Rümlang: Mitgliederversammlung der Unternehmerinitiative DCH
Zoll droht zu Hindernis zu werden
Zahlreiche Wirtschaftsvertreter aus Südbaden und der Nordschweiz haben sich
gestern in Rümlang getroffen. Gemeinsam wehren sie sich gegen drohende Erschwerungen in der Zollabfertigung von Waren. Florian Riesen
Die Co-Präsidenten der Unternehmerinitiative DCH, Rudolf Weber (links) und Heiko Gleixner, auf der Führung durch die Bodenwaschanlage der Eberhard Recycling AG, die im Anschluss an die Mitgliederversammlung stattgefunden hat. (fr)
Ab 1. Juli 2009 drohen sich die Staus an den Grenzübergängen zwischen der Schweiz und Deutschland noch zu verschärfen. Dann nämlich soll der sogenannte EU-Zollkodex in Kraft treten. Dieser sieht vor, dass für Gütertransporte zwischen der EU und Drittstaaten wie der Schweiz Voranmeldepflichten eingeführt werden, die von einer Stunde auf der Strasse über zwei Stunden im Bahn- und bis zu 24 Stunden im Seeverkehr reichen.
Fatale wirtschaftliche Folgen
«Es darf zu keiner Beeinträchtigung der heute bestehenden, in jahrelanger Praxis bewährten Verzollungsabläufe kommen», forderte Heiko Gleixner, Co-Präsident der Unternehmerinitiative DCH, an der gestrigen Mitgliederversammlung bei der Eberhard Recycling AG in Rümlang. «Jedes andere Ergebnis würde der schweizerischen und gleichermassen auch der europäischen Wirtschaft schaden.» Besonders stark betroffen davon wäre aufgrund ihrer engen grenzüberschreitenden Verflochtenheit die Wirtschaft in der Region Südbaden/Nordschweiz, fuhr der Waldshuter Rechtsanwalt fort. Und genau aus dieser Region haben sich rund 60 Wirtschaftsvertreter in der Unternehmerinitiative DCH zusammengeschlossen, um beidseits der Grenzen die gemeinsamen Interessen dieses potenten Wirtschaftsraumes zu vertreten.
Gemäss Gleixner hätten diese Neuerungen für den Warenverkehr zwischen der Schweiz und der EU fatale Folgen. Täglich passieren rund 23 000 Lkw die Schweizer Landesgrenze. «Allein der durch die Voranmeldepflichten bedingte zeitliche Mehraufwand für diese Strassentransporte würde nach vorsichtigen Schätzungen 500 000 Arbeitsstunden jährlich betragen und somit rund 300 Vollzeitkräfte in Anspruch nehmen.»
Forderung an Politiker
Zweiter Co-Präsident der Unternehmerinitiative DCH ist Rudolf Weber, CEO der Kaba-Gruppe. Weber deutete noch auf weitere Probleme neben der Zollabfertigung hin. In Bezug auf die Verkehrsinfrastruktur in der Region Südbaden/Nordschweiz sprach er von einer wachsenden Ungeduld über die ausbleibenden Ergebnisse bei der Lösung dringender Fragen. Es werde zwar geschätzt, dass die politischen Vertreter beider Länder sich regelmässig austauschen und offene Fragen besprechen würden. «Das Gefühl, dass bald konkrete Lösungen vorgezeigt werden, konnte dadurch gleichwohl nicht vermittelt werden», so Weber. «Angesichts des globalen Standortwettbewerbs, dem sich auch unsere Wirtschaftsregion nicht entziehen kann, ist ein jahrelanger Stillstand bei wichtigen Infrastrukturentscheiden äusserst nachteilig.»