Rümlang: Kanton beauftragt Gemeinde mit Vorbereitungsarbeiten für die Pistenverlängerung
«Wir sind in einem Dilemma»
Die Baudirektion des Kantons will, dass Rümlang die Gesamtplanung des Glattraums erneuert. Grund dafür ist die geplante Westpistenverlängerung. Max Hugelshofer
Einige der Industriebauten hinter Thomas Hardegger müssten der Pistenverlängerung weichen. (Herbert Zimmermann)
«Gesamtplanung Glattraum» heisst das Dossier, das vor einigen Wochen auf den Schreibtisch von Planungsvorstand Charles Kappeler flatterte. Hinter dem unscheinbaren Titel verbirgt sich ein explosiver Inhalt: Die Baudirektion des Kantons Zürich beauftragt die Gemeinde Rümlang, die ortsplanerischen Grundlagen für eine Verlängerung der Piste 28 zu erfüllen. Dabei müsste die Glatt umgeleitet und überdeckt werden, die Flughofstrasse müsste verlegt und die Oberglatterstrasse aufgehoben werden. Gebäude im Industriequartier Riedmatt würden abgerissen und grössere Gebiete neu eingezont. «Eine gigantische planerische Arbeit, für die wir im Bauamt zusätzliches Personal einstellen müssten», sagt Kappeler.
Die Gemeinde Rümlang will aber von einem Ausbau der Piste 28 nichts wissen und stellt sich geschlossen gegen solche Pläne. Gemeinde- und Kantonsrat Thomas Hardegger (SP): «Wir sind in einem Dilemma.» Einerseits wolle man sich nicht selbst das Grab schaufeln und mithelfen, die verhasste Pistenverlängerung zu planen. Andererseits würde man durch eine Verweigerung der Zusammenarbeit die Chance vergeben, das Schlimmste zu verhindern. «Die Leute könnten uns den Vorwurf machen, unseren möglichen Einfluss nicht genutzt zu haben.»
«Ist kein Zugeständnis»
Sacha Peter, Projektleiter für Raumplanung in der Flughafenregion beim Kanton, weiss um dieses Spannungsfeld, in dem sich die Gemeinde befindet. Allerdings gehe es mit Blick auf den bis Ende 2006 laufenden SIL-Fachprozess in der ersten Planungsphase nur um technische Grundlagen. Es sei keineswegs so, dass der Gemeinde etwas aufgezwungen werde. Man habe Rümlang nur angeboten, mitzureden. «Bloss weil die Gemeinde mit uns zusammenarbeitet, ist das noch lange kein Zugeständnis, dass sie eine Pistenverlängerung akzeptiert. Diese fachliche Zusammenarbeit setzt jedoch gegenseitiges Vertrauen voraus.»
Über das weitere Vorgehen will der Gemeinderat nächste Woche entscheiden. Gemäss Hardegger zeichnet sich ab, dass die Antwort an die Baudirektion weder «Ja» noch «Nein» lauten wird. «Uns fehlen noch Grundlagen für eine Entscheidung.» So halte der Kanton Informationen vor der Gemeinde zurück. Man wisse, dass Private schon Einblick in Pläne erhalten haben, die es offiziell nicht gibt. «Auf einer solchen Basis kann man nicht zusammenarbeiten», sagt Hardegger. «Sicher werden wir vom Kanton zuerst die Offenlegung aller vorhandenen Pläne fordern.» Eine Forderung, die Sacha Peter nicht beantworten kann. «Welche Daten zugänglich gemacht werden, entscheidet nicht der Kanton, sondern die SIL-Projektleitung beim Bund.»
Nie in dieser Form
Sicher sei, dass sich der Gemeinderat nicht auf den Auftrag in der vorhandenen Form einlasse. «Wir lassen uns von der Baudirektion nicht nötigen und für unsere Antwort auch nicht unter Zeitdruck bringen», sagt Hardegger. «Und wir gehen nach wie vor davon aus, dass die Westpistenverlängerung nicht gebaut wird.»