Rafz: Schulsozialhelferin beginnt Anfang Jahr ihre Arbeit
Unterstützung für Problemfälle
Die Rafzer Schule bietet Sorgenkindern professionelle Unterstützung an. Eine Sozialarbeiterin soll eingreifen, bevor die Probleme von Jugendlichen grösser werden. So könne man Geld sparen.
Fahrettin Calislar
Schulsozialarbeiterin Gabriela Sigg, Schulpräsident Rolf Butz (links) und Schulleiter René Gantner wollen Jugendlichen helfen. Die Gemeindeversammlung hat im Juni 255 000 Franken für Siggs dreijährige 60-Prozent-Stelle bewilligt. (fca)
Man spricht nicht gern darüber, aber auch in vielen Rafzer Köpfen spuken die Bilder brennender Autos in den Pariser Banlieus herum. Wunder darf sich Schulleiter René Gantner von der neuen Schulsozialarbeiterin Gabriela Sigg wohl nicht erwarten, aber: «Wir müssen etwas machen, solange wir erst nasse Füsse haben und uns das Wasser noch nicht bis zum Halse steht.» Rafz sei keine Kleingemeinde mehr und habe durch den Anschluss an die S-Bahn einen massiven Bevölkerungsanstieg erlebt. Die Folge: das soziale Netz drohe zusammenzubrechen. Autoritäten und Werte gelten nicht mehr. Gewalt und Aggressionen nehmen zu. «Das zeigt sich dann halt immer in der Schule», so Gantner.
Die Schulsozialhelferin ist gefordert, zusammen mit den Eltern und den Lehrkräften Lösungen zu finden, wie den Jugendlichen geholfen werden kann. Auf etwa ein Dutzend schätzt Schulpflegepräsident Rolf Butz die Zahl der Problemfälle. Mit Kindern und Jugendlichen hat Sigg schon gearbeitet, im Rahmen eines Präventionsprojekts in Winterthur. Sie zählt die Gründe für die negative Entwicklung auf: Beziehungsprobleme, die Konsumsituation, die Multikulti-Gesellschaft. «Wir sind es unseren Kindern schuldig, dass man sie begleitet», erklärt Sigg. Sonst holten sie sich ihre Orientierung von Gleichaltrigen und elektronischen Medien.
Eltern und Lehrer unterstützen
Doch nicht nur die Jugendlichen sind im Fokus, sondern auch die Eltern. «Die sind völlig auf dem ?Schnauz?», erklärt Gantner, «sie können nicht mehr, sind mit sich selbst beschäftigt, überfordert, kommen weinend in die Sprechstunde.» Ihnen könne geholfen werden, Zeit und Energie für die Erziehung zu finden. Die Schulsozialarbeiterin soll auch den Weg zu jenen finden, die sonst für Prävention nicht erreichbar sind, Bildungsferne, Ausländer: «Wir hoffen, so auch den erzkonservativsten Vater zu erreichen.»
Auch die Unterstützung der Lehrer sei wichtig, betont Gantner. Diese seien keine Therapeuten und könnten nicht mit allen Situationen umgehen. «Doch wir wollen auch nicht einfach die unmöglichen Fälle rüberschicken», sagt der Leiter der Oberstufenschule Schalmenacker, wo Sigg stationiert sein wird.
Es lohnt sich ? aber erst langfristig
Schulpräsident Butz muss viel Überzeugungsarbeit leisten, das weiss er: «Aber wenn wir nur schon drei Jugendliche vor dem Heim bewahren können, sparen wir langfristig viel Geld.» Die Früherfassung von Problemfällen helfe, den explodierenden Budgetposten «Sonderschulung» zu reduzieren. Der nächste Schritt sei die Einrichtung einer offenen Jugendarbeit und die Gründung eines Elternvereins in Rafz.
Langfristig stehen die Vorzeichen gut, beteuert Butz, trotz der negativen Umwelteinflüsse weise Rafz noch eine intakte Sozialstruktur auf; mit etwas Gemeinsinn könnten viele Jugendliche Unterstützung finden.