Wallisellen Der Mitspielzirkus Pipistrello lässt unter den Beteiligten keine Langeweile aufkommen
Zirkusferien im Zeichen der Fledermaus
Auf der ferienhalber verwaisten Schulhauswiese ist für diese Woche das Zirkusleben eingekehrt. 53 Walliseller Kinder proben für ihren grossen Auftritt von heute Abend in der Pipistrello-Manege.
Christian Wüthrich
Noch sind die kleinen Artistinnen im Fledermaus-Zirkus am Proben, die Galavorstellung mit den Walliseller Schulkindern findet heute Abend statt. (Sibylle Meier)
Am Himmel über Wallisellen sind gerade wieder alle Schleusen geöffnet. Regenspritzer haben auch die Bänke unter dem Vorzelt des Küchenwagens nass gemacht. Trotzdem kehrt Gemütlichkeit ein, wenn die Pipistrellis – so nennen sich die Zirkusmacher – zum Mittagessen vorbeikommen. Diese Woche steht das Zelt des Circolino Pipistrello bei den Sportanlagen in Wallisellen, gleich neben dem Mösli-Schulhaus.
Miriam Foster leitet diese Woche die Direktionsgruppe. Eben noch war die 24-Jährige mit ihrer Kinderschar am Proben im Chapiteau. «Es ist nicht immer so einfach, die Teilnehmer zu motivieren», sagt sie. Aber da sich jetzt, in der zweiten Sommerferienwoche, lediglich 53 Kinder angemeldet haben, bleibt etwas mehr Zeit und Spielraum für die einzelnen Kinder, die sich in verschiedenen Artistengruppen auf ihren grossen Auftritt Ende Woche vorbereiten.
Hier dürfen alle mitmachen
Im Mitspielzirkus gibt es keine Tiere, dagegen viel Akrobatik, Seillaufen, Jonglage oder etwa Trapeznummern. Manchmal zähmen die 17 Pipistrelli bis zu 100 Kinder während einer Projektwoche. «Das braucht viel Nerven», sagt die zierliche Direktorin, die eigentlich Schreinerin gelernt hat.
In ihrer Gruppe, die heute Abend durch das Programm führt und für den roten Faden verantwortlich ist, machen auch Diego, Fabio und Damian mit.
Letzterer ist mit 18 Jahren der Älteste der Truppe. Er ist leicht behindert, fühlt sich aber zwischen den Mittelstufenschülern sichtlich wohl und ist auch voll akzeptiert. Die Leiter achten auch darauf, dass alle nach Möglichkeit ihre Wunschrolle übernehmen können. «Ich bin Polizist, das habe ich mir schon immer einmal gewünscht», meint Damian. Seine Skepsis ist längst gewichen, denn eigentlich hatten ihm vor allem seine Eltern die Teilnahme ans Herz gelegt. «Ich würde jederzeit wieder mitmachen, wir haben eine super Woche hier.»
Von Aliens und Muskelprotzen
Die beiden elfjährigen Diego und Fabio sind Freunde. Diego spielt den unheimlichen Alien, während Fabio den Part des heldenhaften Befreiers – eines Muskelprotzes – übernommen hat. Er soll die Zirkusdamen Lara, Sara und Susan aus den Fängen seines bösen Kollegen befreien. Noch sind die Nachwuchsartisten am Proben, damit die Geschichte dann auch ja gut ankommt. Finanziert wird die Woche durch die Teilnahmegebühren, eine Hutsammlung nach den Programmvorstellungen sowie Spenden- und Gönnerbeiträge an die Stiftung Pipistrello. Nächste Woche ziehen die Pipistrellis weiter nach Jona an den oberen Zürichsee.