Mr-Gay-Switzerland-Wahl Zwei Unterländer bewerben sich um die Nachfolge von Ricco Rimus Müller
Ein Mister-Titel gegen Vorurteile
Ein Highlight der Gay-Society ist die Wahl des Mister Gay Switzerland. Adrian Fritz und Felipe Lima kämpfen am Finale um die Akzeptanz von Schwulen.
Corine Turrini Flury
Adrian Fritz (26, links) und Felipe Lima (21) wollen sich mit ihrer Wahlteilnahme öffentlich für Schwule stark machen. (Johanna Bossart)
«Nicht jeder Schwule trägt eine Louis-Vuitton-Handtasche am Handgelenk», sagt Felipe Lima aus Glattbrugg. Der 21-Jährige weiss, mit welchen Vorurteilen und Klischees Schwule noch immer konfrontiert sind. «Ich möchte mich dafür einsetzen, dass jeder so leben kann, wie er ist, und sich nicht verstellen muss», begründet der auszubildende Restaurationsangestellte seine Teilnahme an der Mister-Gay- Wahl. Auch der in Wallisellen aufgewachsene Adrian Fritz macht sich mit der Teilnahme an der Gay-Wahl stark für die Akzeptanz von Schwulen. Regelmässig ist er schon seit längerem an Oberstufenschulen im Einsatz und informiert Teenager zum Thema Homosexualität.
Tabuthema und Einsamkeit
Besonders in der Pubertät haben die beiden Unterländer erlebt, wie sie aufgrund ihrer sexuellen Neigung ausgegrenzt wurden. «Ich habe immer gemerkt, wie hinter meinem Rücken getuschelt wurde, und ich habe mich oft einsam gefühlt», sagt Felipe Lima.
Wie sich Adrian Fritz später bei seinem Vater geoutet hat, ist er kurz darauf ausgezogen. «Für meinen Vater ist dieses Thema noch heute tabu», sagt Adrian Fritz und auch bei Felipes Mutter sind beim Coming-out ihres Sohnes Tränen geflossen. Adrian Fritz: «Homosexuelle müssen sich irgendwann bei allen neuen Bekanntschaften wieder outen. Das ist nicht immer leicht.»
Aufgrund ähnlicher Erfahrungen sehen sich Adrian und Felipe nicht als Konkurrenten für die Gay-Wahl. Adrian Fritz: «Klar möchte jeder der zwölf Finalisten gewinnen. Letztlich kämpfen wir aber für die gleiche Sache.»
Positive Reaktionen
Zwischen den beiden Unterländer Finalisten ist sogar ein freundschaftliches Verhältnis entstanden und so unternehmen sie auch in der Freizeit manchmal was zusammen. Der Immobilienentwickler Adrian Fritz kocht gern, interessiert sich für Kultur und geht wie auch Felipe Lima gern mit Freunden und Kolleginnen aus. Beide sind nicht in einer Beziehung. «Nach einer grossen Enttäuschung, wäre ich jetzt bereit für eine Partnerschaft», sagt Adrian Fritz, der sich mit einem passenden Partner auch Kinder vorstellen könnte. Auch Felipe hätte Lust sich zu verlieben. Doch vorerst freuen sich beide auf die Gay-Wahl und geniessen die spannende Zeit und den Medienrummel. «Die Wahl ist für die GayCommunity wichtig und auch mir persönlich tun die Auftritte gut», findet Adrian. «Bis jetzt waren die Reaktionen positiv», sagt auch Felipe Lima.