Unterland Sommerserie – Zwei Bachenbülacher erlebten mit ihrem Landrover grosse Abenteuer
Der Knast hat sie zu Brüdern gemacht
Dan Schürch und Patrick Hüppi aus Bachenbülach sassen auf ihrer Reise unschuldig in einem syrischen Gefängnis. Dort bekochten die beiden die muslimischen Wärter mit Schweinefleisch. Fabian Boller
Die Liebe zum Landrover ist Dan Schürch (rechts) und Patrick Hüppi bis heute geblieben. Noch immer steht ein Gefährt dieser Marke in Schürchs Garageneinfahrt. (fab)
Heute würde ich das wohl nicht mehr so machen», sagt Dan Schürch. «Wir waren jung und ziemlich naiv.» Gemeinsam mit seinem Kollegen Patrick Hüppi hat er im Jahr 1997 eine wilde, weite Reise unternommen. Sie führte unter anderem über Deutschland, Polen und die Slowakei durch Bulgarien und Syrien nach Israel. Die beiden Abenteurer legten die ganze Strecke mit einem Landrover zurück. Für den «Zürcher Unterländer» berichteten die damals 21-jährigen Abenteurer in einer Serie per Fax von ihrer Reise. Eine Episode blieb den beiden Weltenbummlern in besonderer Erinnerung und dürfte auch bei den Lesern für grosses Aufsehen gesorgt haben: «Syrer hielten Unterländer für Spione: Fünf Tage unschuldig im Gefängnis» titelte der «ZU» am 12. April 1997 auf der Frontseite.
Mit Maschinengewehren geweckt
«Wir stellten unseren Landrover ganz in der Nähe eines Grenzüberganges ab und wollten dort übernachten», erinnert sich Schürch. Er und sein Reisegefährte hätten sich bei den Grenzpolizisten sogar noch erkundigt, ob das in Ordnung sei. Um 20 Uhr legten sie sich schlafen. Laute Schreie und das Licht von Scheinwerfern holte sie zwei Stunden später aus ihren Träumen zurück. «Ich rieb mir die Augen», sagt Schürch. «Dann realisierte ich, dass wir von zwölf Grenzbeamten mit Maschinengewehren umzingelt waren.» Die Polizisten hielten die Unterländer für Spione und steckten sie ins Gefängnis. Fünf Tage mussten die beiden Abenteurer dort ausharren. «Am Anfang nahmen wir es noch ziemlich gelassen», sagt Hüppi. «Wir scherzten, das gebe eine gute Geschichte für die Zeitung.» Doch als sich die in Aussicht gestellte Freilassung immer wieder verzögerte, hätten sie es langsam mit der Angst zu tun bekommen.
Die verbotene Kost
Für eine lustige Episode sorgten die beiden dennoch im syrischen Knast. «Wir hatten einen saumässigen Hunger und offerierten den Wärtern, dass wir für sie und uns etwas kochen würden», sagt Schürch. Die Wärter akzeptierten. In ihrem Landrover hatten die beiden Unterländer nur noch eine Konservendose mit Schweinefleisch. Diese bereiteten sie für die muslimischen Wärter auf einem Benzinkocher zu. «Wir versicherten ihnen, dass es kein Schweinefleisch sei», erinnert sich Schürch schmunzelnd, und die Muslime assen die vom Koran verbotene Kost. «Eigentlich sind wir nicht so bösartig und respektieren die Gepflogenheiten anderer Religionen, doch in dieser Situation war das eine Art der Vergeltung», sagt Hüppi.
«Ganz schnell verschwinden»
Nach fünf Tagen erfolgte dann die Freilassung – «aus heiterem Himmel», wie sich Schürch erinnert. «Plötzlich mussten wir ganz schnell verschwinden. Wir wissen bis heute nicht, weshalb.» Von der syrischen Botschaft in der Schweiz erfuhren die Unterländer später, dass sie riesiges Glück hatten. Denn im Normallfall kämen Ausländer nicht ohne Schläge oder Lösegeldzahlungen wieder aus dem Bau. Die Gefängniswärter klauten ihren Schweizer Gefangenen aber immerhin einige Wertsachen aus dem Auto.
Schlafen auf engstem Raum
Heute sind Schürch und Hüppi beide 34-jährig, verheiratet und beide haben Kinder. Schürch arbeitet als Architekt und lebt wieder in Bachenbülach. Hüppi ist Programmierer und nach Hochfelden umgesiedelt. Ihre viereinhalb monatige Reise hat die Freundschaft damals schon auf eine Zerreissprobe gestellt. «Nicht immer war es einfach, zu zweit so viel Zeit auf engem Raum zu verbringen», erinnert sich Hüppi. «Dan schaltete zum Beispiel beim Fahren immer viel zu spät hoch. Das hat mich fast wahnsinnig gemacht.» Auch das Nachtlager der beiden bot viel Konfliktpotenzial. «Zum Schlafen schoben wir jeweils Bretter über die Sitze des Landrovers. Da blieben rund 50 Zentimeter Platz bis zum Dach», erklärt Schürch. Dennoch sind Schürch und Hüppi bis heute in engem Kontakt. Die Reise hat aus den beiden Weltenbummlern Freunde fürs Leben gemacht. Auch wenn sie zurzeit kein neues Abenteuer in Planung haben, schliessen sie nicht aus, irgendwann wieder mit dem Landrover auf Entdeckung zu gehen.