SCHÖFFLISDORF / Gemeinderat verweigert Baubewilligung für Lichtstele
Noch kein Licht aufgegangen
Der Schöfflisdorfer Gemeinderat will keine acht Meter hohe Lichtsäule am Bahnhof. Die SBB werden sie vielleicht trotzdem
erstellen. Urs Wegmann
In Dielsdorf leuchtet bereits die Lichtsäule. (pw)
620 Regionalbahnhöfe der SBB erhalten in den nächsten vier Jahren ein neues Gesicht. Nach dem Facelifting sollen die Stationen gepflegter und einheitlicher erscheinen. Ein Schwerpunkt in der Neugestaltung ist das Beleuchtungskonzept. Dazu gehört die so genannte Lichtstele. Die acht Meter hohe Säule soll von weitem den Bahnhof kennzeichnen. Die Aluminiumkonstruktion wird mit vier Lampen von unten angestrahlt.
Doch genau diese Säule löst nicht nur Freude aus. Der Gemeinderat Schöfflisdorf hat den SBB die Baubewilligung für die Konstruktion verweigert. «Bei uns liegt der Bahnhof praktisch im Wohnquartier», erklärt Gemeindeschreiber Peter Kunz. Einige Anwohner hätten den baurechtlichen Entscheid verlangt, wobei es meistens um die Lichtstele gegangen sei. Der Gemeinderat sei zum Schluss gekommen, dass die Säule nicht in die ländliche Umgebung passe. «Ansonsten», hält Kunz fest, «haben wir aber nichts gegen die Neugestaltung des Bahnhofs.»
Die SBB zogen nach dem negativen Bescheid aus dem Wehntal gleich das ganze Baugesuch ? auch für den restlichen Umbau ? zurück. Dass damit für die Schöfflisdorfer die Säule vom Tisch ist, heisst das aber noch nicht.
SBB-Mediensprecher Roger Baumann bestätigt den Rückzug des Baugesuchs bei der Gemeinde. Dafür habe man es jetzt beim Bundesamt für Verkehr (BAV) eingereicht. «Denn es ist fraglich, ob überhaupt die Gemeinde für die Beurteilung zuständig ist», sagt Baumann. Weil man aber eine einvernehmliche Lösung gesucht habe, schenke man den Gemeinden Gehör.
Lichtverschmutzung
Schöfflisdorf steht nicht allein mit der Kritik. Auch eine zweite Gemeinde, Bauma im Zürcher Oberland, hat das Baugesuch aus ähnlichen Gründen verweigert, wie der Baumer Gemeindepräsident Peter Good bestätigt. Auch dort haben die SBB das Baugesuch zurückgezogen und lassen es vom BAV prüfen.
Kritik an der Lichtsäule ist auch aus anderen Kreisen laut geworden. Die Organisation Dark Sky Switzerland (DSS) setzt sich gegen die zunehmende Lichtverschmutzung des Nachthimmels ein. «Kaum ein Quadratmeter in der Schweiz ist noch vollständig dunkel», erklärt Umweltingenieur und Hobbyastronom René L. Kobler, Vizepräsident der DSS. Das verwirre Zugvögel, Insekten und störe nicht zuletzt den menschlichen Organismus. Immerhin hätten die SBB die ursprünglich vorgesehene Lichtstärke bereits reduziert, sagt er.
Lösung steht noch aus
Bis Ende letzten Jahres sind rund 100 Bahnhöfe schweizweit renoviert worden, seit neustem ist die Lichtstele zum Beispiel auch am Bahnhof Dielsdorf zu sehen. In den nächsten vier Jahren sollen die restlichen Orte folgen.
Wie es in Schöfflisdorf weitergeht, ist noch unklar. Auch wenn das BAV gegen den Willen der Schöfflisdorfer die Lichtsäule bewilligt, ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Baumann zeigt sich versöhnlich: «Um jeden Preis durchzwängen wollen wir die Lichtstele auf keinen Fall.»