Ein zehntes Schuljahr anzuhängen, ist heute eine Überlegung wert. Dies zeigte sich am Samstag am Besuchstag der Berufswahlschule Bülach. Angehörige und Schüler, die keine Lehrstelle gefunden haben, konnten sich informieren.
Oliver Fritschi
Lehrer und Gäste stellen sich mit Schulleiter Walter Fehr (vorne Mitte) zum Gruppenbild. (ofr)
Der Ablauf ist allen noch von der eigenen Schullaufbahn präsent: Eltern, Freunde und Verwandte besuchen den Unterricht, die Lehrer geben sich etwas mehr Mühe, und die Schüler sind froh, wenn es vorbei ist. Ganz anders bei der Berufswahlschule Bülach, denn hier wurde etwas geboten: Vorträge einzelner Schüler über interessante Themen, Podiumsgespräche, eine Modeschau mit Schülerinnen und vieles mehr.
Zulauf wegen Wirtschaftslage
Dass die ganzen Anstrengungen nicht zuletzt auch zu Werbezwecken geschehen, versteht sich. Gemäss Schulleiter Walter Fehr könne man sich aber infolge der schlechten wirtschaftlichen Situation über mangelnden Zulauf kaum beklagen. Dabei müssen viele die 13 000 Franken Schulgebühr selbst bezahlen, da sich nicht alle Gemeinden an den Kosten beteiligen.
Es gäbe genug Lehrstellen
Sich für ein zehntes Schuljahr zu entscheiden, könnte sich aber auszahlen. Viele junge Menschen stehen heute nach der obligatorischen Schulzeit ohne Lehrstelle da. 82 Prozent der diesjährigen BWS-Schüler hingegen haben einen Vertrag in der Tasche, weitere 17 Prozent eine feste Zusage. Spezielle Kurse verschaffen dabei den Schülern bessere Karten auf dem Lehrstellenmarkt. So besteht für Leute mit besonders guter Handhabung von Anwendersoftware wie Word oder Excel die Möglichkeit, das schweizerische Informatikzertifikat zu erlangen.
Das Dilemma bei den Lehrstellen besteht hingegen darin, dass es zwar genug gäbe, aber eben nicht in den Bereichen, die sich die meisten Schülerinnen und Schüler wünschen. Während auf eine ausgeschriebene KV-Stelle bis zu 100 Bewerbungen kommen, konnte die Migros im Sommer 40 Verkaufsstellen im Fleischsektor nicht besetzen. Von Lehrstellenmangel zu sprechen ist faktisch also falsch, von einer Verringerung des Angebots aber schon, speziell im Bürobereich.
Die Aufgabe der Berufswahlschule besteht darin, Schülerinnen und Schülern, die im Wunschberuf keine Lehrstelle finden, alternative Karrierewege aufzuzeigen. Walter Fehr führt dabei eine Schülerin an, die als Tierpflegerin zuerst keine Stelle gefunden hat, nun aber durch eine Gärtnerlehre im Zoo arbeiten kann.