Eishockey In der virtuellen Eishockeymeisterschaft sind die Kloten Flyers eine Klasse für sich
«Legionäre» jagen den Meistertitel
Die Kloten Flyers sind auf bestem Weg zum ersten Meistertitel der Saison. Dafür sorgen die «NHL 2010»-Gamer in der Virtual National League, die am Samstag in Kloten zu Gast war.
Etienne Wuillemin
An der X-Box-Konsole brillieren Kloten-Flyers-Captain Steven Baumann (Mitte links) und Roland Hofer. Die Mitspieler im Hintergrund (Dennis Nagl, Luca Steiner und Patrick Wiedemer, von links) feuern ihre Teamkollegen an. (Daniel Zannantonio)
Samstagmorgen am Flughafen Zürich Kloten. Zwischen Globi-Stand, schönen Uhren, einem Grossverteiler und jeder Menge Fastfood treffen sich die passionierten Zocker. Es ist der fünfte und letzte Event der «Virtual National League» – einer «Weltneuheit, die in anderen Ländern bald kopiert wird», wie Patrick Reber vom Schweizerischen Eishockeyverband stolz erzählt.
Die Virtual National League ist das Pendant der Schweizer Eishockeymeisterschaft auf der X-Box-Spielkonsole. Die Gamer absolvieren auf der Basis des Kultspiels «NHL 2010» 50 Qualifikationsspiele und ein Playoff. Jedes National-League-A-Team hat dafür eigens Spieler rekrutiert, die für ihre Farben virtuell auf Punktejagd gehen.
Und so treffen sich 90 eishockeybegeisterte Zocker, «eine kleine Familie», wie Reber sagt, am Samstagmorgen am Flughafen und machen die letzten virtuellen Playoffplätze unter sich aus. Gastgeber sind die Kloten Flyers. Die Unterländer, das sind neun Jungs. Unter ihnen Zürcher, Berner, Bündner, St. Galler, ja sogar ein Berliner ist mit von der Partie. Zusammen sind sie die «Legionäre». So nennen sie sich jedenfalls, wenn sie sich online mit Teams aus der ganzen Welt messen.
Nummer 3 in Europa
Dass die Jungs die Kloten Flyers vertreten, verdanken sie ihrem Captain und «General Manager» Steven Baumann. Als er im Sommer per Newsletter erfährt, dass die Marketingabteilung der Kloten Flyers Spieler sucht, die ihre Farben an der Virtual League vertreten, meldet er sich und seine «Legionäre» gleich in corpore an.
«Ich habe Steven ein bisschen auf den Zahn fühlen wollen und ihn gefragt, ob seine Crew denn etwas könne auf der X-Box …», erzählt der Klotener «Scouting-Verantwortliche» Andreas Burlet. Und Steven hat ganz bescheiden geantwortet: «Weltweit sind wir die Nummer 29, in Europa die Nummer 3 – und in der Schweiz gibt es gar keine ebenbürtigen Gegner.»
Zuerst musste Burlet ob diesen Referenzen erst einmal leer schlucken. Aber er wusste sofort: «Das kommt gut!» Und sein Gefühl hat ihn nicht getäuscht. Von allem Anfang an haben die Flyers die Tabellenführung inne. «Ich bin dann ab und zu mit den Ranglisten der Virtual National League und der National League A bei Anders Eldebrink vorbeigegangen – und konnte natürlich glänzen», sagt Burlet schelmisch.
Zuerst ein kühles Bier
Die virtuellen Flyers haben so viel Vorsprung auf ihre Konkurrenz, acht Punkte nach Abschluss der Qualifikation, dass der letzte Spieltag im Flughafen als Vorbereitung für den Playoff-Event am 27. März in Bern dienen kann. In der Taktik-Sitzung am Morgen wird besprochen, welches Paar welchen Match mit welcher Strategie absolvieren wird. Danach genehmigen sich die ersten ein kühles Bier – «gegen die Nervosität», und müssen selbst lachen ob ihrer Erklärung.
Im Verlaufe des Tages wird klar, dass der Gegner der Flyers im Playoff-Viertelfinal EV Zug und nicht HC Davos heisst. «Zum Glück», sagt Baumgartner, obwohl die Flyers ihr erstes Spiel gegen die Zuger mit 5:6 verlieren, «denn beim HCD ist der Torhüter viel zu stark bewertet.» Auch wenn die «Legionäre» niemanden zu fürchten brauchen, Respekt haben sie vor allen Gegnern.
Der grösste Leckerbissen wartet auf die virtuellen Vertreter der Flughafenstädter allerdings erst am Ende der Meisterschaft. Dann nämlich steht das Duell gegen die Gamer der echten Kloten Flyers – Michael Flückiger, Patrick von Gunten und Steve Kellenberger – an. «Ich hoffe doch sehr, es wird das Duell zwischen Meister und Meister», sagt Captain Steven Baumann lächelnd.
Resultate und Infos zur Virtual League: www.nationalleague.ch/NL/vnla/de/index.php