SCHLEINIKON / Krimi-Lesung mit Roger Graf und Michael Schacht
Maloney und Co.: Mord ist ihr Geschäft
Krimi-Autor Roger Graf darf nicht nur auf seine Hauptfigur, den lässigen Detektiv Philip Maloney, reduziert werden. Das zeigte sich bei einer Lesung in Schleinikon. Trotzdem ist sein literarisches Zuhause im Verbrechermilieu zu suchen.
Katrin Brunner
Schauspieler Michael Schacht, alias Philip Maloney, und Krimi-Autor Roger Graf (rechts) sind ein eingespieltes Team. (bruk)
Trotz des garstigen Wetters fand sich am Mittwochabend eine Gruppe von Krimifans ein, den bekannten und weniger bekannten Geschichten von Roger Graf zu lauschen. Die Lesung veranstaltet hatten die Bibliothek Niederweningen und die Kulturkommission Schleinikon-Oberweningen-Schöfflisdorf.
Auftritt Philip Maloney
Dass der Schriftsteller Roger Graf nicht allein auf seine Figur des Detektivs Philip Maloney reduziert werden darf, bewies sein Einstieg mit der Kurzgeschichte «Tod im Kräutergarten». Damit waren nicht ausschliesslich die Schnecken gemeint. Das wurde den Zuhörern bald klar. Leider nicht dem ermittelnden Polizeibeamten, der die vermeintlich etwas unterbelichtete Besitzerin des Gartens gehörig unterschätzte.
Der 1942 in Berlin geborene Schauspieler Michael Schacht leiht dem vom Radio her bekannten Detektiv Maloney seine Stimme und seinen Charakter. Und zwar mit Leib und Seele. Er war bei der Lesung aber auch der Rockstar Axel Hose, dessen österreichischen Akzent Schacht perfekt imitierte, oder der etwas exzentrische Fussfetischist unter Mordverdacht. Michael Schacht schlüpft in jede Rolle sofort hinein und macht daraus eine temperamentvolle Lesung.
Die Figur des Privatschnüfflers Philip Maloney war als Parodie auf die klassischen amerikanischen Detektive gedacht. Wer Philip Marlowe von Raymond Chandler kennt, wird in den Geschichten um Maloney viel Ähnlichkeit bemerken. Roger Graf hat erreicht, eine Parodie zu erschaffen, ohne das Original zu diskriminieren.
Pause für den Detektiv
Ein Jahr lang machte Philip Maloney Ferien und liess im Schweizer Radio DRS dafür seine alten Fälle Revue passieren. Das heisst aber nicht, dass Roger Graf sich auch ausgeruht hätte. In dieser Zeit schrieb er diverse Kurzgeschichten. «Blutig oder etwas weniger blutig, lustig oder aber auch mal einen Krimi für die Adventszeit, so wie es eben gerade gewünscht wird», meinte er mit trockenem Humor. Dass das nicht alles war, beweist auch sein neuestes Buch «Die Frau am Fenster». Ein 431 Seiten starkes Stück um den Mord an einen Bankangestellten.
Ab kommendem Sonntagmorgen ist nun der Urlaub für Maloney vorbei, und er muss sich wieder mit einem neuen Fall beschäftigen. Wie immer zwischen 11 und 12 Uhr auf Radio DRS3.