OBERGLATT / Überarbeiteter Gestaltungsplan voraussichtlich an der Dezember-Gemeindeversammlung
Mösli-Grossüberbauung redimensioniert
Das Nein des Regierungsrats zur Grossüberbauung Mösli in Oberglatt hat die Initianten beflügelt. Nun liegt ein kleineres Projekt vor. «Zum Glück», sagt der Zürcher Star-Architekt Justus Dahinden. Daniel Jaggi
Die Grossüberbauung Mösli ist kleiner geworden. Für Star-Architekt Justus Dahinden hat das Projekt dadurch an Qualität gewonnen. (Bild: Patrick Gutenberg)
144 Wohnungen, 529 Parkplätze und 11 600 Quadratmeter Verkaufsfläche waren dem Zürcher Regierungsrat zu viel. Er hiess deshalb eine Beschwerde des Verkehrsclubs der Schweiz (VCS) gut und hob im Juni den vom Oberglatter Volk genehmigten privaten Gestaltungsplan Mösli wieder auf. Gescheitert ist die Grossüberbauung an der schlechten Erschliessung durch den öffentlichen Verkehr.
Chance genutzt
Doch die Initianten, die Berner Generalunternehmung Marazzi und der Zürcher Star-Architekt Justus Dahinden, liessen sich deswegen nicht unterkriegen. Dahinden, ehemaliger Professor für Raumgestaltung in Wien, redimensionierte das Projekt und reichte kürzlich den überarbeiteten Gestaltungsplan beim Oberglatter Gemeinderat ein. Dieser hat ihn am Dienstag genehmigt. Nach Angaben von Hochbauvorstand Xaver Gassmann wird der überarbeitete Gestaltungsplan voraussichtlich an der Dezember-Gemeindeversammlung dem Volk vorgelegt. «Wir stehen nach wie vor hinter dem Projekt.»
«Projekt hat gewonnen»
Mit dem Verzicht auf ein zweites Verkaufsgeschoss und eine unterirdische Parkebene ist die Verkaufsfläche auf 4900 Quadratmeter mehr als halbiert worden. Die Parkplatzzahl verringerte sich von 529 auf 299. Unverändert geblieben ist mit 144 Wohnungen einzig der Wohnanteil an dem als Wohnpyramide konzipierten Bau.
«Mit der Verkleinerung hat das Projekt sogar gewonnen», sagt der Ehrenprofessor verschiedener Fakultäten.
Mit der Redimensionierung unter 300 Parkplätze und 5000 Quadratmeter Verkaufsfläche ist für den Generalunternehmer eines gewonnen: Der VCS verliert sein Beschwerderecht.
Vermietung gesichert
Die Projektinitianten sind aber auch aus einem anderen Grund nicht unglücklich über das nun überarbeitete Projekt. Dahinden: «Ob wir angesichts der konjunkturellen Flaute die ursprünglich geplante Verkaufsfläche hätten vermieten können, ist fraglich.» Nun habe er ein gutes Gefühl, genügend gewerbliche Mieter zu finden.
Die Grossüberbauung ist im Unterland in seiner Art einmalig und fasst Dahindens Bauphilosophie eindrücklich zusammen. Der Zürcher versteht Raum in seiner Vielgestalt als Dienstleistung am Menschen. «Diese Dienstleistung ist ganzheitlich, sie besteht nicht nur in der Zweckerfüllung.»
Einzigartige Bauform
Die Grossüberbauung ist um ein 3600 Quadratmeter grosses, unter Schutz stehendes Waldbiotop drapiert und vereint Mietwohnungen und Arbeitsraum in grosszügiger Form. Wohnqualität schafft der mehrfach ausgezeichnete Architekturprofessor in einer pyramidenförmigen Terrassierung der Wohneinheiten. Die im Innern entstehende Mall schaffe Lebensraum für alle, sagt er. Die Verkaufsräume im Erdgeschoss sind individuell ausbaubar. Wer sie nutzen wird, ist noch unklar.
Nachdem Anfang der 90er Jahre das Projekt für ein Migros-Einkaufszentrum aus wirtschaftlichen Gründen fallen gelassen wurde, suchte die Marazzi AG nach einer anderen Überbauungsform. Dahinden erarbeitete ein Projekt, das Arbeit, Freizeit und Wohnen zulässt.