Opfikon Das gefiederte Wahrzeichen der Schulanlage Halden ist tot
Die Freiheit wurde Oskar zum Verhängnis
Oski, wie seine Freunde ihn nannten, war in Opfikon stadtbekannt. 20 Jahre lang erfreute er viele Menschen. Jetzt ist der Pfau tot. Brutal umgebracht – wie seine Pflegerin es nennt. Beatrix Bächtold
Oskar liebte die Freiheit und spazierte gerne im Quartier bei der Schulanlage Halden umher. (zvg)
Den Freitag, 12. März, wird Manuela Wolfer nie vergessen. Auf dem Gelände der Sekundarschule Halden im Opfiker Stadtteil Glattbrugg findet sie Pfauenfedern mit Fleischstücken daran, Flaum und Blut. «Ich sah sofort, dass da ein fürchterlicher Kampf stattgefunden hatte. Oskar hat sich erbittert gewehrt. Es sah aus wie auf einem Schlachtfeld», sagt die Lehrerin und macht ein trauriges Gesicht. «Ich vermute, dass ein wildernder Hund unseren Pfau am helllichten Tag umgebracht hat», erklärt sie. Ein Fuchs käme nur bei Dunkelheit und da wäre Oskar an seinem Schlafplatz auf einem Baum in Sicherheit gewesen. Doch Oski wurde wohl vor seinem Lieblingsplatz an einer Mauer in die Enge getrieben, am Starten gehindert und dann brutal in Stücke gerissen. Der genaue Hergang des Dramas wird wahrscheinlich ungeklärt bleiben. Seinen Körper hat man nicht gefunden.
Attraktion mit Herz
«Oskar hat mich die ganze Oberstufenzeit begleitet», sagt Desirée Rodenas. Die Schülerin der dritten Oberstufe erinnert sich besonders gerne an die Besuche des Pfaus während des Kochunterrichts. «Oski machte sich vor dem Fenster der Schulküche bemerkbar. Ich durfte ihn mit Erdnüssen füttern», erzählt sie. «Er war das Halden-Maskottchen. Alle hatten ihn gern. Dass er nicht mehr da ist, ist traurig.»
Auch Edith Benz, die Oskar viele Jahre betreut hat, kann nicht fassen, dass ihr gefiederter Freund nicht mehr da ist. «Die Kinder liebten ihn. Bewohner des Altersheims kamen ihn mit den Rollstühlen besuchen. Oskars Tod ist für viele Menschen ein grosser Verlust», sagt sie. Oskar lebte frei und spazierte im Quartier umher. Obwohl Mehlwürmer aus der Hand gefüttert seine Leibspeise waren, verschmähte er auch Wähen nicht, die zum Auskühlen aufs Fensterbrett gestellt wurden. Besonderen Spass machte es ihm offenbar, Autofahrer mit einer spontanen Fahrbahnüberquerung in Verlegenheit zu bringen. Einmal hat die Tierambulanz den Pfau mitten auf der «Glatthof»-Kreuzung eingefangen und in einem Sack verpackt heimgebracht.
Die Polizei wollte, dass Oskar in ein Gehege gesperrt wird, doch Schulpräsident Hans Zolliker setzte sich für Oskis Freiheit ein. So spazierte der Vogel weiterhin frisch und fröhlich im Quartier umher. «Was immer er auch anrichtete – für viele Menschen war er der absolute Hit», sagt Benz. Dass er nun nicht mehr lebt, macht sie traurig. «Er war ein Lausbub, ein Original. Für die Sek-Schüler Seelentröster und Aufsteller. Dass er auf diese Weise gehen musste, hat er nicht verdient.»