Bestsellerautorin Federica de Cesco erzählt in Dok-Film aus ihrem Leben
«Der Film ist eine Liebeserklärung ans Lesen»
Als Bub hat Nino Jacusso ihre Bücher druckfrisch ab Presse gelesen. 40 Jahre später dreht er einen Dok-Film über die Autorin Federica de Cesco. Am Freitag zeigt er den Film im neuen Kino Freienstein.
Andrea Sailer
Filmemacher Nino Jacusso (Zweiter von links) porträtiert in seinem Dok-Film die Buchautorin Federica de Cesco. (zvg)
«Meine Mutter hat in einer Druckerei gearbeitet», erzählt Nino Jacusso. «Die ersten Romane von Federica de Cesco hat sie mir druckfrisch ab Presse nach Hause gebracht.» Als Fünfjähriger emigrierte Jacusso mit seinen Eltern in die Schweiz. «Als Italienerbub in den 1960er Jahren hatte ich nicht so viele Freunde. Die Lesewelt war mir sehr wichtig.» Dass Frauen in de Cescos Büchern die Heldinnen waren, störte Jacusso nie. Mit den Mädchen in seiner Klasse konnte er sich über die Jugendbücher unterhalten. 16-jährig landete de Cesco mit ihrem Erstling «Der rote Seidenschal» einen Bestseller. Eine Erzählung aus weiblicher Perspektive sei für einen Mann sehr erweiternd. So könne er ihre Gedankengänge kennen lernen. «Noch heute arbeite ich lieber mit Frauen zusammen. Die Strukturen sind weniger hierarchisch», meint der 52-Jährige lachend, der mit seiner Familie auf einem Bauernhof bei Solothurn lebt.
Über 80 Bücher geschrieben
Morgen Freitag, 28. März, um 20 Uhr macht der Filmemacher Jacusso Halt im neuen Kino Freienstein. Er zeigt seinen Dokumentarfilm über Federica de Cesco, die bis heute über 80 Bücher ? nach zahlreichen Jugendromanen auch viel Erwachsenenliteratur ? geschrieben hat. Jacusso blickt ihr beim Schreiben über die Schulter. De Cesco erzählt aus ihrem Leben und Schaffen. Auch berichten Leserinnen, was ihnen die Bücher bedeuten, und Schauspielerinnen lesen in einigen der schönsten Bibliotheken Europas aus den Romanen vor. Allzu privat wird es nicht. Zwar erfahren die Zuschauer viel über die Arbeitsweise der Autorin, aber wenig über ihre Familie. So kommen beispielsweise ihre Tochter und ihr Sohn nicht zu Wort. Er habe die Tochter angefragt, so Jacusso. Sie sei stolz auf das Werk ihrer Mutter, wolle aber nicht im Film auftreten, erhielt er zur Antwort. Gut möglich, dass Jacusso versucht, für die DVD-Version des Kinofilms diese Interviews noch zu führen.
Lebensgefühl in Japan italienisch
Jacusso hat de Cesco vor zehn Jahren bei einer Autorenveranstaltung kennen gelernt und sich sofort gut mit ihr verstanden. «Wir haben einen ähnlichen kulturellen Hintergrund», sagt Jacusso. De Cescos Vater war Italiener, die Mutter Deutsche. Die Familie lebte an verschiedenen Orten in Italien, Äthiopien, Deutschland und Belgien. Heute wohnt de Cesco mit ihrem zweiten Mann, dem japanischen Fotografen Kazuyuki Kitamura, am Genfersee. Ihre Inspirationsquellen sind zu einem grossen Teil Japan und Personen, denen sie im alltäglichen Leben begegnet.
Rund sieben Wochen haben Jacusso und sein Team zwischen Januar und Mai 2007 in der Schweiz, in Frankreich, Holland, Deutschland und Japan gedreht. Japan sei zuerst ein Albtraum gewesen. Nicht einmal ein Strassenschild könne man lesen. Doch mit der Zeit merke man, dass das Lebensgefühl sehr italienisch sei. «Das Land ist präzis chaotisch», findet Jacusso.
Er tourt nun mit seinem Film durch die Schweiz. Als Nächstes möchte Jacusso einen Kinderfilm machen. Das schönste Kompliment, das er für seinen Dok-Film erhielt, kam von einem achtjährigen Mädchen, das ihm eine E-Mail schrieb: «Ihr Film war super.» Dass der Dok-Film auch Kindern gefalle, hätte Jacusso nie gedacht: «So ist der Film eine Liebeserklärung ans Lesen geworden.»