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MONTAG, 08. FEBRUAR 2010
Eglisau Nationalrat Hans Fehr nimmt im Deutschen Fernsehen Stellung zur Bankdaten-Affäre
«So klären wir die Deutschen auf»
Heute um 22 Uhr erfahren drei Millionen ARD-Zuschauer von SVP-Nationalrat Hans Fehr, wieso hierzulande der Ruf der Deutschen leidet: Ein Blatt nimmt der Eglisauer dabei nicht vor den Mund.
Interview: Kathrin Morf
Seit kurzem ist Hans Fehr doppelt gefragt – neben den Schweizer Medien sind nun auch die Deutschen an seinen oft polarisierenden Aussagen interessiert. (A)
Ein Reporter des ARD-Politikmagazins «Report München» hat Sie zu Deutschen in der Schweiz interviewt. Bekommen die etwa 3 Millionen Zuschauer heute Abend um 22 Uhr einen gezähmten Hans Fehr zu sehen, der in der «Höhle des Löwen» provokative Aussagen scheut?
Hans Fehr: Nein, ich habe die drei Millionen Deutschen ja nicht vor mir gesehen (lacht). Ich habe klar gesagt, was ich denke. So betonte ich, dass das Vertrauen der Schweiz in Deuschland durch die Datenklau-Affäre erschüttert wurde. Die deutsche Regierung stellt sich doch auf das Niveau von Ganoven, wenn sie kriminell erworbene Daten kauft.

Die Reporter haben sich wohl auch für Sie entschieden, weil sie solche Aussagen nicht scheuen.
Natürlich wollen Reporter klare Aussagen, und die Deutschen nehmen ja generell kein Blatt vor den Mund. Lustig fand ich, dass andere Schweizer für Interviews nach Hamburg fuhren, während das TV-Team für mich nach Bern reiste. Wäre ich aus Angst zurückhaltend, hätten sie doch wieder Köppel gefragt. («Weltwoche»-Chef Roger Köppel hat gegenüber dem deutschen «Stern» gesagt, der Datenkauf sei kriminell und deutsche Minister müssten an der Grenze verhaftet werden, Anm. d. Red.).

Sie wohnen in Eglisau, gewissermassen Tür an Tür mit Deutschen. Haben Sie keine Angst, dass Ihr Auftritt zu einem Nachbarschaftskrieg führt?
Nein, ich habe sehr guten Kontakt mit vielen Deutschen. Und diese sagen mir oft: «Himmelnochmal, was unsere Regierung macht, das geht doch nicht.»

Thema des Interviews war sicherlich auch die verschlechterte Stimmung in der Schweiz gegenüber Deutschen?
Richtig. Das Unbehagen gegenüber den Deutschen ist ja durch den Datenklau beinahe eskaliert. Ich habe dem Reporter erklärt, dass unser Problem mit den Deutschen eigentlich ein Problem mit der Personenfreizügigkeit in der Rezession ist: 1500 neue deutsche Arbeitskräfte monatlich führen zu mehr Konkurrenz und zu tieferen Löhnen für Schweizer. Ausserdem ist 2009 die Arbeitslosenquote der Deutschen in der Schweiz um 115 Prozent gestiegen. Wird ein Deutscher hier arbeitslos, ist er doch nicht blöd und geht zurück nach Deutschland, wo ihn die Minimalleistungen von Hartz IV erwarten. Stattdessen partizipiert er an unserem sozialen Netzwerk, das auch von Einwanderern aus vielen anderen Ländern belastet wird – und dieser Belastung, vor allem in der Krise, auf Dauer nicht standhält.

Das sind ökonomische Bedenken. Ist auch die Schweizer Kultur nicht so einfach mit der Deutschen vereinbar, wie es auf den ersten Blick scheint?
Das denke ich. Nach dem Schwabenkrieg hat sich die Schweiz von Deutschland losgesagt und eine eigene Identität entwickelt, zum Beispiel in Bezug auf die Sprache. Dennoch: Dass in Schweizer Grossunternehmen immer mehr Deutsche tätig sind, die schneller reden und wortgewandter sind als wir, verunsichert viele Schweizer. Nein, ich habe nichts gegen deutsche Einwanderer. Aber es stellt sich wie oftmals die Frage nach dem gesunden Mass.

Wenn Sie Gedichte rezitieren, eines Ihrer Hobbys, dann darf also deutsche Lyrik darunter sein?
Natürlich. Vor der deutschen Kultur habe ich höchsten Respekt. Ich habe dem deutschen Reporter auch gesagt, dass ich Gedichte von Goethe und Schiller rezitieren könne, falls er sich davon überzeugen wolle, dass ich mich für mein Deutsch nicht schämen muss. Goethe und Schiller hätten aber nicht mit ihrem Gewissen vereinbaren können, was der deutsche Staat jetzt tut.

«Wir haben es nicht gern, wenn man sich mit hochgeschliffenem Deutsch einmischt. Da klingen immer noch die arroganten Töne gewisser deutscher Politiker – namentlich Peer Steinbrück – mit», zitierte Sie der «Blick» im Oktober: Wegen der Aussagen eines Einzelnen können Sie also eine ganze Nation nicht mehr hören. Keine Angst, dass es den Deutschen nach Ihrem Auftritt genauso geht?
Nein, ich trete anders auf und rede anders als Steinbrück. Ich sage simpel, was Sache ist – auf relativ nette Art.

SVP-Gegner kritisieren, dass Ihre Partei stets künstlich Feindbilder aufbaut: Erst die Italiener, dann Osteuropäer – müssen nun die Deutschen für den SVP-Stimmenfang herhalten?
Das ist dummes Zeug. Wer das behauptet, soll wieder mal auf die Strasse gehen und mit den Leuten reden. Dann wird er sehen, dass das Unbehagen gegenüber den Deutschen keine SVP-Erfindung, sondern in der Bevölkerung verbreitet ist – und von jedem Politiker ernst genommen werden muss.

Deutsche nahmen bisher kaum wahr, dass ihr Ansehen in der Schweiz bröckelt. Wieso tragen Sie dazu bei, dass sich dies ändert – und beispielsweise unser Ruf als Reisedestination leidet?
So klären ich und andere Schweizer die Deutschen darüber auf, dass unser Land ein begrenztes Fassungsvermögen hat und kein Einwandererparadies ist. Ausserdem kommuniziert Angela Merkel im Unfeld der Daten-Affäre, unser Bankgeheimnis schütze das Gaunertum. Dass wir dies anders sehen und das Vorgehen der deutschen Regierung als kriminell erachten, müssen wir dem deutschen Volk klarmachen.

Sich aufregen bringt wenig. Wie kann das Verhältnis zwischen der Schweiz und Deutschland «repariert» werden?
Deutschland muss auf die Daten verzichten. Hierfür müsste die Schweizer Regierung aber Rückgrat beweisen. Bundesrat Merz darf nicht Angst haben, erneut eins hinter die Ohren zu kriegen. Unsere Regierung gibt sich zu unterwürfig. Sie könnte ja die Verhandlungen zum Doppelbesteuerungs-Abkommen auf Eis legen, bis die Sache mit den Daten vom Tisch ist. Um dem Unbehagen gegenüber der deutschen Einwanderer entgegenzuwirken, könnten wir die Personenfreizügigkeit aufgeben und wieder Kontingente einführen – unter anderem für Deutsche.

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