NIEDERWENINGEN / Im Wehntal soll für rund 700 000 Franken ein Zentrum für Urgeschichte entstehen
Das Mammut soll ein Haus erhalten
Der Verein für Ortsgeschichte Niederweningen plant ein Mammutmuseum, wo die gefunden Knochen ausgestellt werden können. Der Gemeinderat hat bereits beschlossen, Land zur Verfügung zu stellen.
Urs Wegmann
Unter einer Glasplatte würden die gefundenen Knochen ausgestellt. Die Raumhöhe ist so geplant, dass später ein ganzes Mammutskelett die Ausstellung ergänzen könnte. (zvg)
Das hätte sich Baggerführer Thomas Maag wohl nicht gedacht, als er am 2. Juli diesen Sommer beim Aushub für die neuen Mehrfamilienhäuser an der Murzlenstrasse auf etwas Hartes stiess. Zwar war schnell klar, dass es sich um die Überreste eines Mammuts handeln muss, das vor 35 000 Jahren im heutigen Niederweningen in einem Sumpf verendet ist. Je tiefer die Archäologen und Paläontologen daraufhin buddelten, umso sensationeller wurde der Fund.
Bald stellte sich heraus, dass es sich um ein fast komplettes Skelett eines Tieres mit rund 3,5 Meter Schulterhöhe handelt. Hunderte von Personen interessierten sich für den Fund und besuchten die Ausgrabungsarbeiten. Lange blieb aber unklar, ob die Knochen präpariert und ausgestellt werden können. Doch jetzt zeichnet sich ein mögliche Lösung ab.
Parzelle hinter Werkgebäude
Treibende Kräfte sind der ehemalige Gemeindepräsident Felix Wittwer und Rudolf Hauser, Verwaltungsrats-präsident der Bucher Industries. Beide sind im Verein Ortsgeschichte engagiert. «Ich habe mich schon immer mit der Geschichte der Mammuts in dieser Gegend befasst», erklärt Hauser sein Engagement. Da habe sich aufgedrängt, dass sich der Verein für die neusten Funde einsetzt. Jetzt liegen erste Ideen vor, in welcher Form die Fundstücke der Öffentlichkeit präsentiert werden könnten.
Hinter dem Niederweninger Werkgebäude auf einer Parzelle, die ebenfalls im Besitz der Gemeinde ist, soll ein Mammutmuseum errichtet werden. Idee ist, dass die Originalknochen unter einem begehbaren Glasboden ausgestellt werden. Vielleicht besteht sogar die Möglichkeit, dass ein Abguss des vollständigen Skelettes, wie es im paläantologischen Museums in Zürich steht, aufgestellt werden kann. «Die Räume sollen einfach und zweckmässig werden», erklärt Hauser. Die Ausstellung soll begleitet werden durch weitere Fundobjekte und eine umfangreiche Bebilderung und Erklärungen zur Urgeschichte unserer Landschaft.
Platz für ganze Schulklasse
Der Regensberger Architekt Rolf Lüthi hat bereits ein erstes mögliches Projekt vorgelegt. Er zeichnet auch als Architekt verantwortlich für die Häuser an der Murzlenstrasse ? dort, wo die Knochen gefunden worden sind. Er ist ein regelrechter Fan der Mammutfunde.
«Es ist doch bewegend, die Urgeschichte so direkt erfahren zu können», sagt er. Sein Entwurf sieht vor, dass das Museumsgebäude rund 26 auf 10 Meter gross und etwas über 5 Meter hoch wird. «Nur dann hätten wir auch die Möglichkeit, ein ganzes Skelett aufzustellen», erklärt der Architekt die Höhe. Im Innenraum sollen Schulen die Möglichkeit haben, ganze Lektionen abzuhalten. «Auf der Aussenseite könnte man ein grosses Bild von einem Mammut oder anderen Urtieren anbringen», schwebt Lüthi vor. Er rechnet einschliesslich Ausstattung mit Gesamtkosten von rund 700 000 Franken, ohne den Landwert.
Ziel: bis 2005 fertig
Am Montag hat sich der Niederweninger Gemeinderat an seiner Sitzung mit dem Museum beschäftigt. Wie Gemeindepräsident Jakob Utzinger gegenüber dem «ZU» bestätigt, ist die Gemeinde bereit, das Land für das Museum zur Verfügung zu stellen, es bleibt allerdings im Besitz der Gemeinde. «Wir finden es toll, dass in unserem Ort so ein spektakulärer Fund gemacht worden ist», begründet Utzinger den Entscheid. Es sei wünschenswert, dass dieser nun auch ausgestellt werden könne.
Für den Verein Ortsgeschichte ist der Entscheid des Gemeinderates von grosser Bedeutung. «Wir sind sehr froh über diesen Beschluss», sagt Hauser. Der Gegenwert des Landes entspricht rund 300 000 Franken. Damit stünden die Chancen erheblich besser, dass über öffentliche und private Spenden der Restbetrag gesammelt werden könne. Sie hätten bereits Angebote, bestätigt Hauser, er könne aber noch keine genaueren Angaben zur Finanzierungsstrategie machen. Das Gebäude würde in den Besitz der Gemeinde übergehen, der Verein für Ortsgeschichte den Betrieb übernehmen.
Im Idelafall, so hofft Hauser, kann nächsten Sommer mit dem Bau begonnen werden. Spätestens Anfang 2005 soll Niederweningen über sein eigenes Mammutmuseum verfügen.