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MONTAG, 19. JULI 2010
Rafz Von Peter Colats Rekord berichteten alle – «ZU»/«NBT» wollen mehr wissen über den Taucher
Keiner hält länger den Atem an
Peter Colat taucht immer mal wieder ab – und lange, lange nicht mehr auf. Der Rafzer kann länger unter Wasser ausharren als jeder andere Mensch. Und das macht einige Damen ganz schön nervös.
Kathrin Morf
Unter Wasser – hier im Opfiker Freibad, wo er etwa zweimal wöchentlich trainert – ist Peter Colat völlig entspannt. Seine Mono-Flosse ist aber so eng, dass er nur mit Hilfe von Seife hineinschlüpfen kann. Und die Füsse schmerzen schnell. (kam)
Mitte Februar drängten sich an der St. Galler Ferienmesse zahlreiche Besucher um einen Glastank und bestaunten den Mann, der fast 20 Minuten unter Wasser ausharrte und dabei so entspannt wirkte, als würde er auf dem heimischen Sofa liegen. Dieser Mann war Peter Colat aus Rafz – ein Apnoe-Taucher (siehe kursiv) von Weltklasse.

Begonnen hat alles 1997. Colat weilte mit Freunden im Urlaub, und die jungen Männer taten, was junge Männer nun einmal tun – sich andauernd in irgendetwas messen. Einmal wollten sie wissen, wer am längsten unter Wasser bleiben kann. Nach drei Minuten hatten fast alle aufgegeben, nur Colat harrte noch immer auf dem Grund des Pools aus. «Damals packte mich der Ehrgeiz. Schon in den Ferien begann ich zu trainieren», erzählt er. Wieder daheim, fand er im «Guinnessbuch der Rekorde» seine Berufung: Apnoetauchen.

Forcierte Tagträume unter Wasser

Ja, viel hat sich verändert seit diesen Ferien vor 13 Jahren. Colat ist Familienvater, hat beispielsweise die Deutsche Meisterschaft gewonnen und hält den Schweizer Rekord im Streckentauchen ohne Flossen: 127 Meter schafft der 39-Jährige. Und weil er an der Ferienmesse 19 Minuten und 21 Sekunden unter Wasser blieb, steht er nun selbst im Guinnessbuch. Ein offizieller Weltrekord ist das aber nicht, da er vor dem Abtauchen reinen Sauerstoff einatmete. Den offiziellen Weltrekord ohne dieses «Auftanken» hält Stéphane Mifsud (F) mit 11 Minuten und 35 Sekunden.

Auch wenns so scheint: Mit Kiemen oder zumindest einer riesigen Lunge ist Colat nicht gesegnet. «Du brauchst nur mentale Stärke. 80 Prozent sind Kopfsache», sagt er. «Du musst deinen Körper überzeugen, dass er nicht Luft zu holen braucht.» Der Körper bekämpft diese Bemühungen jedoch – mit Atemreizen: Erst fühlt sich Colat pudelwohl unter Wasser, doch dann «meldet sich das Zwerchfell», immer häufiger, immer heftiger, sein Körper beginnt zu zucken. «Meine Grenzen kenne ich aber», sagt er. Gäbe er nicht rechtzeitig auf, würde er ohnmächtig, Hirnschäden drohten.

Wie er sich unter Wasser trotz Atemreizen entspannt, verrät Colat: Er taucht in schöne Tagträume ab, spielt in Gedanken mit seiner zweijährigen Tochter Anisha. «Ein Journalist schrieb einmal, ich würde mir vorstellen, mit Delfinen zu schwimmen. Das hört sich zwar romantisch an, stimmt aber nicht», erzählt er und schüttelt lachend den Kopf. Der Medienrummel sei ihm nach seinem Weltrekord fast zu viel geworden.

Inzwischen hat sich die Aufregung aber gelegt und Colat trainiert fleissig, will er doch bald über 20 Minuten abtauchen. Natürlich seien Familie und Arbeit wichtiger, sagt er, aber «dort unten» könne er alle Sorgen vergessen – ausser er isst das Falsche. «Wenn jemand so lange unter Wasser bleibt, muss er aufstossen. Und mit Zwiebeln im Magen ist das ganz schön eklig.»

Das Staunen der Schnorchler

Tieftauchen trainiert der Rafzer selten. Nicht die Angst hindere ihn daran, in die Tiefen des Sees vorzudringen, wo ihn ohne Lampe nur Dunkelheit erwartet – und mit Lampe nur Schlamm. «Mir ists 50 Meter unter der Wasseroberfläche einfach zu kalt», erklärt er. «Darum setze ich auf Disziplinen, die ich im warmen Hallenbad trainieren kann.» Nur im Meer überkommt ihn die «Tiefenlust». Als er vor ein paar Jahren mit einer Schnorchelgruppe auf den Malediven unterwegs war, tauchte er kurzerhand ab und schaute sich die Korallen gemütlich aus der Nähe an. «Danach redeten alle nur von mir statt von den schönen Fischen», erzählt er und lacht.

Nicht zum Lachen zumute war kürzlich einigen Badi-Besucherinnen, als sie Colat lange auf dem Grund liegen sahen. «Wir lernen nun mal in der Schule, dass ein Mensch nach drei Minuten ohne Sauerstoff stirbt», so Colat. Angstvoll rannten die Damen los, um Hilfe zu holen. «Zum Glück kennt mich der Bademeister», sagt der Rafzer schmunzelnd, «und hat die Damen beruhigt.»


Apnoetauchen
Der griechische Begriff «Apnoe» bezeichnet den Zeitraum zwischen dem Ein- und Ausatmen. «Apnoetauchen» oder auch «Freitauchen» meint das Tauchen mit Atemluft – ohne Pressluftflaschen also. Apnoetauchen ist auch Leistungssport: Lange unten bleiben sowie weit und tief tauchen sind die Disziplinen. Überwachung durch Dritte ist dabei wichtig.

In der Schweiz gibts laut Peter Colat etwa 15 gute Apnoetaucher, keiner von ihnen ist ein Profi. Solche gibts dank staatlichen Subventionen beispielsweise in Frankreich. Apnoeanfängern empfiehlt Colat die «Karpfen-Technik»: Sind die Lungen gefüllt, schnappt der Taucher immer wieder nach Luft. So füllt er die Lunge häppchenweise weiter, ohne dass bereits eingeatmete Luft entweicht. (kam)

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