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SAMSTAG, 29. AUGUST 2009
Fussball Bruno Berner, der Glattbrugger hat sich bei Leicester City in England durchgesetzt
Grossen Respekt hart erkämpft
Der Glattbrugger Bruno Berner fühlt sich wohl in seinem Fussball-Traumland England. Beim ambitionierten Championship-Aufsteiger Leicester City hat er sich zum Führungsspieler entwickelt.
Peter Weiss
Bruno Berner (rechts) schlägt eine Flanke: Als moderner Aussenverteidiger macht er auch im Spiel nach vorne mächtig Dampf. (Scott Renshaw)
«Was machen Sie ausgerechnet in Leicester?» Die Frage, verbunden mit hochgezogenen Augenbrauen und ungläubigem Staunen, hörte der Schreibende jedes Mal, wenn die Rede auf die letzte Station seiner mehrwöchigen Reise durch das Vereinigte Königreich kam. Dass sie sogar die Hotel-Rezeptionistin in der 292 000-Einwohner-Stadt in den östlichen Midlands stellte, erstaunte dann aber doch.

Eines macht die ewig gleiche Fragerei klar: Der Glattbrugger Profi Bruno Berner hat vor bald einem Jahr bei Leicester City auf keinen Fall als Fussball-Tourist unterschrieben. Denn so wenig äussere Reize die im Zweiten Weltkrieg weitgehend zerstörte Stadt 160 Kilometer nördlich von London auch aufweist – ihr Fussballklub zählt zu den Top-Adressen im Land.

Viel Lob von den Coaches

«Ich habe hier von Anfang an gespürt, wie professionell der Klub geführt ist, wie viel hier dahintersteckt», erklärt Bruno Berner. Auch war schnell klar, dass der Verein nach seinem ersten Abstieg in die dritthöchste Liga überhaupt mit aller Macht sofort wieder nach oben streben würde. Und nach Jahren mit Verletzungen und wenigen Einsätzen beim Premier-League-Klub Blackburn Rovers wollte der 31-Jährige vor allem eines: regelmässig Fussball spielen. Der Leicester City FC seinerseits verpflichtete Berner, obwohl der im Sommer 2008 eine Knieverletzung erlitten hatte. «Wir wussten von seinen Qualitäten, und dass er schon vor Blackburn auf höchstem Niveau gespielt hatte», erklärt Cheftrainer und Manager Nigel Pearson, «darum war es eine grossartige Gelegenheit für uns, ihn zu verpflichten.»

Das Engagement entwickelte sich zur Erfolgsgeschichte. «Obwohl er verletzt war, als er zu uns gekommen ist, hat er sich gleich super integriert», erklärt Chris Powell. Sein damaliger Mitspieler, seit Anfang dieser Saison auch einer von fünf Coaches, schwärmt von Berners Einstellung: «Er will sich in jedem Spiel weiter verbessern, arbeitet hart dafür und denkt enorm viel mit.» Sein Boss Pearson hebt Berners Charaktereigenschaften hervor: «Er ist ein echter Teamplayer.» Der vielseitige Defensivspieler musste darum in der vergangenen Saison immer wieder im Mittelfeld spielen. «Oft leiden die Allrounder in solch einer Situation, Bruno hat sich aber nie beklagt und hat alle Aufgaben sehr solid erledigt.» Überhaupt spiele Berner auf einem hohen Niveau sehr konstant, ohne Leistungsschwankungen. «Er ist kein lauter Spieler, aber gerade deswegen sehr wichtig für die Balance im Team und einer von vier, fünf absoluten Führungsspielern», fügt Pearson an.

Selbstkritisch, durchsetzungsfähig

38 Partien absolvierte der so viel Gelobte in der vergangenen Saison, neben Stabilität in der Defensive steuerte er dabei auch drei Tore zum überlegenen Aufstieg bei. «Ich denke, ich habe nicht vieles falsch gemacht», sagt Bruno Berner bescheiden. Er sei froh, dass er den Anschluss geschafft und ein gutes Comeback hingelegt habe. Auch physisch habe er einen «Riesensprung nach vorne gemacht.» Selbstkritisch ergänzt er jedoch: «Ich muss mich in allen Belangen verbessern, vor allem muss ich mich noch mehr an den englischen Fussball, das schnelle Spiel nach vorne gewöhnen.»

Seit Anfang der neuen Saison kann er dies als Stammspieler in der Abwehr, als linker Aussenverteidiger, tun. «Das war natürlich sehr wichtig, gleich von Beginn an dazuzugehören», sagt Berner. Denn so locker und entspannt es auf dem Trainingsplatz beim ungeschlagenen Aufsteiger auch zu- und hergeht, innerhalb des 27-Mann-Kaders herrscht Konkurrenzkampf. Und gerade ein Profi aus dem vergleichsweise kleinen Fussballland Schweiz muss sich da besonders behaupten. «Die Engländer sehen uns so, wie wir die Liechtensteiner oder Luxemburger sehen», erklärt Berner, «das lassen sie einen hin und wieder auch spüren.» Mit verbaler Schlagfertigkeit und etwas Zweikampfhärte gelte es dann, sich Respekt zu erarbeiten.

In England fühlt sich Bruno Berner auch abseits des Fussballs wohl. Mit Ehefrau Meltem streift er in der Freizeit durch herrliche Landschaften und lebt sein Interesse für Geschichte beim Besichtigen der vielen alten Städte und Burgen aus. Auch die faszinierende Weltmetropole London ist für die Berners immer wieder einen Besuch wert. Von ihrem Wohnort Milton Keynes erreichen sie die Hauptstadt innert einer halben Stunde. Und Leicester? Ein guter Ort für konzentrierte und seriöse Fussballarbeit.
 
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