UNTERLAND / Rivalität zwischen Fussballfans verursacht Kosten für die öffentliche Hand
Kleber-Krieg abseits des Rasens
Der Kampf um die Wahrnehmung der Fussballklubs GC und FCZ tobt auch im Unterland. Fans pflastern den öffentlichen Raum mit Klebern zu.
FLORIAN RIESEN UND SVEN ZAUGG
Fans markieren ihr Hoheitsgebiet mit Sujets ihrer Fussballklubs. (Johanna Bossart)
Kleben, was das Zeug hält: Die Fans der Stadtzürcher Fussballklubs GC und FCZ duellieren sich nicht nur mit Sprechgesängen in den Stadien oder mit nicht niet- und nagelfesten Gegenständen ausserhalb der Arenen; der neue Trend heisst: Wer klebt mehr und schneller.
Auf Verkehrsschildern, Ortstafeln und in Bahnhofsunterführungen wimmelt es von Aufklebern mit GC- und FCZ-Sujets. In der Stadt Zürich registrierte die Dienstabteilung Verkehr des Polizeidepartements inbesondere während der Euro 08 eine starke Zunahme der Kleber.
Strafanzeige eingereicht
Allein in der Stadt kostet die Entfernung der Kleber rund 250 000 Franken. Diese Zahl lässt darauf schliessen, dass die öffentliche Hand auch im Unterland jährlich mehrere 100 000 Franken aufwenden muss, um die ungeliebten Sticker zu entfernen. Bezahlt wird die Reinigung aus dem kantonalen Strassenfonds, der wiederum primär mit kantonalen Verkehrsabgaben gespeist wird.
Laut dem kantonalen Tiefbauamt sind im Zürcher Unterland einzelne Orts- und Verkehrstafeln richtiggehend zugepflastert. Dominik Bonderer, Leiter Kommunikation der Baudirektion, bestätigt, dass vor allem das Embrachertal und die Region Bülach von «klebewütigen» Fans heimgesucht werden. Bei der Kantonspolizei sei deshalb Strafanzeige gegen unbekannt eingereicht worden.
In Niederhasli, Standortgemeinde des GC-Campus, sieht man sich derweil mit weiteren Sachbeschädigungen von Fussballfans konfrontiert: «Wir verzeichnen an verschiedenen Hausfassaden Schmierereien von GC-Fanatikern», sagt Gemeindeschreiber Patric Kubli. Gemäss Bonderer sind die Fangruppen bislang nicht direkt kontaktiert worden, um das Problem bilateral zu lösen. Laut Kapo-Mediensprecherin Cornelia Schuoler könne dann von Sachbeschädigung gesprochen werden, wenn die Kleber Schäden an Ortstafeln verursachten.
Neben den Verkehrsschildern wird jedoch auch die Infrastruktur an Bahnhöfen oder in Zügen zugekleistert. SBB-Mediensprecher Roman Marti weist darauf hin, dass die Problematik in einem breiteren Kontext betrachtet werden müsse. «Wir haben mit zahlreichen Arten von Vandalismus zu kämpfen. Die Kleber sind ein Teilproblem.»
Private produzieren Kleber
Die Fanclubs der beiden Fussballvereine geben sich bedeckt, wenn es um die Kleber ihrer Mannschaften im öffentlichen Raum geht. Einzig die IG GC Zürich, der Dachverband der verschiedenen Grasshopper-Fanclubs, nimmt Stellung zu der Problematik. Laut ihrem Präsidenten sind es in der Regel keine Fanclubs, sondern inoffizielle Fangruppierungen oder Privatpersonen, welche die Kleber produzieren.
Ein guter Farbdrucker und ein paar Bögen mit Klebeetiketten reichen dafür. «Es geht den Fans darum, Präsenz zu markieren. Wenn man die Mengen von Klebern sieht, wird klar, dass es oft keine Aktionen von Einzelpersonen, sondern in Gruppen geplante Nacht-und- Nebel-Aktionen sind.»