Hüntwangen Eltern kritisieren Kommunikationspolitik des Gemeinderats
Funkpanne um Handy-Antenne
Den Bau einer Natel-Antenne in Schulhausnähe – das hat der Gemeinderat Hüntwangen bewilligt. Nun erntet er für die Standortwahl harsche Kritik aus Elternkreisen. Rolf Haecky
«Hier neben dem Schützenhaus und in unmittelbarer Nähe des Schulhauses kommt die Antenne hin», erklärt besorgt Dany Bachofen. (Céline Trachsel)
Eine Mobilfunkantenne, die in der Nähe des Schulhauses Hüntwangen zu stehen kommt, sorgt in Elternkreisen für Unmut. Den Bau bewilligt hat der Gemeinderat – dies, nachdem er das entsprechende Vorhaben am vergangenen 19. Dezember im «Amtsblatt» und in den Anschlagkästen der Gemeinde publiziert hat. Genau diese «zurückhaltende Informationspraxis» stösst den Eltern sauer auf: «Niemand kennt die Langzeitfolgen solcher Strahlen», stellt Dany Bachofen, Vater einer neunjährigen Tochter, fest und fährt fort, daher sei eine solche Standortwahl für eine Mobilfunkantenne unsensibel – derart in der Nähe einer Schule und der Mehrzweckhalle und damit in einem Bereich, in dem sich viele Kinder aufhielten.
Zufall oder cleverer Schachzug
«Zum drohenden Verlust der Post, des Bahnhofs und des Dorfladens hat der Gemeinderat einen Info-Abend organisiert», kritisiert Dany Bachofen, einen solch heiklen Entscheid aber veröffentliche die Gemeinde einzig im «Amtsblatt», und das zur Weihnachtszeit, wenn die «Hektik gross ist und die meisten Eltern den Kopf mit anderen Dingen voll haben». Dass der Gemeinderat den geplanten Bau der Mobilfunkantenne im Dezember ausgeschrieben habe, sei kein Zufall, sind Gaby und Dany Bachofen überzeugt: «Das war ein schlauer Schachzug.» Irgendeine unredliche Absicht hinter der Wahl der Art und des Zeitpunkts der Publikation weist Gemeindeschreiber Manuel Frei von sich: «Wir haben das Vorhaben in den vier Anschlagkästen im Dorf ausgehängt – und was da steht, das lesen sehr viele Leute, wie wir aus den jeweiligen Reaktionen ableiten können.»
Bau beginnt demnächst
Gaby und Dany Bachofen erklären, mit ihren Zweifeln und ihrem Ärger nicht allein dazustehen: Gespräche mit andern Eltern und Nachbarn hätten gezeigt, dass keinem das Vorhaben bekannt war. «Die zehn oder mehr Eltern, die wir angesprochen haben, reagierten erstaunt und zornig über das Vorgehen der Gemeinde», versichert Dany Bachofen und meint, auch im neuesten Mitteilungsblatt der Gemeinde sei die Antenne mit keinem Ton erwähnt. Der Gemeinderat seinerseits verweist auf die Frist von 20 Tagen nach der Publikation, während der die Interessierten den baurechtlichen Entscheid hätten anfordern können. Doch: «Beim Gemeinderat sind keine solchen Begehren eingegangen.» Also ist der Entscheid der Behörde mittlerweile rechtskräftig, und die Firma Orange wird in den nächsten Wochen mit dem Bau der Mobilfunkantenne beginnen.
Raus aus dem Funkloch
Bis heute liegt Hüntwangen in einem Loch des Mobilfunknetzes; erst die Antenne bindet das Dorf an die Handytelefonie an. Aus diesem Grund begrüsst der Gemeinderat den Standort im Dorf, «obwohl wir uns nicht aktiv darum bemüht haben», wie Manuel Frei klarstellt. Doch die Antenne trage zu einer erhöhten Attraktivität des Ortes bei, ist er überzeugt und verweist darauf, dass die Leute in Hüntwangen bisher übers deutsche Netz telefonierten. «Das ist sehr teuer und hat laufend zu Reklamationen geführt.» Zudem betont Manuel Frei, dass der Gemeinderat mit der Firma Orange ausgehandelt habe, dass auch andere Anbieter sich auf die gleiche Antenne aufschalten können. Das verhindere den Bau weiterer Antennen.