Bülach Cisalpinos verkehren ab Dezember nicht mehr durchs Unterland
Anschluss an den Süden fällt weg
Direkte Verbindungen Bülach–Mailand gibt es ab dem Fahrplanwechsel im Dezember nicht mehr. Im Unterland nimmt man die Änderung eher gelassen.
Sabine Schneiter
Ein Hauch von Süden geht verloren: «Milano» wird bald nicht mehr auf der Bülacher Anzeigetafel zu lesen sein. (Johanna Bossart)
Wenn die Züge nach Milano Centrale in Bülach losfahren, dann weht ein warmer Hauch von Ferien und grosser weiter Welt durch das Unterländer Landstädtchen. Doch damit soll bald Schluss sein: Ab dem Fahrplanwechsel im Dezember gibt es keine direkte Verbindung Bülach–Mailand mehr, wie die SBB auf Anfrage informieren.
Für die bestehenden Verbindungen nach Italien um 8.30, 10.39 und 18.39 Uhr ab Bülach müssen Reisende neu in Zürich umsteigen – dasselbe gilt für Passagiere, die von Italien her kommen. Denn die Züge wenden künftig in Zürich und fahren wieder zurück in den Süden.
Grund dafür ist ein neues SBB-Konzept am Gotthard. Ab Dezember wollen die SBB die Linie komplett unter eigenem Namen führen und setzen statt konventioneller Züge die Intercity-Neigezüge ein. Für die Verbindung Zürich–Schaffhausen hat diese Änderung ebenfalls Auswirkungen: Dort kommt konventionelles SBB-Rollmaterial zum Einsatz.
«Länger dauert die Reise ab Bülach aber nicht, weil in Zürich gute Umsteigemöglichkeiten bestehen», erklärt SBB-Sprecherin Michèle Bamert. Und auch Pendler, die den Schnellzug regelmässig benutzen, kann sie beschwichtigen: «Die meisten Züge verkehren weiterhin, es sind einfach keine Cisalpino-Züge mehr.» Einzig am Morgen fällt der Schnellzug um 10.39 Uhr ab Bülach nach Zürich weg – und zwar wegen mangelnder Auslastung.
Pünktlichere Züge erwartet
Stadtpräsident Walter Bosshard bedauert die Fahrplanänderung: «Das ist eine Reduktion des Angebotes, und das ist natürlich schade.» Dabei denke er insbesondere an die «feudale» Möglichkeit, auf direktem Weg ins Tessin zu reisen. Ein Standortnachteil entstehe für Bülach aber nicht: «Wir kämpfen für den Halbstundentakt der S-Bahn nach Zürich. Das ist für Bülach von grösserer Bedeutung.»
Auch Peter Fehrlin, Präsident der regionalen Verkehrskonferenz Zürcher Unterland, empfindet die wegfallende Südverbindung nicht als Mangel: «Das ist nicht so schlimm. Im Gegenteil: Es ist zu erwarten, dass es dadurch weniger Verspätungen geben wird», erklärt er. Auch die SBB rechnen damit, dass die entsprechenden Schnellzüge künftig pünktlicher verkehren, wie die Medienstelle auf Anfrage erklärt.
Wegen häufiger Verspätungen hat sich der Cisalpino-Neigezug einen schlechten Ruf eingehandelt. Vielleicht ist das mit ein Grund, dass viele Unterländer Pendler dem «Italiener» nicht allzusehr nachtrauern werden, wie eine Umfrage auf dem Bülacher Bahnsteig zeigt.